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Wespe gefährlicher als Ammen Dornfinger

Giftige Spinne in Wiesenburg Wespe gefährlicher als Ammen Dornfinger

Die Meldungen über Sichtungen der giftigen Spinnenart Ammen Dornfinger in Brandenburg häufen sich in letzter Zeit. Die Experten Sylvia Voss und Lars Friman sehen trotz Vorkommens der Spinnenart aber keinen Grund zur Panik. Aufpassen sollte man dennoch.

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Der Ammen Dornfinger, entdeckt in der Nähe von Dippmannsdorf
 

Quelle: Lars Friman

Wiesenburg.  Der Ammen Dornfinger ist dieser Tage zu Füßen des Wasserturmes gesichtet worden. Nancy Fröhlich hat das offene Gespinst am Rande des Internationalen Kunstwanderweges fotografiert. Die Spinne wird ohnehin gerade buchstäblich landauf land ab in den Fokus gerückt. Doch ist sie weder neu hierzulande noch gefährlich. Das jedenfalls sagen die von der MAZ befragten ansässigen Experten.

„Ich kenne Dornfinger-Populationen in Bad Belzig und Umgebung schon seit etwa zehn Jahren“, berichtet Lars Friman. Sie leben vorzugsweise auf den reichlich vorhandenen trockenen Brachflächen, wo büschelartige Gräser wachsen. Deren Ähren biegt die Spinne in einen sichelförmigen Bogen und legt dann ein festes Gespinst für sich und den Nachwuchs an, weiß der Fachmann vom Naturschutzbund Deutschland, der in der Kur- und Kreisstadt zu Hause ist. Der 67-Jährige hält regelmäßig Ausschau in Feld und Flur. Zu sehen sind die Nester beispielsweise in der Seedoche, gen Dippmannsdorf oder Grubo, erklärt der Umweltingenieur. „In den Zeiten der Paarung seit Monatsanfang können bis zu 100 Gespinste pro Hektar entstehen“, weiß er zu berichten.

Ein Gespinst, wie es von dem Achtbein derzeit vielfach im Hohen Fläming angelegt wird

Ein Gespinst, wie es von dem Achtbein derzeit vielfach im Hohen Fläming angelegt wird.

Quelle: Lars Friman

Die jüngsten Nennungen von Vorkommen in Falkensee, Beelitz und Saaringen bei Brandenburg an der Havel scheinen jedenfalls nur zu bestätigen, dass der eigentlich aus Südeuropa stammende Einwanderer infolge des Klimawandels mithin in der Mark längst heimisch geworden ist. „Dass die Ansiedlungen quasi inselartig erfolgt, ist den entsprechend ausgebildeten Biotopen mit Brennnesseln und Disteln, Ameisen und Zecken geschuldet“, sagt Lars Friman. Selbst im Havelland gibt es genügend solcher trockene Stellen, so der Experte. Er kennt die Reitgrasflächen in Falkensee, wo unlängst der Fund des einst exotischen Achtbeins zuletzt für einiges Aufsehen erregt hat.

» Haben Sie auch eine Dornfinger-Spinne gesehen? Schreiben Sie uns, wann und wo Sie das Exemplar entdeckt haben: online@maz-online.de

Die Gefahr, die von dem Tier ausgeht, wird indes relativ eingeschätzt. Gleichwohl empfiehlt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark, sich von den Geweben fern zu halten. Wenn jemand auf die Idee käme, die Gespinste aufzureißen, wäre das eine Straftat. Denn der Ammendornfinger steht im Land Brandenburg auf der Roten Liste der geschützten Arten, wie Lars Friman bestätigt. Das dann gestörte Weibchen verteidige sein Domizil jedenfalls eher aktiv.

Dennoch ist er sich mit Sylvia Voss einig, dass ein Mensch mit normaler Konstitution den Biss eines Ammen Dornfingers besser verkraften dürfte als womöglich einen Wespenstich. Das gelte im übrigen für alle zehn bis zwölf in Frage kommenden Spinnenarten in hiesigen Gefilden, sagt die sagt die Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, die in ihrer Freizeit heimische Spinnenarten dokumentiert. „Bisse, die die menschliche Haut durchdringen, sind ungefährlich, aber unangenehm“, so die Borkwalderin. Ihren Aussagen nach sind am ehesten wie immer Atopiker, also Menschen mit Neurodermitis/Heuschnupfen oder allergischem Asthma, wie bei allen Insektenstichen anfällig. Entzündungen sind nach Aussage der Medizinerin nicht auf den Biss an sich zurückzuführen, sondern zum Beispiel durch Reaktionen wie Kratzen und damit den Eintrag von Bakterien zustande gekommen, so die 62-Jährige.

Abgesehen davon, dass der Mensch nicht zur eigentlichen Beute des Tieres gehört, wendet sich die seit Jahrzehnten engagierte Naturschützerin auch gegen dessen Dämonisierung. „Bis auf wenige in Mitteleuropa beheimatete Arten lähmen und töten alle Spinnen mit Gift“. Die Betonung dessen findet sie nicht gerechtfertigt. Denn obwohl es viel häufiger zu Bienen- oder Wespenstichen kommt, würde niemand Giftbienen oder -wespen sprechen.

Bisher nur eine Anfrage

Der Amme Dornfinger (Cheiracanthium punctoris) hat einen bräunlich gefärbten Kopfpanzer, acht helle Beine und zwei Kieferklauen. Der Biss damit ist giftig. Aber es ist kein Grund zur Panik.

Die Amtsärztin der Kreisverwaltung, Karen Brinkmann, rät im Fall des Falles körperliche Anstrengung zu vermeiden. Die Wunde sollte besser nicht gekühlt, sondern mit 50 Grad warmem Wasser behandelt werden. Dies mindert die Symptome. Auf jeden Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn sich an der Bissstelle absterbendes Gewebe zeigt.

Als Symptome eines giftigen Bisses können Schmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schüttelfrost oder Fieber auftreten. Bisher gab es nur eine Anfrage wegen eines Bisses an den Fachdienst Gesundheit des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

 

Von René Gaffron

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