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Werder (Havel) Stadtgespräch: Viele Ideen und Wünsche für die Zukunft
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Stadtgespräch: Viele Ideen und Wünsche für die Zukunft
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18:15 26.09.2018
Im Schützenhaus fand das erste Stadtgespräch zum integrierten Stadtentwicklungskonzept für Werder (Havel) statt.   Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Die Diskussion war noch gar nicht eröffnet, da klebte schon der erste kleine rote Punkt auf dem Stadtplan. Er und die vielen anderen, die im Laufe des Abends an genau dieser Stelle hinzukamen, bewiesen einmal mehr, wie ungeliebt oder gar gehasst der Bahnübergang bei den Werderanern ist. Mehrere rote Kreise klebten am Ende übereinander. Zum Vergleich: An der umstrittenen Therme haftete nur ein roter Punkt neben zwei grünen, die für Lieblingsorte verteilt werden sollten. Davon haben die Werderaner übrigens einige: die Inselstadt, der Petzower Schlosspark, die Badestellen am Plessower See oder der Glindower Kietz. Die Karte für geliebte und ungeliebte Orte war ein Baustein in der Analyse für ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (Insek). Rund hundert Werderaner haben sich am Dienstagabend beim ersten öffentlichen Gespräch mit ihren Ideen eingebracht.

Geliebte und ungeliebte Orte in Werder.  Quelle: Luise Fröhlich

Nach Beschluss der Stadtverordneten im Haushalt und dem entsprechenden Auftrag der Verwaltung erstellt die Potsdamer Kommunalberatungsfirma Complan das Konzept. Sie kennt sich in der Blütenstadt bereits aus, weil sie in den vergangenen Monaten die Schul- und Kitalandschaft für eine Bedarfsplanung untersucht hat. Complan hat das Stadtgespräch moderiert und zunächst erklärt, worum sich das Konzept dreht. Wer gestaltet die Stadt? Welche Themen sind für die Entwicklung der Kernstadt und der Ortsteile entscheidend? Wie können Lücken in der aktuellen Stadtplanung gefüllt werden? „Aus diesem Puzzle ergibt sich für uns ein Bild von der Zukunft“, erklärte Complan-Mitarbeiter Armin Busch.

Heimatgefühl am wichtigsten

Bis dieses Bild konkret wird, dauert es noch etwa anderthalb Jahre. Aktuell läuft die Analyse des Ist-Zustandes, aus der die zukünftigen Prioritäten und Aufgaben der Stadtentwicklung abgeleitet werden. Als nächstes sind im Oktober Ortsteilspaziergänge, anschließend Expertengespräche und Fachworkshops geplant. Dazu wird sich Complan mit Akteuren aus einzelnen Themenbereichen wie etwa mit Wohnungsbaugesellschaften austauschen, die Werder maßgeblich mit gestalten. „Das Stadtentwicklungskonzept gibt unter anderem einen strategischen Rahmen für Investitionen vor“, erklärte Armin Busch. Mit dem fertigen Konzept soll es der Stadt zum Beispiel leichter gelingen, Fördermittel zu akquirieren.

Armin Busch vom Kommunalberatungsbüro Complan.  Quelle: Luise Fröhlich

Eine kurze interaktive Umfrage unter den Teilnehmern am Dienstagabend gab die grobe Richtung für die Planer vor. Demnach ist den meisten Werderanern das Heimatgefühl am wichtigsten. Herausforderungen sehen sie vor allem darin, das Bevölkerungswachstum zu gestalten und die Verkehrssituation zu verbessern. 69 Prozent der Teilnehmer kamen aus der Kernstadt, 60 Prozent lebten seit mehr als 20 Jahren in Werder und die meisten waren zwischen 45 und 65 Jahre alt.

Vorschlag: Autofreie Inselstadt

An der Themeninsel „Mobilität und Wirtschaft“ wurde weitestgehend über den Verkehr diskutiert. Geht es nach den Wünschen der Einwohner, sollte Werder zum Beispiel fahrradfreundlicher werden. Um die Straßen etwas zu entlasten, wurden ein Nulltarif für den öffentlichen Nahverkehr, ein Wassertaxi, Carsharing-Angebote sowie eine autofreie Inselstadt vorgeschlagen. Auch Tempo 30 für den Erholungsort stand auf einem der Zettel geschrieben. „Mit dem Geld für das zweite Parkhaus kann man auch den ÖPNV ausbauen“, meinte ein anderer Werderaner.

An der Station „Wohnen und Leben“ wurde das Für und Wider neuer Wohnflächen abgewogen. Welche Restriktionen werden nötig sein, um den Charakter der Stadt zu wahren? Für die Ortsteile wünschen sich die Menschen bezahlbare, altersgerechte und barrierefreie Wohnungen sowie Jugendclubs. Beim Themenfeld „Tourismus, Landwirtschaft und Region“ ging es hauptsächlich um die Verkehrsführung und Umstiegsmöglichkeiten am Bahnhof, der nach der Meinung vieler ebenfalls ein ungeliebter Fleck in der Stadt ist. Landwirtschaft sollte hinsichtlich der Flächen bewahrt und weiter hin zu biologischem Anbau entwickelt werden. Das traditionsreiche Baumblütenfest stellen sich einige künftig wieder ein bisschen kleiner und gemütlicher vor.

Im kommenden Jahr folgt ein zweites Stadtgespräch zu den Inhalten des Konzeptes.

Zuzug ließ Einwohnerzahl steigen

Basis der Analyse für das Stadtentwicklungskonzept ist natürlich auch der rasante Anstieg der Bevölkerung. So hatte die Stadt in der heutigen Ortseilstruktur im Jahr 1990 rund 18 000 Einwohner. Im Jahr 2000 waren es 22 000 und 2017 bereits 26 000 Einwohner.

Das Büro prognostiziert ein weiteres Wachstum auf 29 000 bis 30 000 Einwohner bis zum Jahr 2030. Eine Strategie für die verträgliche Gestaltung dieses Wachstums soll das Konzept vorgeben.

Von Luise Fröhlich

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