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Werder (Havel) Neuer Antrag auf 18 Windräder im Wald
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Neuer Antrag auf 18 Windräder im Wald
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21:40 10.09.2018
Windkraftanlage im Wald von Rietz bei Treuenbrietzen – dort stehen elf Anlagen. Quelle: Foto: Thomas Wachs
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Bliesendorf

Das Bangen um Bliesendorfs größten Schatz geht weiter: Dem Landesumweltamt liegt ein neuer Antrag auf 18 Windräder im Wald zwischen Ferch, Bliesendorf und Lehnin vor. Die Firma Notus will teilweise mehr als 200 Meter hohe Anlagen auf beiden Seiten der Autobahn 10 errichten. Laut einem Referenten des Landesumweltamtes ist der Antrag Mitte Juli eingegangen und wird derzeit auf seine Vollständigkeit geprüft. Ein vorheriger Antrag der Unternehmensgruppe Uka für das Gebiet wurde zurückgezogen. Der aktuelle Antrag birgt Bliesendorfs Ortsvorsteherin Eveline Kroll zufolge massive Gefahren: „Der Rotordurchmesser ist mit 150 Metern größer und die Anlagen sollen zudem höher sein als die bislang beantragten.“ Für die gleichzeitige Vize-Vorsitzende der Umweltvereinigung Waldkleeblatt – Natürlich Zauche e.V. bedeutet das nun weiterkämpfen.

Der Bau des Windparks würde nicht nur das Innenklima des Waldes zerstören, sondern auch die kleine Waldsiedlung Resau und die Bogendüne Renneberge betreffen. „Sechs dieser Anlagen würden ihr geschütztes Erscheinungsbild direkt oder indirekt beeinträchtigen“, erklärt Eveline Kroll. Vor einem Jahr hatte Landrat Wolfgang Blasig (SPD) die Bogendüne zwar unter Schutz gestellt, aber Windanlagen dürfen dort bislang trotzdem aufgestellt und betrieben werden (MAZ berichtete). Der Waldkleeblatt-Verein und die Stadt Werder haben diesem Absatz widersprochen, bisher allerdings ohne einen Bescheid vom Kreis erhalten zu haben.

Boden sollte geschützt werden

„Grundsätzlich wurde die Verfügung begrüßt, nicht aber die mit Blick auf den Regionalplan für Windenergieanlagen formulierten Ausnahmen“, erklärt Werders 1. Beigeordnete, Christian Große (CDU). Da das Oberverwaltungsgericht den Regionalplan Havelland-Fläming inzwischen allerdings für unwirksam erklärte hat, dürfte einer endgültigen Unterschutzstellung seiner Ansicht nach nichts mehr im Weg stehen. Die derzeitige Verfügung gilt noch für ein weiteres Jahr. Eine Anfrage bei Potsdam-Mittelmarks Kreisverwaltung dazu blieb am Montag unbeantwortet.

Den Mitstreitern des Waldkleeblattes sei der Schutz des Bodens der Düne besonders wichtig. „Es handelt sich um einen wertvollen, natürlich entstandenen Boden, der 12 000 Jahre alt ist und ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte darstellt“, sagt Eveline Kroll. Zusätzlich sieht sie in den Windparks eine Brandgefahr für den Wald. Sollte wirklich ein Feuer ausbrechen, wäre es nur schwer löschbar, da je nach Hersteller bestimmte Abstände zur Gondel, in der die Elektronik steckt, eingehalten werden müssen, erklärt die Ortsvorsteherin. Brände in den Kronen könnten wie beim großen Waldbrand in Treuenbrietzen schnell übergreifen. Auch Blitzeinschläge in den Flügeln seien sehr gefährlich, weil sich wegfliegende Teile kilometerweit verbreiten könnten.

Mit Rodung der Bäume würde mehr Autobahnlärm hinüber hallen

Zwei Punkte aus der Windkraft-Bundesratsinitiative, die Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in der vorigen Woche vorgestellt hatte, befürwortet Eveline Kroll deshalb besonders: die Streichung des Windkraftprivilegs aus dem Baugesetzbuch und dass die Kommunen künftig selbst entscheiden sollen, ob sie Windkraft zulassen wollen.

Auch die Nachbarn im Glindower Gemeindeteil Elisabethhöhe beschäftigt das Thema. Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm (Freie Bürger) spricht sich für ein Moratorium aus, das die Genehmigung von weiteren Anlagen aufschieben würde. „Dann sollte man die Energiewende in Ruhe durchdenken und die Interessen der Kommunen einbeziehen“, sagt er. Anderthalb Hektar Wald zu roden, hätte zum Beispiel auch zur Folge, dass der Autobahnlärm stärker zu den Siedlungen hallt. Sigmar Wilhelm ist selbst Mitglied des Waldkleeblatt-Vereins und nimmt an den jährlich organisierten Wanderungen teil. „Bei einer Höhe von mehr als 200 Metern gibt es wohl niemanden, der nicht von den Windrädern betroffen ist“, berichtet er weiter.

In der Gemeinde Schwielowsee richtet man sich unterdessen nach dem Flächennutzungsplan, der Windkraftanlagen auf bestimmten Flächen vorsieht. „Sicher sind wir damit alle nicht glücklich, aber wenn in unserer Gemeinde jemals so etwas umgesetzt werden sollte, dann nur auf den vorgeschriebenen Flächen“, versichert Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). Ein dritter Punkt aus der Bundesratsinitiative bezieht sich auf die Sonderabgaben, die Kommunen von Windanlagenbetreibern kassieren könnten. Für die vorgesehenen Anlagen könnte die Gemeinde Schwielowsee 50 000 Euro jährlich einnehmen. „Das ist zurzeit aber alles nur Spekulation“, so die Bürgermeisterin.

Formelle Fehler im Regionalplan

Der mittlerweile für unwirksam erklärte Regionalplan Havelland-Fläming 2020 sah unter anderem das Windeignungsgebiet mit der Nummer 24 zwischen Bliesendorf, Kloster Lehnin und dem Beelitzer Ortsteil Busendorf vor. Das Gericht kippte den Plan wegen formeller Fehler.

Ein vorheriger Antrag sah für die Bliesendorfer Heide bis zu 50 Anlagen vor, die bis 200 Meter hoch sein sollten. Schon damals regte sich Protest der Bürgerinitiative Bliesendorf.

Von Luise Fröhlich

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