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Werder (Havel) Feuerwehr kämpft gegen Fischsterben
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Feuerwehr kämpft gegen Fischsterben
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01:15 10.08.2018
Die Freiwillige Feuerwehr Werder spritzt frisches Wasser aus der Havel in den Haussee am Schlosspark Petzow. Quelle: Feuerwehr Werder
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Werder

Die hochsommerlichen Temperaturen haben der Freiwilligen Feuerwehr Werder zu einem eher ungewöhnlichen Einsatz verholfen. Am Sonnabend und am Montag spritzten die Kameraden mehrere tausend Liter Wasser in den Haussee am Schlosspark Petzow. Am heutigen Mittwoch soll der Einsatz voraussichtlich noch weiter gehen.

„Wir gehen davon aus, dass der See umgekippt wäre, wenn wir nicht gehandelt hätten“, sagt Ronny Seiler, Ortswehrführer aus Werder.

Hitze wird gefährlich

Seit Wochen schon hatte sich die Lage des Gewässers verschlimmert. Durch die große Hitze sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Das kann sehr gefährlich für die darin lebenden Fische werden.

Steffen Zahn, Leiter des Arbeitsbereiches Fisch und Gewässerökologie im Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow erläutert, was im Sommer mit Gewässern passiert, die zu überhitzen drohen.

Algen wachsen bei hohen Temperaturen

Das Hauptproblem für Fische sei die Nährstoffzufuhr. „Bei hohen Temperaturen wachsen im Wasser sehr schnell viele Algen. Die produzieren am Tag zwar Sauerstoff, aber in der Nacht atmen sie das quasi alles wieder zurück“, sagt Zahn.

Wenn der Sauerstoffgehalt eines Gewässers unter einen bestimmten Wert fällt, gilt es als „umgekippt“. Dann können kaum noch Fische im Wasser überleben, da sie nicht mehr atmen können.

Notlösung: Wasser zuschießen

„Frisches Wasser zuzuschießen ist eine Notlösung. Es wendet das Schlimmste ab“, erklärt Steffen Zahn. Vor allem früh am Morgen, wenn die Algen noch nicht mit der Photosynthese, der Sauerstoffherstellung begonnen haben, sei es in flachen Seen problematisch.

Dieses Problem hat auch die Verwaltung in Petzow erkannt und die Feuerwehr gebeten, zu handeln. Für jeweils zweieinhalb Stunden liefen deswegen am Sonnabend und Montag die Wasserpumpen.

Frischwasser aus der Havel hilft

Mit dem Frischwasser aus der Havel soll dem Haussee gleich auf mehrere Art und Weise geholfen werden: Das Wasser aus der Havel ist sauerstoffreich und gleichzeitig wird der See durch die Spritzen etwas aufgewühlt. Das Wasser vermischt sich und für die Fische entsteht ein Effekt, in Etwa vergleichbar mit einem Ventilator in der Luft.

Laut Feuerwehr hätten sich bereits einige Anwohner für den Einsatz bedankt. Ein umgekippter See kann sehr unangenehm riechen. Das habe der Einsatz zum Glück verhindert.

Wenig tote Fische entdeckt

Auch konnte die Feuerwehr bisher nur wenige tote Fische entdecken. Daniel Müller, Experte für Gewässerwirtschaft vom Landesanglerverband bestätigt, dass es diesen Sommer in Brandenburg keine nennenswerten Vorfälle von Fischsterben gegeben hat.

„Wir können uns nicht beschweren“, sagt Müller. Karpfenartige Fische würden beispielsweise Wassertemperaturen bis 30 Grad überleben und die seien nur sehr vereinzelt gemessen worden.

„In der Regel schafft es die Natur, sich selbst zu regulieren“, sagt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei.

Wassertemperatur 26 Grad

Das Wasser der Havel war am Dienstagabend laut Angaben des Landesamtes für Umwelt an der Messstation Potsdam 26 Grad warm. Vom Teltowkanal in Kleinmachnow wurden ebenfalls 26 Grad Wassertemperatur gemeldet.

Auch die Stadtverwaltung Potsdam konnte bisher kein Fischsterben feststellen. „Glücklicherweise gibt es keine Meldung“, bestätigte Stadtsprecherin Christine Homann auf Maz-Nachfrage. Die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming melden ebenfalls keine besonderen Vorfälle.

Die Taktik der Feuerwehr aus Werder scheint also tatsächlich zu funktionieren. Kleine Seen mit niedrigem Wasserpegel seien eher gefährdet, als Fließgewässer, sagt Daniel Müller. „Die Lage ist aber noch nicht dramatisch.“

Angler passen auf

Die Angler in der Region seien vorsorglich sensibilisiert worden. Sie beobachten täglich die Wasseroberfläche und stehen bereit, um möglicherweise Notabfischungen durchzuführen, erklärt Müller.

Im Havelgebiet habe Müller zwar vereinzelt tote Aale gefunden, „das sind aber keine Massen“, sagt Müller. Der Anglerverband bleibt optimistisch, dass es in Brandenburg in diesem Jahr keine großen Verluste geben wird.

Fischsterben in Süddeutschland

Anders als in Brandenburg, hat in Süddeutschland und in der Schweiz das Fischsterben bereits begonnen.

Am vergangenen Wochenende seien am Bodensee bereits rund eine Tonne toter Fische gesammelt worden. Das berichtete Spiegel-Online.

Die Wassertemperaturen im Bodensee sind generell etwas niedriger, als die durchschnittlichen Wassertemperaturen in Brandenburger Seen.

Für die Fische (vor allem Äschen), die im Bodensee leben, gelten bereits Temperaturen von 27 Grad Celsius als tödlich.

Zum Schutz der Fische hatten Schweizer Behörden einige Becken mit kalten Wasser ausgebaggert, in die sich die Fische flüchten konnten. Offenbar reichten diese Maßnahmen nicht aus.

Im Baden-Württembergische Stausee bei Rötlen sind am vergangenen Wochenende nach Angaben des örtlichen Fischvereins sogar rund 20 Tonnen tote Fische aus dem Wasser gefischt worden.

Von Jonas Nayda

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