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Werder (Havel) Offene Fragen vor dem Umzug der Flüchtlinge
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Offene Fragen vor dem Umzug der Flüchtlinge
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01:17 11.11.2018
In einer Woche soll das Haus in der Schubertstraße 18 bezogen werden. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

In einer Woche ziehen die ersten Flüchtlingsfamilien in das neue Übergangswohnheim auf der Jugendhöhe. Mehrfach wurde der Umzugstermin verschoben, um offene organisatorische Fragen zwischen der Stadt Werder (Havel), dem Landkreis als Betreiber und dem Schulamt zu klären. Auf MAZ-Nachfrage stellte sich allerdings heraus, dass immer noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet sind. Unterschiedliche Meinungen bleiben beispielsweise beim Sicherheitskonzept oder der Zufahrt zu der Unterkunft in der Schubertstraße. Über diese fahren nämlich auch die Schüler des benachbarten Oberstufenzentrums zu ihren Parkplätzen.

Nach einem Gespräch, zu dem die Stadt den Landkreis und das Schulamt in dieser Woche eingeladen hatte, ist zumindest klar, wie viele Kinder welche Schulen besuchen werden. Wie berichtet, sollen 31 Flüchtlingsfamilien aus Brück und Teltow nach Werder ziehen. Unter den 143 Flüchtlingen, Aussiedlern und Asylbewerbern sind 80 Kinder, darunter 45 schulpflichtige. Die 34 Grundschüler werden auf die Carl-von-Ossietzky- (1. bis 3. Klasse) und die Karl-Hagemeister-Schule (4. bis 6. Klasse) in Werder aufgeteilt. Damit haben die beiden Einrichtungen ihre Kapazitätsgrenze erreicht, wie Werders 1. Beigeordnete Christian Große (CDU) sagte. Da die weiterführenden Schulen in der Blütenstadt keine Plätze mehr frei haben, müssen elf Flüchtlingskinder zur Oberschule nach Brück gefahren werden. Der Landkreis übernimmt Organisation und Kosten für die rund 70 Kilometer pro Tag, erklärte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. „Die Beteiligten waren sich einig, dass es keine schöne Lösung ist. Eine Integration im Wohnumfeld wird damit erschwert“, so Christian Große.

Schulbedarfsplan wird nicht angepasst

Mit den Neuankömmlingen steigen die Schülerzahlen in Werder also weiter an. Der Landkreis hält es allerdings nicht für erforderlich, den Schulbedarfsplan entsprechend anzupassen, wie Kai-Uwe Schwinzert sagte. In Werder hätte man genau das erwartet: „Wenn Schulwege von 37 Kilometern und mehr für Werderaner Schüler nicht die Regel werden sollen, wird unsere Stadt in den kommenden Jahren eine zusätzliche Oberschule benötigen“, sagte Christian Große. Es sei die Aufgabe des Kreises, diesen Bedarf zu erkennen und zu decken. Für die Sprösslinge im Kita-Alter ist weiterhin vorgesehen, sie in Eltern-Kind-Gruppen im Haus zu betreuen.

Das Sicherheitskonzept sei inzwischen weiter abgestimmt worden, liegt allerdings noch nicht vor. Grundlegend gehe der Landkreis nicht von dem Maßstab eines Übergangswohnheimes, sondern von dem eines Wohnhauses mit angeschlossener Gemeinschaftsküche, Wachschutz und Sozialarbeitern aus. Wie der begriffliche Wandel zustande gekommen ist, blieb auf Nachfrage unklar. Egal, wovon der Landkreis am Ende ausgeht, erwartet die Stadt noch vor dem Einzug der Geflüchteten, dass das Konzept allen Sicherheitspartnern vorliegt. „Es wäre grob fahrlässig, einen baurechtlichen Status zu missbrauchen, um Abstriche bei der Sicherheit für eine solche Einrichtung zu rechtfertigen“, schilderte Christian Große.

Zufahrtsvarianten geprüft

Nach MAZ-Informationen wies das sanierte Gebäude nach Übergabe Lücken hinsichtlich des Brandschutzes auf. Das Landesamt für Soziales und Versorgung, das die Unterkunft am Montag in Augenschein genommen hat, beanstandete allerdings nichts. „Gegen einen Bezug der Wohnanlage liegen also keine objektiven Gründe vor“, sagte Kai-Uwe Schwinzert. Bezüglich der doppelt genutzten Zufahrt zum Gelände seien mehrere Varianten untersucht worden, so der Kreissprecher. Zum Zeitpunkt des Bezuges soll es auf dem Weg „zunächst noch verkehrsberuhigende Maßnahmen geben“, teilte er mit.

Die Flüchtlinge müssen die Unterkunft in Brück verlassen, weil Mietvertrag und Genehmigung im Dezember 2019 enden und nicht verlängert werden sollen.

Ein bunter Mix der Nationen

Die Flüchtlinge, denen der Umzug nach Werder bevorsteht, stammen aus Syrien, Kamerun, Weißrussland, Afghanistan, Somalia, Armenien und anderen Ländern der russischen Föderation. Eine Gruppe war bei der Anwohnerinfoveranstaltung auf der Bismarckhöhe Mitte Oktober dabei.

Im Vorfelddes Informationsabends hatte es bereits Streit zwischen Stadt und Kreis gegeben. Die Stadt fühlte sich vom Bezug des Heims überrumpelt und unzureichend informiert.

Von Luise Fröhlich

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