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Werder (Havel) Geigenbau-Duo aus Werder erhält Gold und Silber bei US-Wettbewerb
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Geigenbau-Duo aus Werder erhält Gold und Silber bei US-Wettbewerb
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16:23 27.11.2018
In der Werderaner Werkstatt: Die Geigenbauer Mira Gruszow und Gideon Baumblatt (beide 34) mit der ausgezeichneten Bratsche. Quelle: FOTOS (2): Anne Knappe
Werder

Mira Gruszow sitzt an einem kleinen Tisch in der Werderaner Werkstatt in der Eisenbahnstraße und zeichnet mit einem Zirkel und Bleistift die Konstruktion eines Geigen-Modells, Gideon Baumblatt hobelt nebenan an einem Holzstück den Boden – abrichten, sagt man dazu in der Fachsprache. Das Geigenbauerpaar hat es geschafft: Gideon Baumblatt und Mira Gruszow (beide 34) wurden kürzlich beim 23. Internationalen Geigenwettbewerb in Cleveland im US-Staat Ohio gleich mehrfach ausgezeichnet – zwei goldene und zwei silberne Medaillen hat das Paar abgeräumt.

Die erste Violine ihres eingereichten Streichquartetts wurde mit einer doppelten Goldmedaille prämiert. Eine besondere Ehre: Denn diese Auszeichnung wurde bislang nur viermal vergeben. Außerdem wurden sowohl das Cello als auch das gesamte Quartett mit einer Silbermedaille für ihren Klang ausgezeichnet. „Wir haben nicht damit gerechnet“, sagt Gideon Baumblatt. Der Geigenwettbewerb in Cleveland gilt als der größte und wichtigste der Branche. 280 Teilnehmer aus aller Welt hatten mitgemacht. Schon vor zwei Jahren erhielt das Geigerbau-Duo je eine Silbermedaille.

Anfang November reiste Gideon nach Cleveland. Rund eine Woche hat die Jury – die aus anerkannten Musikern und Geigenbauern besteht – hinter verschlossenen Türen die Instrumente bewertet und probiert. „Man nimmt nicht nur teil, um zu gewinnen, sondern auch, um zu schauen, wo man steht. Man lernt auch jetzt immer ganz viel Neues“, sagt Mira.

Neue Wege gehen

Die meisten eingereichten Instrumente sind in der Regel inspiriert von Antonio Stradivari (1644 –1737) oder Giuseppe Guarneri (1698-1744) die in der Branche als Vorbild schlechthin gelten. Das Werderaner Geigerbaupaar ist davon abgewichen. So sind die Instrumente von vier alten italienischen Meistern inspiriert: Michel Angelo Bergonzi, Giovanni Battista Rogeri, Gasparo da Salò und Pietro Guarneri di Venezia. „Das ist ungewöhnlich“, erklärt Gideon Baumblatt. „Aber die Jury hat sich gefreut, dass jemand dazu mal den Mut hatte.“ Gelobt wurden sowohl die warmen und vielfarbigen Klänge, als auch die Originalität und Qualität der Holzarbeit. Das Cello und die Geigen sind noch vor Ort verkauft worden, auch die zweite Geige ging schon weg.

Damit wirken die beiden auch einem Trend entgegen: Die Instrumente müssen zunehmend lauter werden, mehr Wums haben und schneller sein, erklärt Gideon. „Dem müssen wir uns sicher ein Stück weit beugen. Aber wir möchten Instrumente bauen, die eine möglichst große Klangpalette haben.“

Zweimal Gold, zweimal Silber: Das Geigerbau-Duo hat abgeräumt. Quelle: Anne Knappe

Beide machten schon seit der frühen Kindheit Musik. Mira spielte Cello; Gideon Bratsche und Geige. Genau der Bereich, auf den sie sich heute spezialisiert haben. Mira, geboren in Belgien, lernte im italienischen Cremona – dem Mekka für Geigenbau, Gideon studierte das Handwerk im deutschen Pendant dazu im bayrischen Mittenwald. Als auch er nach Italien reiste, lernten sich die beiden in Cremona kennen. Seit 2012 arbeitet das Paar zusammen. Vor etwa anderthalb Jahren haben sie dann ihren Wohnsitz von Berlin nach Werder verlegt und hier auch neben der Werkstatt in Berlin Charlottenburg eine zweite Werkstatt in Werder in der Eisenbahnstraße eröffnet. Die Arbeit der beiden hat sich eingespielt. „Wir ergänzen uns gut in unseren Fähigkeiten“, sagt Gideon.

Die Geige als Konzept

Jedes Instrument ist individuell, ein Patentrezept gibt es nicht. „Die Geige ist ein Konzept“, erklärt Mira. „Es gibt unglaublich viele Variablen“. Das fängt bei der Holzsorte an, geht über die Wölbung geht bis hin zu der Stärke des Holzes. „Man muss alles zusammen anpassen, dass es funktioniert. Schnell, schnell geht nicht“, sagt Mira. An einem Cello arbeiten die beiden schon mal bis zu vier Monate, an einer Geige zwischen zwei bis drei Monaten. Insgesamt fertigen die beiden im Jahr etwa sechs Streichinstrumente an.

Weitere Infos zum Wettbewerb

Der Internationale Geigenwettbewerb der Organisation „Violin Society of America“ in Cleveland (Ohio) gilt als wichtigster der Branche. Er fand in diesem Jahr zum 23. Mal statt.

Die gemeinnützige Organisation „Violin Society of America“ wurde 1973 gegründet und widmet sich dem Erhalt und Bau der Streichinstrumente. Der Wettbewerb war mit keinem Preisgeld verbunden.

Instrumente und Bögen werden anonym hinterlegt und dreifach bewertet – sowohl hinsichtlich ihres Klanges als auch ihrer Spielbarkeit sowie ihrer Bauweise.

Bewertungen erfolgen in den Kategorien Violine, Viola, Cello, Quartett, Kontrabass und Bögen.

Parallel zur Prüfung der Instrumente durch die Mitglieder der Jury werden von und für die Geigenbauer verschiedene Ausstellungen, Foren, Konferenzen und Meetings mit dem Ziel organisiert, den Austausch zu fördern und den zeitgenössischen Geigenbau in jeder Beziehung zu bereichern.

Ihre Abnehmer sind Musiker, die aus allen Ecken Deutschlands herkommen – zum Beispiel wie kürzlich ein Kunde aus der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Viele Kontakte haben sie auch nach Kanada, wo sie mehrere Jahre verbrachten. Seit dem Erfolg im Wettbewerb ist der Zulauf enorm. „Die Leute kommen aus der ganzen Welt“, sagt Gideon. Zum Teil müssen Musiker jetzt mit einer Wartezeit von zwei oder drei Jahren rechnen. Aber das ist okay. Erweitern werden sie deshalb nicht. Sie möchten sich und ihrem Konzept treu bleiben. Denn es geht um die Liebe zur Musik, zum Handwerk und zum Detail.

Von Anne Knappe

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