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Werder (Havel) Werder ist seit diesem Jahr um zwei Hausärzte reicher
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Werder ist seit diesem Jahr um zwei Hausärzte reicher
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18:11 13.12.2018
Winnie Berlin (l.), hier mit Schwester Sarah, hat sich im September als Hausärztin für Erwachsene, Jugendliche und Kinder in Werder angesiedelt. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

1713 Einwohner betreut ein Hausarzt in der Stadt Werder und den Ortsteilen. In diesem Jahr haben sich gleich zwei Praxen neu gegründet, Caren Roller mit Sitz in den Havelauen und Winnie Berlin im Wohngebiet zwischen Hamburger Ring und Wachtelwinkel. Damit zählt die Blütenstadt jetzt 15 Hausarztsitze. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Brandenburg ist Werder im hausärztlichen Bereich aktuell zu 96,3 Prozent versorgt. Im sogenannten Mittelzentrum Werder-Beelitz, in dem mehr als 61 000 Menschen leben, rutscht der Grad mit 87,4 Prozent allerdings in den Keller. Im landesweiten Vergleich liegen nur Neuenhagen und Guben noch darunter. Andere Kommunen wie Kyritz, Teltow oder Cottbus sind hingegen zu mehr als 100 Prozent mit Hausärzten versorgt.

Für die Kassenärztliche Vereinigung ist der niedrigere Versorgungsgrad im Mittelzentrum kein Grund zur Sorge, wie Sprecher Christian Wehry auf MAZ-Anfrage erklärte. Die Region sei geprägt von einer jungen, wachsenden Bevölkerung. Viele pendeln nach Berlin oder Potsdam zur Arbeit, die Verkehrsanbindung sei gut. „Somit ist davon auszugehen, dass viele dieser Menschen von Ärzten in Potsdam und Berlin betreut werden“, sagte Christian Wehry. Die KV bewertet den Versorgungsgrad daher als ausreichend. Weder die ambulant tätigen Ärzte noch Patienten hätten sich via Servicehotline über Engpässe beklagt. Nach Bundesangaben besteht erst unter 75 Prozent eine Unterversorgung.

Mehrbedarf an Kinder- und Jugendärzten erkannt

Winnie Berlin, die sich als Fachärztin für Allgemeinmedizin sowie Kinder- und Jugendmedizin im September in Werder angesiedelt hat, sieht den Hausarzt eher sinnvoll am Wohnort des Patienten. Schließlich würde der- oder diejenige nicht erst mit den Beschwerden zur Arbeit fahren, um sich dort in der Nähe behandeln zu lassen. Die 45-Jährige hat seit der Eröffnung ihrer Praxis 300 Menschen aufgenommen. Das Besondere an ihrem Konzept: Sie betreut alle Altersgruppen, aktuell vom wenige Tage alten Kind bis zum 94-Jährigen. „Wenn ein Hausarzt entsprechend ausgebildet ist, kann er auch Säuglinge und Kinder behandeln. Viele nehmen Kinder erst ab dem Grundschulalter auf“, sagt Winnie Berlin. Die Kleinsten mit zu behandeln, sei anspruchsvoll. „Man muss sorgfältig sortieren. Wenn es um spezialisierte Versorgung geht, überweise ich natürlich auch zum Kinderarzt“, so die Medizinerin.

Die Versorgung in der Kinder- und Jugendmedizin erfasst die Kassenärztliche Vereinigung gemeinsam für Potsdam-Mittelmark und Brandenburg/Havel. Mit Stand Juni 2018 lebten hier 46 081 Einwohner unter 18 Jahre. Nach der Statistik ist das Gebiet zu 203,5 Prozent mit Kinder- und Jugendärzten versorgt. Dennoch gebe es Eltern, die keine Aufnahme für ihre Kinder finden, sagt Winnie Berlin. Laut Christian Wehry ist in Werder 2016 und 2017 ein Kinderarzt im Sonderbedarf angestellt und später in eigener Praxis zugelassen worden, weil immer mehr Familien mit Kindern zugezogen sind und der Bedarf stieg. Aktuell können sich keine weiteren Kinderärzte in Brandenburg/Havel und der Mittelmark niederlassen. Gleiches gilt zum Beispiel auch für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Chirurgen, Orthopäden oder Frauenärzte.

Breit aufgestellt

Insgesamt hat sich die Versorgung mit Hausärzten zwischen Werder und Beelitz in den vergangenen drei Jahren verbessert. Ende 2015 lag der Grad noch bei 84,2 Prozent. Allerdings stieg in der Zwischenzeit auch die Einwohnerzahl, heute leben etwa 3000 Menschen mehr im Mittelzentrum. Auf dem Land würden Beschwerden bei der medizinischen Versorgung nicht ausbleiben, so Christian Wehry. Die Gesamtsituation dürfe aber nicht durch lange Wartezeiten und Terminvergaben, etwa zur Zeit der Grippewelle, bewertet werden.

Winnie Berlin will Patienten langes Warten beim Spezialisten ersparen, wenn der Gang dorthin nicht zwingend notwendig ist. Sie hat sich breit aufgestellt und bietet zum Beispiel Hautkrebsscreening, 24-Stunden-EKG, Ultraschalluntersuchungen, Aortenaneurysma-Screening und diverse andere Vorsorgen, auch für Kinder und Jugendliche an. Perspektivisch würde sie sich über Verstärkung eines weiteren Arztes mit ähnlichem Profil in ihrer Praxis freuen. Dann könnten auch die Sprechzeiten ausgeweitet werden.

Die zweifache Mutter studierte vorwiegend in Berlin, hatte aber auch Aufenthalte in Wien, Amsterdam und London. In England fand sie schließlich den Berufseinstieg. Dort hat der Hausarzt den Stellenwert des Grundversorgers und ist breit gefächert tätig. „Dieses System hat mich nachhaltig beeinflusst“, sagt Winnie Berlin.

Bereitschaftsarzt statt Rettungsstelle

Wenn Menschen am Wochenende, feiertags oder mitten in der Nacht von akuten Beschwerden geplagt werden, fahren sie häufig in die Rettungsstelle. Die Kliniken sind dadurch oft überlastet. Handelt es sich nicht um medizinische Notfälle, kann alternativ der Bereitschaftsdienst gerufen werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung wirbt für die europaweite Nummer 116 117, unter der der Bereitschaftsdienst erreichbar ist. Die Rufnummer ist kostenlos. Entweder klingelt das Telefon in der Leitstelle oder direkt beim diensthabenden Arzt.

Von Luise Fröhlich

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