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Werner Große wird Ehrenbürger

Werder Werner Große wird Ehrenbürger

Standing Ovations für Werner Große (CDU) bei der Festsitzung der Stadtverordneten in Werder: Am Donnerstagabend wurde der ehemalige und langjährige Stadtvater Werders auf der Bismarckhöhe mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Seine Nachfolgerin Manuela Saß fand in der Laudatio treffende Worte gespickt mit der ein oder anderen Anekdote.

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Von 1990 bis 2014 war Werner Große (CDU) Bürgermeister der Stadt Werder.

Quelle: Tom Klement, werderfoto.de

Werder. Überall in Werder hat Werner Große seine Spuren hinterlassen. Die Liste der Meilensteine des CDU-Altbürgermeisters ist lang. Er wird oft als Bürgermeister der „Stunde Null“ bezeichnet, weil er der Blütenstadt und ihren Bewohnern nach der Wende schnell auf die Beine half. Werner Große, der als Kind Flieder geschnitten und ihn am Hohen Weg verkauft hat, um sich davon Postkarten zu kaufen, die er mit Gewinn an Touristen verscherbelt hat, gilt als kreativ, beharrlich, unkompliziert und einfach nah dran an seinen Werderanern. Seit Donnerstagabend ist er nun Ehrenbürger der Stadt. Ausgezeichnet wurde er bei der Festsitzung der Stadtverordneten zur 700-Jahr-Feier auf der Bismarckhöhe. Der Saal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Stadtverordnete, Ehrenamtliche, Unternehmer und Gäste – sie alle erhoben sich und applaudierten laut, als Werner Große auf die Bühne kam.

1949 wurde er als Achtmonatskind im Glindower Krankenhaus geboren. „Er konnte es offensichtlich kaum erwarten, die Stadt umzukrempeln“, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) in ihrer Laudatio. Neben dem Postkartenverkauf sei er sich ebenfalls nicht zu schade gewesen, beim Baumblütenfest leere Flaschen oder heruntergefallenes Geld aufzusammeln. Nach der Schule absolvierte er eine Gärtnerlehre mit Abitur und studierte danach an der Martin-Luther-Universität in Halle mit dem Abschluss als Diplom-Jurist. „Seine Diplomarbeit musste er zweimal schreiben, weil sich seine SED-Direktive geändert hatte und seine Arbeit nicht mehr den Vorstellungen der Politik entsprach“, berichtete Manuela Saß.

Wie das große Stadtwappen an die Baumgartenbrücke kam

Seit 1971 ist Werner Große Mitglied der CDU, von 1974 bis 1978 war er Vize-Bürgermeister der Stadt Werder. In dieser Zeit der Materialnot sei er unter anderem maßgeblich am Bau der Regattastrecke beteiligt gewesen. Im Mai 1990, damals bestand formal noch die DDR, wurde er Bürgermeister der Blütenstadt. „Diese Zeit müssen wir uns vor Augen halten, um zu erkennen, was Werner Große mit den Stadtverordneten in einem Vierteljahrhundert alles bewirkt hat“, sagte Manuela Saß. Die Altstadt war verfallen, die Kohleöfen verdreckten die Luft und nur jeder dritte Haushalt war an das Abwasserkanalnetz angeschlossen.

Werner Große mit seinem Hund „Hunter“ beim Spaziergang auf der Insel 2014

Werner Große mit seinem Hund „Hunter“ beim Spaziergang auf der Insel 2014.

