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Werder (Havel) Krankenkasse will nicht zahlen: Jetzt sammelt Lilli Spenden für E-Rollstuhl
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Krankenkasse will nicht zahlen: Jetzt sammelt Lilli Spenden für E-Rollstuhl
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01:16 10.11.2018
Lilli Zeifert (17) kann ihren Oberkörper nicht kontrollieren und macht deshalb vieles mit ihren Füßen.  Quelle: Privat
Werder

Lillis Füße sind ihre Hände. Die 17-jährige Werderanerin hat eine dyskinetische Zerebralparese – das heißt, ihre Körperhaltung ist bleibend gestört, sie kann ihren Oberkörper nicht kontrollieren und nicht sprechen. Schuld daran war eine Schädigung ihres Nervensystems direkt nach der Geburt, ein sogenannter Kernikterus. Seitdem ist Lilli körperlich behindert. Sie kommuniziert über eine Sprachcomputer-App auf dem Tablet, in die sie ihre Worte mit dem Fuß eintippt. Lilli liebt die Astronomie, sie will die Welt entdecken, studieren und braucht um diesem Ziel näher zu kommen einen E-Rollstuhl, für den die Krankenkasse nicht zahlen will.

MAZ: Lilli, was bedeutet die körperliche Einschränkung für deinen Alltag?

Lilli Zeifert: Konkret bedeutet es, dass ich nicht so schnell antworten kann. Ich muss erst alles mit meinen Füßen eintippen, was ich sagen möchte. Ich benötige Hilfe beim An- und Ausziehen, beim Essen, beim Toilettengang, sogar um mit meinem Aktivrollstuhl eine Bordsteinkante hinaufzukommen. Ich werde auch immer erst einmal für geistig behindert gehalten, da ich starke Gesichtszuckungen habe.

Erlebst du deshalb oft unangenehme Situationen?

Ja, zum Beispiel wenn mich jemand richtig anstarrt. Ich meine nicht die normalen interessierten Blicke, an die habe ich mich schon längst gewöhnt, sondern immenses und teilweise auch angewidertes Starren.

Sprechen dich Leute auch an?

Ja, es ist aber oft schwierig für mich, wenn mich jemand zum Beispiel auf der Straße anspricht oder mir Hilfe anbietet. Jeder guckt mir ins Gesicht und erwartet eine sofortige Antwort. Niemand sieht nach unten. Ich muss meine Antwort erst eintippen, das heißt, wenn ich mein iPad überhaupt an meinem Rollstuhl angeklemmt habe. Niemand hört auf eine synthetische Stimme, weil es ja niemand erwartet.

„Zukunft der Menschheit liegt im Universum“

An welches Erlebnis in deinem Leben erinnerst du dich gern zurück?

Zum Beispiel an mein Praktikum voriges Jahr beim DLR Institut für Planetenforschung in Berlin. Dort habe ich Menschen getroffen, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe und teils befreundet bin. Meinen Mentor Volker Kratzenberg-Annies habe ich dort auch kennengelernt.

Gab es umgekehrt etwas, an das du nicht gern zurückdenkst?

Mein Vater hat uns verlassen und mir mein ganzes Schmerzensgeld gestohlen, das ich durch den Geburtsschaden erhalten habe und das für mich angelegt wurde. Er möchte nichts mehr von mir und meinen Geschwistern wissen und hat sogar das Sorgerecht abgegeben.

Dein großer Traum ist es, nach dem Abitur Astronomie in Wien zu studieren. Was fasziniert dich an dieser Wissenschaft?

Die Astronomie beziehungsweise Astrophysik birgt noch unvorstellbare Geheimnisse und Rätsel, die es zu entdecken gilt. Man lernt immer neue Dinge und kommt der Antwort näher, warum wir existieren und wie es überhaupt sein kann, dass wir existieren.

Was möchtest du beruflich genau machen?

Beruflich würde ich mich später gerne mit der Kosmologie befassen. Es beschäftigt sich mit schwarzen Löchern, dem Anfang und Ende des Universums, Multiversen, und so weiter. Ich denke, dass die Zukunft der Menschheit im Universum liegt und ich möchte etwas dazu beizutragen. Das ist mein großer Wunsch.

Finanzierung des Studiums ist ein großes Problem

Warum willst du in Wien studieren?

Weil Astronomie nur dort schon als Bachelor- und Masterstudiengang angeboten wird. In Deutschland muss man seinen Bachelor erst in Physik machen und kann sich dann im Master spezialisieren. Die Finanzierung meines Studiums ist allerdings ein Problem, denn ich habe ja nicht nur die normalen Lebens- und Studienkosten, sondern auch noch die Kosten für eine Einzelfallhilfe, die mir in der Universität hilft, und eine häusliche Pflege. Ich benötige eine 24-Stunden-Betreuung.

Aber es gibt auch noch ein anderes Problem: deine Mobilität. Besser als dein Aktivrollstuhl wäre für dich ein E-Rollstuhl – warum?

Der E-Rollstuhl würde mir mehr Selbstständigkeit geben, zum Beispiel käme ich an einem Tisch heran und könnte so meine Abiturprüfungen schreiben, anstatt auf einem Stuhl oder Hocker. Ich käme alleine Treppen hoch und könnte mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Außerdem käme ich in jedes Gebäude hinein und niemand könnte mich mehr einfach so wegschieben.

Spendenaufruf im Internet

Lilli Zeifert hat zwei Halbbrüder, die 25 Jahre alt sind, und eine 20-jährige Schwester. Keiner von ihnen ist behindert. 2020/21 will Lilli ihr Abitur am Institut für Lernsysteme (ILS) in Hamburg absolviert haben.

Sie ist unter anderem als Fellowsprecherin des Netzwerks Teilchenwelt der TU Dresden aktiv und als Freelancerin bei DLR_Next (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) tätig.

Lilli hat einen Spendenaufruf im Internet veröffentlicht. Inzwischen sind etwas mehr als 3000 von 40 000 Euro zusammengekommen. Link: www.leetchi.com/c/scewo-bro-fuer-lilli-zeifert

Was sagt die Krankenkasse dazu?

Ich habe eine schriftliche und eine mündliche Absage erhalten. Jedes Hilfsmittel in Deutschland benötigt eine spezielle Hilfsmittelnummer, damit es von den Krankenkassen übernommen wird. Die Hilfsmittelnummer muss vom Entwickler beantragt werden und dann muss das Hilfsmittel strenge Kriterien erfüllen. Dieser E-Rollstuhl aus der Schweiz hat noch keine Hilfsmittelnummer in Deutschland.

Warum will sie nichts zuzahlen?

Die Krankenkasse sagt, dass es nicht so aussieht, dass dieser E-Rollstuhl in näherer Zukunft im Hilfsmittelkatalog aufgenommen wird. Zuzahlen würden sie nichts, da dieser E-Rollstuhl im Vergleich zu anderen, von der Preisklasse her, kein VW, sondern ein Raumschiff sei.

Von Luise Fröhlich

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