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Werder (Havel) Streit um Flüchtlingsheim spitzt sich zu
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Streit um Flüchtlingsheim spitzt sich zu
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11:15 09.08.2018
Im ehemaliges Lehrlingsheim auf dem Gelände des OSZ Werder soll die Unterkunft entstehen. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Die Stadt Werder stellt sich nun deutlich gegen die Pläne des Landkreises, im Oktober die neue Flüchtlingsunterkunft auf der Jugendhöhe zu eröffnen. Wie die Verwaltung den Werderanern am Mittwochabend via Facebook mitteilte, unterstütze sie das Vorhaben nicht. „Auch an einer vom Landkreis auf den 11. September terminierten Einwohnerversammlung werden wir uns organisatorisch nicht beteiligen“, erklärte der 1. Beigeordnete Christian Große (CDU). Eine solche Veranstaltung sei aus seiner Sicht ebenso verantwortungslos wie eine Eröffnung des Heims in dieser Frist.

Wie berichtet, kritisiert die Stadtverwaltung, dass der Landkreis seit Monaten viele wichtige Informationen vorenthalte. Das Rathaus habe beispielsweise zuerst über die Presse vom aktualisierten Eröffnungstermin oder von der Maximalkapazität der Einrichtung erfahren. „Die Stadt Werder (Havel) hatte bislang keine Möglichkeit, sich auf die Gemeinschaftsunterkunft vorzubereiten“, sagte Christian Große. Der Kreis widerspreche damit dem Ziel seiner eigenen Zuwanderungsstrategie. Das Konzept sieht eine umsichtige und vorausschauende Migrations- und Integrationspolitik sowie eine Willkommens- und Anerkennungskultur vor. Wie der Landkreis sich als Verantwortlicher der Flüchtlingsunterbringung derzeit verhalte, sei aber weder vorausschauend noch umsichtig, so der Vize-Bürgermeister weiter.

Werder will Organisation der Veranstaltung nicht übernehmen

Zuletzt hatte das Landratsamt auf MAZ-Anfrage erklärt, dass Details zur Belegung des Heims zum Beispiel erst bekannt gegeben werden könnten, wenn das Vergabeverfahren der sozialen Betreuung abgeschlossen ist. Dem Landkreis sei an einem guten Miteinander bei der Bewältigung dieser Aufgabe sehr gelegen, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Die Stadt Werder sei frühzeitig darüber informiert worden, dass in dem ehemaligen Lehrlingsheim auf dem Gelände des Oberstufenzentrums eine Unterkunft für Asylbewerber, Aussiedler und Flüchtlinge entstehen soll.

Von der Einwohnerversammlung im September hatte die Stadtverwaltung erst vorige Woche erfahren. Aus Sicht des Kreises sollte sie sich um die Organisation kümmern. Dies sei in anderen Städten oder Gemeinden bislang üblich gewesen. Werder will das nach aktuellem Stand nun nicht übernehmen.

Fragen zur Sicherheit und Integration nicht geklärt

Im April hatte die Stadtverwaltung erstmals in einem Flurgespräch von den Plänen erfahren. Daraufhin bat Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) den Landrat Wolfgang Blasig (SPD) um nähere Informationen, vor allem zum Heimkonzept und dazu, wer und wie viele Menschen untergebracht werden sollen. Diese Fragen sind auch in einer ersten schriftlichen Reaktion von Anfang August unbeantwortet geblieben. Aus der Zeitung erfuhr die Stadt von einer geplanten Sicherheitskonferenz, von einem durchgängigen Wachschutz oder davon, dass vorrangig Familien in dem Haus untergebracht werden sollen. In einer hektischen Situation wie im Herbst 2015 seien Schwierigkeiten in der Kommunikation nachvollziehbar gewesen. Als die Entscheidung für eine neue Gemeinschaftsunterkunft in Werder fiel, hätten aber Plätze in anderen Flüchtlingsheimen des Kreises frei gestanden. Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert hatte bestätigt, dass vorzugsweise Familien aus bestehenden Heimen des Kreises oder solchen, die geschlossen werden sollen, nach Werder kommen.

Einer ordentlichen Vorbereitung hätte aus Sicht der Stadt nichts entgegen gesprochen. Werder sei tolerant und offen hilfsbedürftigen Flüchtlingen gegenüber, könne das Eröffnungsdatum aber aus Sicherheits- und Integrationsfragen aktuell nicht unterstützen, heißt es.

Von Luise Fröhlich

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