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Werder (Havel) Mo Asumang gibt Workshop über Rassismus
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Mo Asumang gibt Workshop über Rassismus
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01:15 09.09.2018
Reden und Fragen stellen: Moderatorin Mo Asumang in der Werderaner Waldorfschule beim Workshop. Quelle: Foto: Anne Knappe
Werder

„Die Kugel ist für dich, Mo Asumang“, donnert eine Männerstimme scharf durch den Raum. Laut und schief. „Die Kugel ist für dich.“ Mo Asumang sitzt in einem kleinen, quadratischen Fernsehstudio, um sie herum lauter Monitore, ein Tontechniker testet die Lautstärke. Mo Asumang hält den Atem an. „Die Kugel ist für dich.“ Noch einmal.

Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit

Die Redakteure der Sendung spielen ihr einen Song einer rechtsextremen Band vor. Während die Stimme von Bandgründer Lars Burmeister weiter durch den Raum hallt, ist die Kamera direkt auf ihr Gesicht gerichtet. Man will ihre Reaktion auf die Morddrohung einfangen. Irgendwann hat sie genug: Macht das aus, sagt sie. „Das Röcheln der Stimme in Verbindung mit meinem Namen zieht mir den Boden unter den Füßen weg, mein erster Impuls: Angst“, schreibt Mo Asumang in ihrem Buch „Allein unter Rassisten und Neonazis“. Das war vor 15 Jahren. „Seitdem rede ich mir den Mund fusselig“, sagt die Moderatorin und Schauspielerin, die seit Jahren gegen Fremdenfeindlichkeit kämpft.

Mo Asumang, 55 Jahre alt, gab gestern in der Werderaner Waldorfschule im Rahmen der Aktionswoche „Weltoffenes Werder“ einen Schüler-Workshop zum Thema Rassismus. Sie war 1996 Deutschlands erste Afrodeutsche Fernsehmoderatorin. Die Sendung „Liebe Sünde" erreichte in der Woche bis zu 3 Millionen Zuschauer. Sie wurde in Kassel geboren, ihr Vater stammt aus Ghana, ihre Mutter aus Deutschland. Eigentlich könnte sie stolz auf ihre Wurzeln sein, wenn es da nicht die Leute geben würde, die ihr schon das ganze Leben feindlich gegenübertreten würden, erzählt sie. Die Jungen und Mädchen in der kleinen Aula der Waldorfschule hören gespannt zu. Auch einige Schüler des Ernst-Haeckel-Gymnasiums sind gekommen. „Wir wollen uns als Schule positionieren – gegen Ausgrenzung und gegen Hetze“, sagt Schulsprecherin Anika Lorentz.

Mit Menschen sprechen, immer wieder

Nach der Morddrohung 2003 kann Mo Asumang nicht mehr unbeschwert am Fenster sitzen, nicht mehr unbeschwert mit dem Auto durch die Straßen fahren. Immer spürt sie diese Angst im Nacken, Lars Burmeister könnte irgendwo lauern. Sie beschließt sich gegen die Nazis zu wehren. Ihr Dokumentarfilm „Die Arier“ flackert über den Bildschirm. „Bin ich weniger wert als ein weißer Mensch?“, sagt ihre Stimme aus dem Off. Man sieht, wie sie in Deutschland zu demonstrierenden Nazis geht. Sie möchte verstehen, reden, Fragen stellen. Sie reist in die USA, um mit dem rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan zu sprechen. Immer wieder entgegnet ihr Hass.

„Wie kann man mit Menschen sprechen, die gar nicht hören wollen, weil sie Angst haben, dass ihr Weltbild durcheinander gerät?“, fragt ein Schüler in der hinteren Reihe. Mo Asumang hat auch auf diese Frage eine Antwort: „Mit Nazis im Pulk zu sprechen – wenn man sich jetzt zum Beispiel Chemnitz vorstellt – das funktioniert nicht. Man kann die Leute nur im Alltag erreichen.“ Man muss Fragen stellen und reden – wertfrei. Das ist ihr wichtig. Der Mensch müsse einzeln betrachtet werden, einzeln kann man besser reden. „Im Moment sind wir in den 30er Jahren“, sagt Mo Asumang. „Wenn wir uns umdrehen und sagen: Scheiß Nazis, wird sich nichts ändern. Davon bin ich überzeugt.“

Bei den rund 90 Schülern kam der Workshop gut an. „Es hat einen doch dazu bewegt, selber etwas zu verändern, zu helfen“, sagt die 14-jährige Mahla aus der neunten Klasse. Mo Asumang appelliert an die junge Generation „Ihr könnt das ändern. Nachfragen ist gefragt“, fordert sie.

Die Aktionswoche für ein weltoffenes Werder läuft noch bis diesen Samstag und endet mit einem Abschlusskonzert in der Heilig-Geist-Kirche. Das Programm gibt’s unter www.weltoffenes-werder.de

Von Anne Knappe

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