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Werder (Havel) Kegler bleiben auf der Bahn
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Kegler bleiben auf der Bahn
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13:51 03.08.2018
Christian Buchwald, Udo Sandow und Burkhard Schoof (v.l.) spielen alles andere als eine ruhige Kugel. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

In der hochsommerlichen Hitze wirkt der Gang zur Kegelbahn fast so erfrischend wie ein Sprung in die benachbarte Havel. Der Flachbau am einstigen Restaurant „Zur Alten Weberei“ in Werder scheint gut isoliert. Seit Donnerstag treffen sich nach der kleinen Trainingspause im Juli dort wieder die Kegler aus Werder und Neu Plötzin. Seit 18 Jahren ist es die Heimstätte der Spielgemeinschaft Werder, einem Zusammenschluss des Kegelvereins Werder/Havel und des KSC Victoria 77 –und sie wird es auch bleiben, wie Werders Stadtsprecher Henry Klix auf MAZ-Nachfrage bestätigte. Nach dem geplanten Umbau zum Familien- und Jugendzentrum im kommenden Jahr werden die rund 50 Mitglieder auf ihren Bahnen beim Training oder Wettkampf weiter Kugeln schieben können. Darüber sind die Kegler froh, denn sie haben schon stürmische Zeiten hinter sich.

Alles begann in den 70er-Jahren mit der Gründung beider Vereine, damals noch als Betriebssportgemeinschaften. Die Neu-Plötziner hatten eine eigene 4-Bahn-Anlage in der örtlichen LPG. Die Werderaner trainierten auf zwei Bahnen im Betriebsklubhaus auf der Bismarckhöhe. Mit der Wende kamen die Probleme. Christian Buchwald (56), seit 1990 Vorsitzender des Werderaner Kegelvereins, erinnert sich: „Wir haben erstmal weitergekegelt, aber finanziell wurde es schwierig.“ Die Pächterin verlangte eine hohe Bahngebühr – 216 Mark im Monat. Der Preis konnte zwar runtergehandelt werden, doch die Freude hielt nicht lange.

Vier Bahnen bespielen die Kegler in der einstigen „Alten Weberei“. Quelle: Luise Fröhlich

In Neu-Plötzin trat die Hälfte der Mitglieder aus, die Frauenmannschaft brach weg und auch ihre Bahn mussten die Kegler verlassen, berichtet Udo Sandow (55), 2. Vorsitzender des KSC Victoria 77. Kurzzeitig kamen sie in Geltow unter. „Unsere Mannschaft reichte für die Teilnahme an Wettkämpfen nicht mehr aus“, sagt er. So kam den beiden Vereinen, die sich zuvor bei Wettkämpfen kennengelernt hatten, die Idee, sich zur Spielgemeinschaft Werder zusammen zu tun. Seit Eröffnung der Bahn im Jahr 2000 spielen sie dort gemeinsam –und das durchaus erfolgreich.

16 Medaillen in drei Jahren

„Die größten sportlichen Erfolge bringen bei uns die Jugendlichen“, erklärt Burkhard Schoof, 1. Vorsitzender des Kegelvereins Neu Plötzin. Der talentierte Jonathan Jaeger wurde zum Beispiel in diesem Jahr bei den U23-Keglern Landesmeister und Deutscher Meister. Auch die Frauenmannschaft ist Landesmeister geworden und nahm an den Aufstiegsspielen zur Bundesliga teil. In den zurückliegenden drei Jahren holte die Spielgemeinschaft insgesamt 16 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. Auf Jonathan Jaeger müssen die Kegler im Wettkampf künftig verzichten, denn er wechselt nach Fehrbellin in die Bundesliga. Bruder Fabian schicke sich an, in seine Fußstapfen zu treten. „Viele Kegler kommen durch die Familie zu dem Sport“, sagt Burkhard Schoof. Der 55-Jährige ging mit Udo Sandow zur Schule, dessen Familie beim Kegeln breit und erfolgreich vertreten war.

Es sei eine der wenigen Sportarten, die man bis ins hohe Alter ausüben kann. Der älteste Kegler der Werderaner ist 75, der jüngste Neu Plötziner ist sieben. „Man kann sich in der Gemeinschaft betätigen, ohne sich dabei zu verausgaben“, meint Burkhard Schoof. „Die Gemütlichkeit macht das Kegeln auch aus“, ergänzt Christian Buchwald. Beim Wettkampf komme es zu einem großen Teil auf die mentale Fitness an. „Die Bewegung in Verbindung mit Konzentration ist entscheidend, um eine vernünftige Kugel zu spielen“, erklärt Burkhard Schoof.

Die Heimstätte bleibt für die Vereine erhalten. Quelle: Luise Fröhlich

Seitdem das Restaurant geschlossen hat, zahlen die Kegler keine Bahnmiete mehr, sondern eine Nutzungsgebühr an den Eigentümer Stadtsportbund. Ohne die Zuschüsse aus dem Neu Plötziner Ortsbeirat hätten sie die Jugendarbeit im Verein über die Jahre nicht aufrecht erhalten können, berichten die Männer. Vieles finanzieren sie aus Mitgliedsbeiträgen und aus eigener Tasche, zum Beispiel T-Shirts und Sportbekleidung. Für diese Posten wünschen sich die Werderaner Unterstützung von Sponsoren, die aber schwer zu finden seien. All die Jahre haben sie sich außerdem um Pflege und Wartung der Bahnen gekümmert.

Offen für Synergien

Im Zuge des Umbaus erhalten die Kegler nun einen eigenen Eingang, wie Henry Klix erklärt. Sie gehen nicht mehr durch die Gaststätte, die Jugendklub und Familienzentrum nutzen sollen, sondern durch den Eingang des Stadtsportbundes. Darüber hinaus seien keine wesentlichen Änderungen bei der Raumverteilung geplant. Umkleiden und Duschen stehen allen Vereinen offen. „Wir gehen fest davon aus, dass es zwischen den Vereinen und dem Familien- und Jugendzentrum künftig enge Kontakte und Synergien geben wird“, sagt der Stadtsprecher. Dafür seien die Kegler offen. „Es kann nur einen Gewinn bringen, wenn nach zwei Abenden vielleicht ein Jugendlicher sagt, dass er Teil des Vereins werden möchte“, so Burkhard Schoof. Wünschen würden sie sich in Zukunft einen zweiten Trainingstag, denn wenn der Sommer vorbei ist und die Wettkämpfe beginnen, wird es auf den Bahnen schon mal eng.

Einschränkungen wegen Bauarbeiten

Neben der Kegelbahn bleibt auch der Platz für die Beachvolleyballer auf dem Grundstück erhalten. Der Tennisclub wird nach Angaben der Stadt weiter sein Büro nutzen. Gleiches gilt für die Angler und ihr benachbartes Gebäude.

Alle Vereine müssen wegen des großen Umbaus mit Einschränkungen rechnen. Die Stadt bemühe sich, in enger Abstimmung den Trainings- und Wettkampfbetrieb so wenig wie möglich zu behindern.

Ende Juni hieß es aus der Verwaltung, dass die Renovierungsarbeiten an dem Gebäude bald beginnen werden. Der Bauantrag für den Umbau ist beim Landkreis gestellt worden.

Von Luise Fröhlich

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