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Werder (Havel) Mehr Lehrer fürs gemeinsame Lernen
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02:24 20.04.2018
Direktorin der Carl-von-Ossietzky-Schule in Werder, Ines Lenius, kämpft für Inklusion. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Sie kommen beim Rechnen nicht hinterher, haben Probleme mit der Rechtschreibung oder können schlecht sehen. An der Carl-von-Ossietzky-Schule in Werder lernen derzeit 25 Kinder, die Förderbedarf haben – gemeinsam mit Schülern ohne Handicap. Seit Jahren wird das an der Schule im Herzen der Blütenstadt so praktiziert. Jetzt wollen Schulleiterin Ines Lenius und ihr Team einen Schritt weitergehen. Zum neuen Schuljahr beginnt das Projekt „Schule für gemeinsames Lernen“ – ein Inklusionsprogramm des Landes, für das sich die Einrichtung beworben hatte. „Inklusion ist eine Lebenseinstellung. Ich sehe es nicht als ein Akt der Gnade. Ich habe vielmehr den Traum von einer Schule für alle“, sagt Ines Lenius.

Viele Lehrer haben die Schulleiterin bei der Verwirklichung ihrer Vision unterstützt, andere hatten Bedenken. Zum Beispiel befürchteten sie, dass mehr Kinder mit Beeinträchtigungen an die Schule kommen oder dass sie das neue Pensum nicht meistern. Ines Lenius blieb stark und warb für das Programm, denn „es bringt Ressourcen in die Schule.“ Was sie damit meint, sind vor allem 171 zusätzliche Unterrichtsstunden pro Woche für die förderbedürftigen Kinder. Hinzu kommen 37 Stunden für pädagogische Unterrichtshilfen, die individuell mit den Schülern arbeiten können. Insgesamt ergeben sich daraus siebeneinhalb neue Stellen, die es zu besetzen galt. „Wir hatten 27 Bewerber, für die das Konzept attraktiv war und die sich ganz bewusst bei uns beworben haben“, erklärt die Direktorin. Die zusätzlichen Stunden sollen nicht nur den beeinträchtigen Kindern zugute kommen, sondern der ganzen Schule.

Blockunterricht könnte zum Schuljahresbeginn kommen

„Besonders gut ist an dem Konzept auch, dass begabte Kinder, denen wir sonst vielleicht nur eine AG anbieten konnten, von Förderung profitieren können“, so Ines Lenius. Der regelmäßig stattfindende Talente-Wettbewerb zeige, welche Potenziale in den Schülern stecken. Die zusätzlichen Stunden gut zu verteilen, sei eine enorme Verantwortung für Schulleitung und Lehrer gewesen. Die Grundlage für die Umsetzung wird unter anderem ein multiprofessionelles Team bilden, zusammengesetzt aus Lehrern, Sozialarbeitern und anderen Fachleuten. Ein gutes Netzwerk besteht Ines Lenius zufolge bereits. Was noch fehlt, sei die Verbindlichkeit.

Das Team soll sich einmal wöchentlich beraten und Probleme oder Fortschritte dokumentieren. „Das klingt natürlich erstmal nach einer zusätzlichen Belastung, aber dafür wird es auch die Stunden aus dem Pool geben, der uns zur Verfügung steht“, schildert Ines Lenius. Eine gute Voraussetzung für die künftige „Schule für gemeinsames Lernen“ ist Blockunterricht. Den möchte die Direktion am liebsten schon zum Schuljahresbeginn im August durchsetzen. Denn Doppelstunden seien in Hinblick auf individuelle Förderung effektiver.

Zwei weitere Schulen stellen sich dem Konzept

Ein großer Pluspunkt für die Umsetzung bringt der Neubau, in dem seit diesem Schuljahr die Grundschüler untergebracht sind. Durch ihn ist im denkmalgeschützten Bestandshaus genügend Platz für neue Ruheoasen oder Trainingsräume. Langfristig gebe es die Möglichkeit, in der Sekundarstufe I die drei Klassen in vier zu splitten, um weniger Schüler in den Klassen zu haben. „Die Stadt hat uns nicht nur sehr bei dem Neubau, sondern auch bei der Bewerbung für dieses Konzept unterstützt“, so Ines Lenius weiter.

Maximal können in der Carl-von-Ossietzky-Schule 30 Schüler mit Förderbedarf unterrichtet werden. Insgesamt lernen dort rund 600 Schüler. Die meisten der förderbedürftigen Kinder haben eine Lernschwäche, gefolgt von Hören und Sehen. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche und Dyskalkulie nehmen aber auch immer mehr zu. Neue Schüler mit Förderbedarf sind nicht hinzugekommen. „Ich verspreche mir von dem Konzept, dass einfach mehr bei den Kindern ankommt als bisher, weil auch die Masse davon profitieren kann“, sagt die Schulleiterin. Die Bewerbung für das Projekt sei eine Mammutaufgabe gewesen. Die Schule hat etliche bereits vorhandene Konzepte darauf abgestimmt oder neu geschrieben, das Schulprogramm und das Leitbild mitgeschickt. Nicht nur an der Carl-von-Ossietzky-Schule wird nun auf den Start hingefiebert. Auch die Karl-Hagemeister-Grundschule und die Grundschule in Glindow haben den Zuschlag bekommen.

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Stärken und Schwächen früh erkennen

Die Carl-von-Ossietzky-Schule in Werder bietet seit einiger Zeit auch eine „Zwergenschule“ an, die Kitakinder im Vorschuljahr langsam an den Schulalltag heranführen soll.

Die Nachfrage ist laut Direktorin Ines Lenius mittlerweile so groß, dass nicht mehr alle Kinder daran teilnehmen können. Beim Spielen, Rätseln oder Musizieren könnten in der Zwergenschule früh Schwächen, Förderbedarf oder auch Stärken erkannt werden.

Insgesamt werden ab dem Schuljahr 2018/19 52 Lehrer an der Schule tätig sein. Der Unterricht kann je nach Bedarf neu strukturiert werden. Zwei Lehrer können unter anderem gemeinsam unterrichten oder die Inhalte zum Beispiel auf unterschiedlichen Niveaus vermitteln.

Rund 130 Schulen nehmen im ganzen Land Brandenburg an dem Programm teil. Das schafft über 430 Lehrerstellen.

Von Luise Fröhlich

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