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Werder (Havel) „Sprüche der Werderschen“ kehren zurück
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) „Sprüche der Werderschen“ kehren zurück
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17:31 26.10.2018
Hella Martin hat ihrem Mann Baldur beim Nachempfinden der Sprüche und der Verschriftlichung geholfen – rechts ist die erste Fassung zu sehen. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

„Ist der Sommer lang und trocken, bleibt die Blüte im Ansatz hocken“ – um Sprüche wie diesen sind die Werderschen nicht verlegen. In den Plantagen tauschten sich schon die Altvorderen Weisheiten übers Wetter und das Obst aus, im Haus diskutierten sie den neusten Tratsch über den Nachbarn und auf dem Markt amüsierten sie sich über die Berliner. So manche Phrasen lassen tief in ihre Seele blicken: „Lieber zwei Brettertote hintereinander, als Fremde auf dem Hof.“ Andere zeugen von unermüdlichem Fleiß: „Solange die ganze Familie rackert, geht es uns gut.“

Rund 500 typisch Werdersche Ausrufe hat Ortschronist Baldur Martin über 40 Jahre gesammelt oder nachempfunden und jetzt eine zweite Auflage des Buches „Sprüche der Werderschen“ herausgegeben. Anlass war der Ansturm auf die erste Auflage, die 1997 erschienen ist. Inzwischen werden Exemplare überteuert auf Online-Portalen verkauft. 2000 Stück hatte Baldur Martin damals drucken lassen und musste dafür einen Kredit aufnehmen. In welcher Höhe wollte er beim gestrigen Pressegespräch im Zimmer des Werderaner Heimatvereins nicht verraten. Für die Neuauflage hat er Sponsoren gefunden.

Sprüche, die im Alltag fallen

„Bis auf das Erscheinungsjahr haben wir nichts verändert“, sagte Baldur Martin. Mit Reproduktion, Layout, Druck und Einband betraute er die G&S Druck und Medien GmbH aus Potsdam. 800 Exemplare stehen diesmal zum Verkauf. „Wie bei anderen Büchern auch sollte man sich lieber beeilen, um eins zu bekommen“, rät der 78-Jährige. Illustriert sind die Sprüche in dem 160-seitigen Buch von Jenny Wahnsiedler, die viele Jahre das Kleid der Baumblütenkönigin geschneidert hat. Baldur Martin hatte sie als 21-Jährige mit diesem Erstlingswerk als Künstlerin beauftragt. Ihre Zeichnungen finden sich auch in der Neuauflage wieder.

Thematisch kommen die Werderschen vor allem zu ihrem Alltag zu Wort. Die meisten Sprüche stehen in den Rubriken Obstkulturen, Sippe, Umgang und Tiere. Auch über die Obrigkeit ist in Werder viel gesprochen worden, zum Beispiel: „Ein gesunder Gärtner ist mehr wert als ein kranker Bürgermeister“ oder „Je mehr der Politiker redet, umso schweigsamer wird der Obstzüchter.“ Die Sparte zum Umgang zitiert Erfahrungen, die der Werdersche beim Verkauf seiner Kirschen und Äpfel oder im Gespräch mit Fremden gemacht hat: „Der Berliner amüsiert sich, der Werdersche kassiert.“ Auch am Nachbarn wurde manchmal kein gutes Haar gelassen: „Über den Nachbarn weiß man alles Schlechte, das Gute verbreitet er selbst.“ Baldur Martin gesteht ein, dass der ein oder andere Spruch „deftig“ ist. Viel Gefallen unter den Lesern habe etwa folgender gefunden: „Wer übern Holzzaun steigt, hat schnell einen Splitter im Arsch.“

Heimatverein hat jetzt ein eigenes Zimmer plus Archiv

Im Vorwort ließ es sich der Ortschronist nicht nehmen, die Werderaner für Fleiß, Arbeitsweise, Zähigkeit und Sparsamkeit zu loben und weitergehend zu charakterisieren. „Die Werderschen stehen für eine recht eigenständige Volksgruppe, die sich vom 18. bis 20. Jahrhundert in der Mark zwischen Brandenburg und Potsdam herausbildete“, heißt es einleitend im zweiten Absatz.

Vorgestellt wurde das Buch im neu eingerichteten Zimmer des Heimatvereins gegenüber des Sportplatzes an den Werderwiesen. Die Stadt stellte es dem Heimatverein und dem Stadtsportbund im vorigen Jahr zur Verfügung. Zwischen 1982 und 2017 hatte der Heimatverein keinen festen Sitz, wie der Vorsitzende Klaus Froh berichtete. Treffen fanden in den Wohnzimmern der Mitglieder statt. Nun nutzt der Heimatverein nicht nur das Zimmer, sondern konnte auch ein Archiv im Nebenraum einrichten.

Info: Die zweite Auflage der „Sprüche der Werderschen“ ist ab sofort für 15 Euro in der Buchhandlung Hellmich oder im Kartenhaus im Werderpark erhältlich.

Zwei weitere Publikationen in 2018

Noch in diesem Jahr sollen ein weiteres Heft der Heimatgeschichtlichen Beiträge sowie Band 6 der Werder-Chronik zu den Themen Dienstleistungen und Industrie erscheinen. Band 7 zu Kultur, Sport und Bildung ist für das Frühjahr 2019 geplant.

Mit einem Benefiz-Vortrag unter dem Titel „Werder in der Anekdote“ möchte Baldur Martin den Erhalt des Scala Kulturpalastes unterstützen. Er findet am 7. Dezember um 19 Uhr im Kino statt. Die Einnahmen kommen der Kulturstätte zugute.

Von Luise Fröhlich

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