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Werder (Havel) Drei Künstler gründen das „Projekt Panama“
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Drei Künstler gründen das „Projekt Panama“
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18:07 30.01.2019
Drei Potsdamer Künstler haben in Werder ihr Exil gefunden: Nadine Conrad, Allan Paul und Julia Brömsel (v.l.). Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Raus aus dem Stress, rein ins Kreativzentrum auf dem Land: Allan Paul, Nadine Conrad und Julia Brömsel aus Potsdam haben ein gemeinsames Atelier mit dem Namen „Projekt Panama“ in Werder gegründet. Die steigenden Mieten, den Baustellenlärm und die Enge im Kunst- und Kreativraum des Rechenzentrums hatten sie satt und suchten nach einem Exil, einem gemeinsamen Atelier, einem Ort zum Arbeiten und Wohlfühlen. Sinnbildlich steht die alte Halle des einstigen Schaltgerätewerkes in der Werderaner Eisenbahnstraße für ihr „Panama“, wie Allan Paul erklärt. Wie der Tiger und der Bär in der Kindergeschichte „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch ging es auch den Künstlern darum, einen Sehnsuchtsort zu finden, der zunächst überall sein konnte. „Für uns ist das hier nun der richtige Ort, unser Projekt Panama“, sagt der 43-Jährige.

Gefunden hatte er die freistehende Halle im Internet und sofort zugegriffen. Mit einer neuen Heizung und neuen Fenstern in der Decke zogen zunächst nur Nadine Conrad und er im Oktober ein. Julia Brömsel stieß Ende November dazu. Derzeit leistet ihnen ein Praktikant Gesellschaft, der selbst zeichnet, aber zum Beispiel auch lernt, wie man Leinwände baut. Jeder der drei Künstler hat auf etwa 110 Quadratmetern in der Halle zwischen Kfz-Mechaniker und Gitarrenfabrik seine eigene Ecke, in der er oder sie sich ausleben kann. Hinzu kommt ein kleiner Shopbereich am Eingang, der sich aktuell noch im Aufbau befindet.

Gegenseitig inspirieren

„Ich genieße es hier sehr“, sagt Julia Brömsel. Die 38-Jährige malt Figuren wie aus einer anderen Welt, integriert und übermalt unter anderem Schul-Landkarten und experimentiert gern mit verschiedenen Materialien. „Es geht oft um Begegnungen zwischen Menschen, um Beziehungen, um Mensch und Natur und den Versuch, das große Ganze zu begreifen“, erzählt die Potsdamerin. Schon als Kind malte sie leidenschaftlich gern und die Kunst begleitete sie. In Essen studierte Julia Brömsel „Physical Theatre“ - eine Art Schauspiel, und ging auf Tour mit Wandertheatern. Als sie 2009 Mutter wurde, war es damit vorbei und sie entschied sich für die Selbstständigkeit. 2010 gründete sie mit anderen die Ateliergemeinschaft „Scholle 51“ und stellt seither regelmäßig im In- und Ausland aus. 2016 war die Künstlerin ins Rechenzentrum gekommen. „Das Schöne an dem neuen Ort ist auch, dass wir uns gegenseitig inspirieren und nicht jeder nur sein eigenes Ding macht“, sagt sie.

Neujahrsempfang am 2. Februar

Das „Projekt Panama“ veranstaltet am Sonnabend, 2. Februar, ab 14 Uhr einen Neujahrsempfang in der Eisenbahnstraße 73. Zusammen mit Neugierigen und Kunstfreunden wollen sie das neue Jahr begrüßen und die frisch entstandene Kunst zeigen.

Es gibt viel zu feiern, wie die Künstler ankündigen: die Gründung des Projekts, die Ateliereröffnung in Werder, der Aufbau des Galerieshops und die Gründung des Artcamps Potsdam von Nadine Conrad und Allan Paul.

Nadine Conrad ist vor allem bekannt durch ihre Illustrationen, Karten und Kalender. Auf den Karten sind hauptsächlich die Hotspots und Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt zu sehen. Unter anderem werden diese Arbeiten im Museumsshop Sanssouci verkauft. Vorige Woche hat Nadine Conrad im Planetarium die Ausstellung „Die Sternbilder im Tierkreis“ eröffnet.

Ort für Veranstaltungen

Seit anderthalb Jahren zählt auch die Malerei zu ihrem Portfolio. „Ich wollte einfach mal was anderes machen. Inzwischen geht es immer schneller und freier, das heißt, ohne Vorlage“, erzählt die 35-Jährige. Stimmungsvolle Nebellandschaften, Blicke auf Afrika oder mystische Abbildungen von Frauen sind unter ihren Werken zu finden.

Bunt und kraftvoll ist die Bildsprache von Allan Paul. Seine abstrakten, expressiven und gegenständlichen Bilder erzählen Geschichten. In „Schlechte Karten“ beispielsweise arbeitet er mit Worten und Bildern das Thema Kindesmissbrauch auf. Aber auch das Dreidimensionale reizt den Künstler, der gebürtig aus Bielefeld stammt. Er baut Raumkörper aus Leinwänden, um Bilder neu zu ordnen oder ihnen anderen Ausdruck zu verleihen. Die Leidenschaft zur Kunst hatte ihn vor etwa zehn Jahren gepackt, als er in seiner Karriere als Suchttherapeut selbst einen Zusammenbruch erlebte. „Da habe ich angefangen, wirklich exzessiv zu malen und auch Installationen zu bauen“, erzählt er. 2014 absolvierte Allan Paul eine Umschulung zum Illustrator und spezialisierte sich im zweiten Ausbildungszweig auf die Malerei.

Das Projekt Panama verstehen die Künstler nicht nur als Atelier, sondern auch als Veranstaltungsort. So sollen Hof und Halle im Frühjahr und Sommer mehr belebt werden. Unter anderem ist in Kürze auch ein Auftritt von Musikclowns geplant.

Von Luise Fröhlich

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