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Werderaner erinnern an junge Opfer

Schüler übernehmen Patenschaft Werderaner erinnern an junge Opfer

Sie waren jung, wollten Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit und mussten ihren Widerstand in den 50er Jahren mit dem Leben bezahlen. Die Stadt Werder übergab Schülern die Patenschaft für die Pflege des Denkmals auf der Insel. Es erinnert an die Hinrichtung von jungen Werderanern 1952 in Moskau. Die Tragödie gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Werderaner Geschichte.

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Als Paten werden Schüler die Gedenkstätte pflegen

Quelle: Greiner

Werder. Die Glocken der Heilig Geist Kirche läuten am Freitagvormittag über dem Mahnmal. Schüler der Carl-von-Ossietzky-Oberschule studieren die Namen auf den Gedenktafeln. „Sie waren jung, wollten Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit und mussten ihren Widerstand in den 50er Jahren mit dem Leben bezahlen“, sagte Vizebürgermeister Christian Große (CDU) und erinnerte an die Tragödie um den Tod der jungen Werderaner. Deren Hinrichtung 1952 in Moskau gehöre zu den dunkelsten Kapiteln der Werderaner Geschichte und dürfe nie in Vergessenheit geraten. Dafür wollen auch Schüler der Oberschule Werder sorgen, die am Freitag aus den Händen von Große die Patenschaftsurkunde in Empfang nahmen.

Die Schüler wollen das Mahnmal auf dem Alten Friedhof der Inselstadt pflegen und die Geschichte der Jugendlichen im Widerstand weiter aufarbeiten. Das begrüßen auch Sigurd Blümcke und Werner Bork. Sie kannten die Opfer, waren deren Freunde und haben sich für das Denkmal außerordentlich und mit viel Hingabe stark gemacht. Für die Gedenkfeier waren sie extra aus der Ferne angereist. „Die von meiner Frau und mir gestaltete Plastik haben wir am Donnerstag noch einmal frisch gestrichen“, sagt Blümcke. Er hat jetzt in 2.überarbeiteter Auflage das Buch über sein Leben im Widerstand veröffentlicht. „Wir liebten nur einen Sommer“ ist ein Tatsachenbericht Blümckes über die Zeit von 1944 bis 1952, seine Jugend, die Liebe und die Haftzeit.

Um für die Freiheit zu kämpfen, haben die damals brutal umgebrachten acht jungen Werderaner vor allem Flugblätter verteilt. „Mitbürger geht nicht zu Wahl! Wer die Nationale Front wählt, wählt die Spaltung Deutschlands für immer“, hat auf einem Handzettel gestanden. Das war im Oktober 1950, als die Wahl der Volkskammer bevorstand. Aufgrund ihres Protests sind die jungen Widerständlern festgenommen, zum Tode verurteilt und den sowjetischen Besatzern übergeben worden. Die Hinrichtungen sollen stets nach Mitternacht stattgefunden haben. Die Asche der Werderaner Lehrlinge und Studenten sowie weiterer etwa 1000 deutscher Opfer der DDR-Diktatur ist anschließend anonym auf dem Friedhof Donskoje verscharrt worden.

Das in Werder lange verdrängte Thema war erstmals 1997 durch eine Veröffentlichung im „Stern” wieder ans Licht gekommen. Die heutige SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Spiegel las damals während einer Podiumsdiskussion Texte eines Verhafteten vor und verschrieb sich dann der weiteren Aufarbeitung in ihrem Buch „Die Stasi kam im Morgengrauen“.

Spiegels Werk, das Mahnmal auf dem Friedhof und die Tafeln an der Oberschule erinnern an die jungen Opfer: Johanna Kuhfuß, deren Bruder Heiner, Joachim Trübe, Wilhelm Schwarz, Günther Nawrocki, Inge Wolff und Heinz Unger. Das Mahnmal wollen Schüler von heute pflegen und dabei nie das Grauen von damals vergessen.

Von Regine Greiner

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