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Werder (Havel) Heiner Gorgas ist dem Wolf auf der Spur
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Heiner Gorgas ist dem Wolf auf der Spur
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00:22 18.03.2019
Die Diskussionen um den Umgang mit dem Wolf werden oft emotional geführt. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Werder

Es war gegen Mitternacht auf dem Plattenweg zwischen Plötzin und Glindow. Heiner Gorgas hielt mit Flinte und Wärmebildkamera Ausschau nach Wildschweinen und vermutete die Schwarzkittel auf dem Acker. Der Jäger pirschte sich heran, doch etwas kam ihm seltsam vor. „Auf einmal waren sie verschwunden. Durch die Wärmebildkamera konnte ich erkennen, dass sie sich auf den Boden gelegt hatten. Das machen Wildschweine eigentlich nicht“, erzählt er. Er ging noch näher heran, bis auf 20 Meter. Da wurde es ihm klar: Die vermeintlichen Wildschweine waren fünf Wölfe. Kurz dachte Heiner Gorgas darüber nach, die Flucht zu ergreifen, entschied sich aber für das Gegenteil, um nicht den Jagdtrieb der Tiere zu wecken.

Jäger Heiner Gorgas. Quelle: Luise Fröhlich

„Ich bin flott auf sie zugelaufen, ganz nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Die Wölfe sind in Richtung Obstplantage geflüchtet“, berichtet der 66-Jährige. Das war die erste ganz nahe Begegnung mit dem Wolf in seinem Jagdrevier. Es sollte nicht die Einzige bleiben.

In einer anderen Nacht war ein Wolf drauf und dran, ihm sein gerade geschossenes Reh streitig zu machen. Ein einzelnes Tier trabte in der Dunkelheit auf ihn zu, stoppte allerdings, als es den Jäger vernahm. „Der Wolf setzte sich, schnupperte und zeigte letztlich Respekt, in dem er abgehauen ist“, erklärt Heiner Gorgas. Wenig später konnte er beobachten, wie der gleiche Wolf einem Reh nachjagte, es an der Drossel zu Boden riss und tötete. In der Apfelplantage warteten die Jungwölfe, bis das Leittier sie holte.

„Ich akzeptiere den Wolf“

Mehr als 20 Punkte hat Heiner Gorgas zwischen Plötzin und Glindow auf der Landkarte markiert, an denen er Wölfe gesehen hat. Er geht derzeit von zwei Tieren südlich von Plötzin und einem Rudel mit sieben Wölfen nahe der Havelobstallee aus. In einer eingezäunten Apfelplantage von Werder Frucht sichtete er einen Wolf, der verzweifelt den Weg nach draußen gesucht hat, während etwa zehn Rehe auf der anderen Seite des Zaunes standen. „Er hatte die Fährte der Rehe verfolgt, die sich inzwischen immer häufiger innerhalb der Zäune aufhalten“, sagt der Potsdamer.

Seine Meinung zum Wolf vertritt er klar. Die Bauern, die Angst um ihre Schafe haben, wollen das Raubtier natürlich los werden. Er stehe zwischen Baum und Borke. „Ich habe den Wolf nicht angeschafft und werde ihn auch nicht abschaffen. Ich bin mit der Jagd der Wildschweine ausgelastet“, sagt er. Oft werde die Schuld an der Rückkehr des Wolfes auf die Stadtbewohner geschoben und die Landbevölkerung sei sauer. „Je weiter man aufs Land kommt, umso mehr kippt die Stimmung“, berichtet der Jäger. „Ich akzeptiere den Wolf, obwohl ich es natürlich nicht toll finde, dass er sich ausbreitet. Aber vertreiben können wir ihn nicht, also müssen wir mit ihm umgehen.“

Knochen-Überreste eines Damwilds nach einem Wolfsriss in einem Waldstück bei Plötzin. Quelle: Luise Fröhlich

Heiner Gorgas erwartet eine Entscheidung der Politiker über die Aufnahme ins Jagdrecht, am besten schnell. Denn vermehre sich der Wolf weiter unkontrolliert, könne er nicht mehr nur Weidetieren schaden. 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Mitte der 90er gab es laut Naturschutzbund Nabu immer wieder vereinzelte Nachweise von Tieren, die aus Polen unter anderem nach Brandenburg wanderten. Zu DDR-Zeiten war es erlaubt, Wölfe zu schießen, weshalb nur wenige überlebten. Seit der Wende stehen die Tiere in ganz Deutschland unter Schutz.

