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Werder (Havel) Werderaner paddelt im Kajak nach Helsinki
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Werderaner paddelt im Kajak nach Helsinki
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00:21 11.10.2018
Zu Beginn der Reise nach Helsinki war Jürgen Adolf noch acht Kilo schwerer: Los ging es am Kanzleramt in Berlin. Quelle: privat
Werder

Ein Schlag links, einer rechts, Wechsel. Stundenlang geht das so. Nach einer Weile denkt man nicht mehr über die Bewegung nach, sagt Jürgen Adolf. Der 58-Jährige ist alleine im Kajak über die Ostsee nach Helsinki gepaddelt. Jürgen Adolf unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik am Werderaner Ernst-Haeckel Gymnasium. Gemeinsam mit seiner Frau Jutta (57), ebenfalls an der Schule als Lehrerin für Geografie und Sport tätig, hat er ein Sabbatical genommen. Die Auszeit vom Beruf war die ideale Gelegenheit, Träume zu verwirklichen.

Irgendwie gab es zwischen dem Paar, das beinahe 30 Jahre verheiratet ist, immer ein paar Reibungspunkte hinsichtlich der Urlaubsplanung. Nach der ersten Paddeltour 2011 von Neubrandenburg an die Ostsee war Jürgen Adolf auf den Geschmack gekommen, wäre gerne öfter und länger in den Sommerferien unterwegs gewesen, Jutta Adolf aber nicht – jedenfalls nicht so lange. „Wenn man in Werder wohnt, macht man irgendwas mit Booten“, sagt er.

Jürgen Adolf hat die Route akribisch geplant. Quelle: Anne Knappe

Los ging es am Kanzleramt Berlin auf der Spree, von Werder aus wäre der Start zwar auch möglich gewesen, aber es sollte eine gebührende Hauptstadt-Tour werden, die ihn von Berlin über Kopenhagen nach Stockholm und schließlich nach Helsinki führte. Es müssen zwischen 2000 und 2100 Kilometer gewesen sein. So genau kann er das nicht mehr sagen, weil die Route von seinem akribisch ausgearbeiteten Plan dann doch mal hier und da abwich.

Acht Wochen auf dem Wasser

Insgesamt acht Wochen war er unterwegs. Meistens waren das am Tag 40 bis 50 Kilometer. Damit hat er fast zwei Wochen weniger gebraucht, als er eingeplant hatte. Die Tage, an denen er eine Pause gemacht hat, kann er einzeln abzählen: „Sechs“, sagt er nach kurzem Überlegen. Jürgen Adolf hat Millimeter kurze Haare und ist schlank, der Gürtel eng gebunden, um die Hose zu halten. Acht Kilo hat er abgenommen, meint seine Frau Jutta.

Idylle pur mit Blick auf die Öresundbrücke. Quelle: Privat

Monatelang hat er sich vorbereitet: Was funktioniert, welches Gaskocher-Set ist das Richtige und wie paddelt es sich eigentlich auf Wellen. Und das Wichtigste: Wie steigt man wieder in das Boot, wenn man gekentert ist. „Auf der Ostsee ist das etwas anderes als auf der Havel“, sagt Jürgen Adolf. An der schwedischen Südostküste, das war auf dem ersten Drittel der Strecke, da hätte er fast aufgegeben. Starker Nordostwind und hohe Wellen brachten ihn an seine Grenzen. „Es war ziemlich anstrengend zu fahren“, erinnert er sich. Für einen Moment wollte der Werderaner aufgeben, biss sich dann aber durch. Es sei vergleichbar mit Bergsteigern, sagt Jürgen Adolf. „Auf dem Meer gibt es keine Vorschriften, man muss sich den Weg durch die Wellen erkämpfen. Du bist am Ende auf dich allein gestellt. Ein kleiner Grusel ist immer dabei“, sagt er.

Allein auf hoher See

Auf dem Fehmarnbelt, der rund 18 Kilometer breiten Wasserstraße zwischen der Südküste von Lolland und Fehmarn, hat er zwischenzeitlich kein Ufer weit und breit gesehen. Kompass und GPS-Gerät steckten zwar in seiner Tasche – am Ende orientierte er sich aber nach der Sicht oder den Fähren. Auch einen Notfallplan stellte Jürgen Adolf auf: Neben zwölf Flaschen mit Süßwasser (eine ging über Bord) hatte er ein Satellitentelefon dabei, das im Notfall per GPS ein Signal an die nächste Internationale Rettungsstelle gefunkt hätte. Auch ein Solarpanel hatte er anfangs ans Boot montiert, um die elektrischen Geräte unterwegs zu laden. Die Technik hielt dem Wellenschlag nicht stand, so dass er Handy und Co. schlussendlich doch auf dem Zeltplatz aufladen musste.

Einmal sei er nur gekentert, der Rest der Tour verlief problemlos, erzählt Jürgen Adolf. Zurück ging es von Helsinki dann mit der Fähre, wo er in Travemünde von seiner Frau empfangen wurde. Zurück in Werder denkt Jürgen Adolf schon an die nächste Tour. „Sich den Weg selbst zu suchen, das ist das Größte“, sagt er. Aber bevor er diese Pläne verwirklicht, geht es erstmal ab Dezember gemeinsam mit seiner Frau Jutta auf Weltreise. Im Mai möchte das Paar dann wieder in Werder sein.

Von Anne Knappe

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