Quelle: Bernd Gartenschläger

„Werner Große stand als Bürgermeister für einen schlanken und wirtschaftsfreundlichen Verwaltungsapparat und dafür, sich nicht mit Dingen zu überheben, die andere besser können“, so Manuela Saß. Ende 1992 begann das Baugeschehen auf dem Strengfeld, außerdem im Elsebruchweg, im Wachtelwinkel und am Finkenberg. Eine Kleinstadt mit kaum einem halben Prozent der Einwohner des Landes Brandenburg griff 1993 ganze 15 Prozent der kompletten Wohnungsbaufördermittel ab. Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, genau zuzuhören, seien ebenfalls charakteristisch für Werner Große. Aber auch an Selbstbewusstsein fehlte es ihm keinesfalls: Als zum Beispiel Ambitionen vom Potsdamer Oberbürgermeister Horst Gramlich publik wurden, die prosperierende Blütenstadt nach Potsdam einzugemeinden, ließ Werner Große am Ortseingang an der Baumgartenbrücke das übergroße Stadtwappen aufstellen. Er sorgte auch dafür, dass nach der Niederlage im Kampf um den Sitz der Kreishauptstadt wenigstens ein Dienstleistungssitz des Landkreises nach Werder kam. Um den Erhalt dieses Sitzes Am Gutshof muss Werder nun wieder kämpfen, weil der Landkreis seinen Hauptsitz nach Beelitz verlegen will und plant, an den Außenstellen zu kürzen.

Eine Ehrung stellvertretend für alle engagierten Bürger

Der einstige Stadtvater gab sich nach der Ansprache bescheiden: „Ich muss ehrlich sagen, das ist mir schon ein bisschen peinlich. So viel Lob allein hat kein Mensch verdient.“ Besonders dankte er seiner Familie, die ihn immer unterstützt und ihm Halt gegeben habe. „Vieles wurde damals aus dem Bauch heraus entschieden, und das war nicht das Schlechteste. Wir waren hier in Werder nach der Wende die Einzigen, die so richtig funktioniert haben“, sagte er rückblickend. Er betonte, dass er die Ehrung stellvertretend für die Bürger entgegennehme, „die mit Gemeinsinn und Engagement aus Werder gemacht haben, was es heute ist.“ Für die Zukunft wünscht er sich, dass das Wir-Gefühl noch stärker wird.

Aus dem MAZ-Bildarchiv

Aus dem MAZ-Bildarchiv: Im Juni 1990 erscheint ein Bild des neu gewählten Bürgermeisters in der „Märkischen Volksstimme“.

Quelle: Archiv

Neben Werner Große wurde aber auch die langjährige Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Annette Gottschalk, geehrt. Die 60-jährige Bliesendorferin durfte sich in das Goldene Buch der Stadt Werder eintragen. „Ich bin sehr gerührt, eigentlich wird einem diese Ehre ja erst zuteil, wenn man alle Ämter niedergelegt hat. Ich sehe es als Ansporn“, so Gottschalk. Nach der freiwilligen Eingliederung Bliesendorfs war sie von 1998 bis 2014 ehrenamtliche Ortsvorsteherin.

Seit 2003 leitet Annette Gottschalk, selbst Mitglied der CDU-Fraktion, die Stadtverordnetenversammlung Werders als Vorsitzende.

Altkanzler war sogar zu Gast im Ausschuss

Werner Große sorgte auch dafür , dass nach der Niederlage im Kampf um den Sitz der Kreishauptstadt wenigstens ein Dienstleistungssitz des Landkreises nach Werder kommt.

Um den Erhalt dieses Sitzes Am Gutshof muss Werder nun wieder kämpfen, weil der Landkreis seinen Hauptsitz nach Beelitz verlegen will.

1996
flanierte er mit dem jüngst verstorbenen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in Werder über die Insel.

Währenddessen tagte gerade der Bauausschuss im frisch bezogenen Rathaus. Es sei überliefert, dass der Ausschussvorsitzende Wolfgang Gäding dem Kanzler auf Nachfrage mitteilte, dass gerade über die Parkplätze auf der Insel beraten wird. Der Kanzler riet ihm , lieber noch einen Schoppen Wein zu trinken. Bei Parkplätzen könne man es sowieso niemandem Recht machen.

Die Festsitzung der Stadtverordneten am Donnerstagabend war anlässlich des 700. Geburtstags der Stadt Werder einberufen worden. Am Wochenende wird das Jubiläum in der Altstadt gefeiert.

 

Von Luise Fröhlich

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