Jäger befürchtet, Wildbestand nicht halten zu können

In Werder wurde im Dezember über den Beitritt zur Bauernbund-Initiative „Wolfsfreie Zone“ debattiert. Trotz mehrheitlicher Zustimmung der Stadtverordneten ist das ohne eine Entscheidung der Regierung aber wegen des strengen Schutzes nicht so einfach möglich. Bei der jüngsten Jagdgenossenschaftsversammlung in Werder schlugen die Waidmänner Alarm – sie wollen nicht weiter tatenlos zusehen, wie sich der Wolf verbreitet (MAZ berichtete). „Für den Menschen ist er keine große Gefahr, aber Hundebesitzer sollten schon Acht geben“, so Heiner Gorgas. Seinen Hund lässt er bei der Jagd deshalb lieber zu Hause oder leint ihn an. Denn auf seine gezähmten Artgenossen kann der Wolf sehr aggressiv reagieren. Gerade bei Jungwölfen, die ihr eigenes Revier erst noch abstecken wollen, könne es zu Missverständnissen kommen, erklärt er.

Die Konsequenzen der Wolfsrückkehr sind vielschichtig: Auf Dauer befürchtet Heiner Gorgas, den Wildbestand in seinem Revier nicht mehr halten zu können. „Ein Rudel braucht jede Nacht ein Reh. Ein Abschussplan gibt mir vor, wie viel Wild ich schießen darf, hauptsächlich Wildschweine, aber nach einer Klausel in meinem Jagdpachtvertrag soll ich die Tiere eben nicht ausrotten“, erklärt er. Die Wildschweine suchen sich zudem neue Rückzugsorte, wenn der Wolf durch ihr Revier streift.

Seit 28 Jahren gepachtet

Vor etwa fünf Jahren hatten die Jäger hinter den Plötziner Erden erstmals einzelne Wölfe gesichtet. „Sie haben Rehe gefressen und waren nicht scheu. Bauern konnten sie fotografieren, während sie sich in Ruhe den Traktor angesehen haben“, erzählt Heiner Gorgas. Seit 1985 besitzt er seine Jagderlaubnis und pachtete das Gebiet zwischen Plötzin und Glindow vor 28 Jahren. Damals habe man jemanden gesucht, der erfolgreich Schwarzwild schießen kann. Er bewies sich, bewarb sich und bekam den Zuschlag.

Vor einem halben Jahr kaufte sich Heiner Gorgas die Wärmebildkamera, eigentlich um die Wildschweine in der Nacht besser sehen zu können. Seitdem studiert er damit aber auch das Verhalten der Wölfe. „Ich habe den Eindruck, dass sie sehr intelligent sind. Wenn auf sie geschossen werden würde, kann man davon ausgehen, dass sie ängstlicher werden und die Stellen meiden“, meint der Jäger.

Landesamt registriert Wolfsvorkommen

Offiziell hat das Landesamt für Umwelt noch kein Wolfsvorkommen in und um Werder registriert. Mit Stand Dezember 2018 sind die nächstgelegenen Nachweise in Lehnin und Dobbrikow. Der Karte mit den erfassten Wolfsvorkommen zufolge treiben sich die meisten Tiere im Süden Brandenburgs herum.

In Töplitz hat eine Wildkamera Wölfe bei Tag und Nacht abgelichtet. Erstmals gab es vor drei Jahren Aufnahmen streunender Jungwölfe in der Bliesendorfer Heide. Inzwischen sind die Raubtiere fast im gesamten Landschaftsraum Werder unterwegs.

Von Luise Fröhlich

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