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Werder (Havel) Werderaner Jäger wollen Wolfsbestand regulieren
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Werderaner Jäger wollen Wolfsbestand regulieren
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01:16 02.03.2019
Mitte Februar am Wasser: Ein Jäger hat mit der Wildkamera einen Wolf in Töplitz fotografiert. Quelle: foto: Stadt Werder/Havel
Werder

Die Jäger in Werder wollen der Ausbreitung des Wolfes nicht weiter tatenlos zusehen. Das machten die Jagdgenossen und Jagdpächter bei ihrem jüngsten Treffen mit Bürgermeisterin Manuela Saß (CD) deutlich. In einer Pressemitteilung informierte die Stadt über die Zusammenkunft und den Wunsch der Werderaner Jäger, die Wolfsbestände künftig zu regulieren.

Gerade in so dicht besiedelten Gegenden wie Werder sei ein Eingriff in den Bestand unvermeidbar, hieß es aus den Reihen der Jägerschaft. Auf MAZ-Anfrage bestätigt der Glindower Jagdvorsteher Hermann Bobka: „Die Wölfe werden immer mehr. Das erkennen wir auch daran, dass viel Rehwild und Fasan gerissen wurde.“ Wie groß genau der Zuwachs sei, könne er allerdings noch nicht sagen. „Wir wollen dem Wolf Potenzial lassen, aber den Bestand verringern.“

Offiziell ist rund um Werder aktuell zwar kein Wolfsvorkommen nachgewiesen. Das Landesamt für Umwelt in Brandenburg erfasst alle Wolfsnachweise im Land und veröffentlicht die Informationen anschließend. Danach gab es 2017/2018 landesweit nachweislich 38 Territorien, in denen 26 Rudel, zwölf Paare und 84 Welpen lebten. Die von Werder aus nächstgelegenen offiziellen Wolfsvorkommen sind in Lehnin und Dobbrikow.

Wolf wandert 70 Kilometer

Dennoch streifen Wölfe auch immer häufiger durch die Region Werder. Aufnahmen einer Wildkamera zeigen die Tiere am Tage und in der Nacht im Ortsteil Töplitz durch die Wälder streifen. Nach Beobachtungen der Jäger sind in Werder Wölfe erstmals vor drei Jahren in der Bliesendorfer Heide von Wildkameras dokumentiert worden. Damals soll es sich um streunende Jungwölfe des Lehniner Rudels gehandelt haben. „Die ziehen durch die Gegend“, sagte Hermann Bobka. Rund 70 Kilometer wandere ein Tier im Schnitt in der Nacht.

Fast flächendeckend ist der Wolf den Jägern zufolge inzwischen im Werderaner Landschaftstraum unterwegs. Im Bereich Plötzin/ Plessow wird seit einem halben Jahr eine Wolfsfamilie aus fünf Jungwölfen mit Eltern von Jagdpächter Heiner Gorgas mit der Wärmebildkamera beobachtet. Nachts würden die Eltern, die Nase nach oben, die Wege entlang traben. Witterten sie Rehe, galoppierten sie hinterher. Im Bliesendorfer Revier seien inzwischen mehrere Wölfe ständig präsent, berichtet Jagdvorsteher Fritz Buckow: zwei im Nordosten und fünf bis sechs im Südwesten.

Auf keinen Fall weglaufen

Im Januar wurde auf der Insel Töplitz erstmals ein Wolf gesichtet und seine Spur bis zum Schlänitzsee zurückverfolgt. Anfang Februar wurde vermutlich der gleiche Wolf im Göttiner Busch von einer Wildkamera aufgenommen, wie ein Töplitzer Jagdpächter berichtete. Wahrscheinlich habe das Tier die Eisdecke auf dem Schlänitzsee genutzt, um auf die Insel zu gelangen. Aus Derwitz wurde schon beim letzten Jägertreffen Sichtungen gemeldet.

„Wir wollen keine Panik machen, aber die Leute sollen Bescheid wissen“, betont Hermann Bobka. Wer auf einen Wolf trifft, darf auf keinen Fall wegrennen, erklärt er. So würde nur der Jagdtrieb des Tieres geweckt werden. „Am besten stehenbleiben – Krach machen und den Wolf so vergrämen.“ Hier sei auch das Mitwirken der Bürger gefragt. Hunde sollten nicht ohne Leine im Wald unterwegs sein. Das würde dazu führen, dass die Wölfe den Hunden hinterherrennen und zum Herrchen mitkommen.

In Brandenburg ist 2007 das erste Mal nach langer Abwesenheit wieder ein Wolfspaar im äußersten Südosten des Landes nachgewiesen worden. Seitdem steigt die Population und liegt aktuell bei 24 Rudeln und zwölf Paaren.

Das Land veröffentlicht alle Daten zu Wolfsvorkommen und Nutztierrissen. 2018 sind danach bei 153 Vorfällen nachweislich 401 Nutztiere vom Wolf verletzt oder getötet worden.

Auch Wölfe, die tot aufgefunden wurden, werden erfasst. Danach sind 2018 allein 26 Wölfe bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, ein Wolf starb an Räude und drei Tiere sind illegal geschossen worden. Für 2019 liegen dem Landesamt für Umwelt bisher Angaben zu fünf Verkehrsopfern und einem geschossenen Wolf vor.

Im Straßenverkehr kommen Wölfe besonders häufig auf der A10 zu Tode – und zwar zwischen dem Autobahnkreuz Potsdam bis zur Abfahrt Ferch.

Wölfe verdrängen Wildschweine

Auch Wildschweine würden durch die Wölfe aus dem Wald gedrängt werden. Die Folgen könne man laut Bobka in Kleinmachnow und Stahnsdorf beobachten. Dort würden die Tiere nun innerorts Abfälle hinter Häusern finden. „Die Jäger können dann nichts machen. Es ist eine Kette ohne Ende. Da sind ein Haufen von Problemen, da müssen vom Gesetzesgeber Lösungen kommen“, sagt Hermann Bobka.

Im Dezember hatten die Werderaner Stadtverordneten einen Beschluss zur Regulierung des Wolfsbestandes gefasst. Mit 15 Ja-, zehn Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen stimmten die Stadtverordneten für den von der CDU-Fraktion eingebrachten Antrag, sich der Bauernbund-Initiative „Wolfsfreie Zone“ anzuschließen. Doch ohne weiteres ist das nicht möglich, denn Wölfe sind gesetzlich streng geschützt und dürfen nur in Ausnahmen geschossen werden.

Von Anne Knappe

Tierfiguren aus Ton. Fotografische Drucke. Acryl auf Wandfarbe. Die Schüler der Walddorfschule in Werder haben in großer Vielfalt Gedichte von Christian Morgenstern visualisiert. Er ist der Namensgeber ihrer Schule und ist bekannt für seine humoristischen Galgengedichte. Mit ebenso viel Humor sind die Jugendlichen zum Teil auch ans Werk gegangen.

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