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Werder (Havel) Warum Männer anders trauern
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Warum Männer anders trauern
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01:15 16.06.2018
Martin Kreuels hat mittlerweile eine neue Lebensgefährtin gefunden. Quelle: Privat
Glindow

Beim Hospiztag in Glindow am kommenden Mittwoch spricht der promovierte Biologe, Autor und Fotograf Martin Kreuels (49) aus Bunde in Ostfriesland darüber, wie Männer trauern. Er selbst näherte sich dem Thema nach dem Tod seiner krebskranken Frau vor fast zehn Jahren. Im MAZ-Interview erklärt er, warum Männer anders mit Trauer umgehen als Frauen und was der Vortrag bewegen soll.

Herr Kreuels, Trauer bei Männern bezeichnen Sie als „Nischenthema“ – warum?

Martin Kreuels: Es findet in der Öffentlichkeit nicht statt. Männer und Trauer schließen sich quasi aus. Das hat mit der Rolle des Mannes in früheren Zeiten zu tun. Er galt als derjenige, der nicht trauern darf. Einerseits sind die Männer selbst schuld daran, dass es ein Nischenthema ist, weil sie aus der Rolle nicht rauskommen, was sich allerdings schon mehr und mehr verändert. Andererseits sind Themen wie Trauer und Hospiz auch sehr frauendominiert.

Wie kann sich der Mann der Trauer öffnen?

Indem er die alten Verhaltensweisen ablegt und bereit ist, Hilfe anzunehmen. Wir Männer müssen lernen, Worte zu finden für das, was wir fühlen und damit dann nach außen zu gehen. Die Unterschiede in der Trauerbewältigung zwischen Mann und Frau beginnen schon im Gehirn. Ganz platt gesagt, denkt der Mann mit links und fühlt mit rechts. Bei Frauen gibt es diese Trennung nicht.

Kann man das Trauern erlernen?

Ja, es ist nichts anderes als Training und es kommt auch darauf an, wie wir es von den Eltern gelernt haben. Die junge Generation geht ganz anders damit um.

Zwischen verarbeiten und zurückziehen

Wie kommt das?

Das hängt mit unserer Geschichte zusammen. Zu Kriegszeiten wurde Trauer oft unterdrückt, es gab keinen Raum für Gefühle. Und das haben natürlich auch die Kinder gespürt. Das ist ein großer Faktor, warum Männer anders trauern als Frauen.

Welche Dinge spielen außerdem eine Rolle?

Seine Art der Kommunikation, die ganz anders ist als die der Frau, die als Netzwerkerin gilt, sich Infos beschafft, auf andere zugeht und Probleme über Kommunikation löst. Männer bauen keine Netzwerke auf, sondern Hierarchien. Bei der Jagd nach Rehen haben die Steinzeitmenschen nicht über ihre Gefühle gesprochen, weil es keinen Sinn gemacht hat. Der Mann will zudem Stärke zeigen und ein Ziel erreichen. Eine große Rolle spielt aber auch die Wahrnehmung zwischen den Geschlechtern.

Was meinen Sie damit?

Angenommen der Mann geht nach dem Verlust seines Kindes allein joggen, um in sich hinein zu fühlen und zu verarbeiten, dann denkt die Frau oftmals, er zieht sich zurück. Das ist eine Gratwanderung, denn wenn sich der Mann seiner Trauer wirklich nicht stellt, sinkt seine Lebenserwartung einer Studie zufolge um zehn Jahre. Er lenkt sich ab mit viel Arbeit oder Alkohol und führt ein ungesundes Leben.

Männer, die ein oder zwei Jahre nach dem Tod ihrer Frau, eine neue Partnerin haben, werden manchmal kritisch beäugt. Ist das wirklich so negativ zu betrachten?

Eine neue Beziehung kann nach einer Zeit der Trauer ausgleichend wirken. Der Mann nimmt es vielleicht nicht so wahr, aber es geht um sein Überleben.

Unterschiede sollen respektiert werden

Sie haben seit dem Tod ihrer Frau 23 Bücher geschrieben. Was war der Anstoß?

Ich war plötzlich alleinerziehender Vater von vier Kindern und musste funktionieren. Irgendwann hatte ich so viele Fragen im Kopf, die ich beantwortet haben wollte. Also zog ich los und suchte die Antworten gezielt bei Männern. Im ersten Jahr habe ich niemanden gefunden, habe aber gemerkt, dass mir der Kopf platzt, wenn ich die Fragen nicht loswerde. Dann setzte ich mich hin und schrieb alles auf. Das war wie ein Rausch für mich. Mein erstes Buch hatte ich so innerhalb einer Woche fertig, allerdings ist es zunächst in die Schublade gewandert.

Wie kam es da wieder raus?

Eine Freundin ermutigte mich, den Text als Buch herauszugeben und das habe ich gemacht. Ich gab es an Hospize und dann dauerte es nicht mehr lange bis zur ersten Lesetour. Seitdem bin ich viel mit Menschen ins Gespräch gekommen.

Was erwartet die Gäste bei Ihrem Vortrag?

Im ersten Teil spreche ich über Faktoren wie Biologie, die Geschichte, aber auch das gesellschaftliche Bild, das wir haben und das die Trauer prägt. Basis dafür sind meine Bücher. Der zweite Teil ist eine offene Diskussionsrunde, die für mich immer sehr spannend ist, weil ich nie weiß, in welche Richtung es geht.

Was wollen Sie erreichen?

Ich möchte den Menschen die Unterschiede bei der Trauer von Frauen und Männern klar machen und vor allem, dass man diese Unterschiede nicht bewerten sollte. Sie sollen wahrgenommen und respektiert werden.

Reisen Sie eigentlich zum ersten Mal aus dem hohen Norden nach Glindow?

Ja. Glindow wird einer der vielen kleinen Orte sein, die ich über meine Lesetouren kennenlerne.

Hospiztag beginnt um 15 Uhr

Martin Kreuels schreibt, berät, forscht, fotografiert, referiert und bildet aus. Seine vier Kinder sind mittlerweile zwischen 11 und 20 Jahren alt. Er selbst stammt ursprünglich vom Niederrhein, lebte 26 Jahre in Münster und jetzt in Ostfriesland.

In seinem Buch „17 Jahre wir – Heike ist gegangen“ schreibt er über seine Gedanken in der Zeit vor dem Tod seiner Frau und in der Zeit danach. Es erschien 2012.

Der Erfahrungsbericht in Taschenbuchform „Männer trauern anders“ kam 2015 auf den Markt.

Der Hospiztag, organisiert vom Ambulanten Hospiz- und Palliativdienst Potsdam-Mittelmark, beginnt am 20. Juni um 15 Uhr in der Glindower Kirche.

Für 16 Uhr ist der Vortrag von Martin Kreuels geplant. Vorher stellt der Hospiz- und Palliativdienst sich vor, dann können sich die Gäste auf Musik mit Gesang und Gitarre freuen.

Von Luise Fröhlich

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