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Werder (Havel) Wo Kunst die historischen Gemäuer belebt
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Wo Kunst die historischen Gemäuer belebt
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08:15 16.03.2019
Peter Joseph Weymanns aktuelle Ausstellung in der Galerie trägt den Titel „Gott erhalte mir mein kindliches Gemüt“.   Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Sie könnten gegensätzlicher nicht sein, sowohl in ihren Ansichten als auch in ihrer Kunst. Sie zanken sich über Politik, über ihre Bilder, wollen aber beide das Gleiche: das Kulturgut Werders und der Insel bereichern. Seit fünf Jahren zeigen Peter Joseph Weymann (65) und Hans-Joachim Stahlberg (64) Tür an Tür in historischen Gemäuern des Lendelhauses ihre Werke – hauptsächlich Malerei, aber auch Skulpturen. Jährlich zählen sie zwei- bis dreitausend Besucher, ein Großteil kommt in der Adventszeit und viele finden den Weg zur Galerie ganz gezielt. Unter der Woche arbeiten die beiden Männer für sich in ihren Ateliers auf der Insel und treffen sich am Wochenende in der Galerie am Marktplatz.

Seit fünf Jahren bestehen im Lendelhaus in Werder die Galerien von Peter Joseph Weymann und Hans-Joachim Stahlberg.  Quelle: Luise Fröhlich

In den denkmalgeschützten Räumen des in den 1780er Jahren erbauten Lendelhauses, das zur Anlage der Saftfabrik gehörte, fanden die beiden Künstler im Mai 2014 das passende Ambiente. „Der Zustand der Räume hat uns alles andere als gestört, im Gegenteil. Der historische Charme ist doch so viel schöner, als wäre alles weiß gestrichen“, sagt Peter Weymann. Bis voriges Jahr ist der Komplex aus Saftfabrik, Böttcherei und Lendelhaus saniert und zu Wohnensemble und Ferienunterkunft umgebaut worden. In allen Appartements hängen Bilder der beiden Künstler. Es sei eine Symbiose aus Kunst und Gemäuer.

„Ein Bild erreicht einen oder nicht“

„Politisch sind wir höchst konträr, aber uns verbindet dennoch eine große Zuneigung“, beschreibt Peter Weymann das Verhältnis der beiden. „Plus und minus zieht sich an und zwischendrin brennt immer ein Licht, das ist die Kunst“, sagt Hans-Joachim Stahlberg. Die Gegensätzlichkeit ihrer Kunst gebe ihnen Raum, wodurch sie sich nicht in die Quere kommen und der Besucher durch zwei Welten wandeln kann.

Peter Weymanns Bilder sind vor allem bunt, experimentell und entstehen oft spontan. „Die Welt braucht Farbe und Fröhlichkeit. Ohne Licht und Farbe ist die Welt arm und krank“, sagt der Mann, der 1999 von Westberlin nach Werder kam und auf der Insel heimisch wurde. Neben seinem Leben als Künstler berät der gebürtige Nordrhein-Westfale einen Bundestagsabgeordneten. Studiert hat er Gesang und ist so manchem in Werder auch als Musiker ein Begriff. Gemeinsam mit der Kapelle Fischerstraße nahm er Songs wie „Insel im Strom“, „Das Lied der Bismarckhöhe“ oder „Auf gutem Sand gebaut“ auf. Die Liedtexte stammen aus seiner Feder. Peter Weymann lehnt es ab, seine Kunst zu beschreiben oder sie in eine Schublade zu stecken: „Wenn ich ein Bild beschreiben müsste, hätte ich Schriftsteller werden sollen. Ein Bild erreicht einen oder eben nicht“ Sein jüngstes Werk hat er anlässlich des Todes von Karl Lagerfeld im Februar angefertigt.

Thema Heimat taucht immer wieder auf

Ganz anders geht Hans-Joachim Stahlberg ans Werk. „Ich verstehe die Malerei weniger emotional, sondern versuche, Bilder zu erarbeiten. Es gibt Skizzen, Kompositionen und eine bestimmte Farbwahl“, erklärt er. Was auch immer er malt, es bleibt erkennbar. Um von alten Meistern lernen zu können, bereist er gern die Orte, an denen sie zuvor tätig waren. Vergangene Reisen führten ihn beispielsweise nach Holland, Skandinavien oder Frankreich. Das Thema Heimat kehrt bei Hans-Joachim Stahlberg dennoch immer wieder. Zum Lendelhaus hat der Werderaner eine besondere Beziehung: Seine Mutter arbeitete in dem Haus, als es noch eine Saftfabrik war. Schon bevor er seine Galerie dort eröffnete, hatte er dort zweimal ausgestellt. Auch in Petzow ist Hans-Joachim Stahlberg anzutreffen. Er verwaltet im Auftrag des Landkreises die Kirche als Kulturhaus und hatte seine Galerie zuvor im Andenkenhaus des Petzower Parks.

Hans-Joachim Stahlberg in seiner Galerie  Quelle: Luise Fröhlich

Das Miteinander mit den Insulanern liegt den beiden Künstlern am Herzen. Oft brachten die Nachbarn ihnen schon einen Kaffee oder ein Eis vorbei. „Andererseits hatten viele noch nie eine Galerie betreten, bevor wir eröffnet hatten“, sagt Peter Weymann. Hier in der Galerie bekämen sie das Gefühl vermittelt, dass alle Menschen gleich viel Wert sind und ein Künstler nicht besser ist als ein Maurer, nur weil er ein bisschen Farbe auf der Leinwand verteilen kann. So seien auch die alten Werderaner Obstmucker Kunden der beiden, verraten sie.

Fünfjähriges Bestehen wird im Mai gefeiert

Im Mai wollen Weymann und Stahlberg das fünfjährige Bestehen ihrer Galerien feiern. Wenn das Baumblütenfest vorbei ist, öffnen sie daher regulär an den Wochenenden wieder ihre Türen und versprechen die ein oder andere Überraschung für den, der den Weg zum Lendelhaus findet.

Info: Immer samstags und sonntags ist die Galerie von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Von Luise Fröhlich

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