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Widerstand gegen geplante Biogäranlage

Step prüft Standorte im Potsdamer Norden Widerstand gegen geplante Biogäranlage

Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) will eine Biovergärungsanlage bauen und prüft auch zwei mögliche Standorte in Marquardt und Satzkorn. In den Ortsteilen im Norden der Landeshauptstadt formiert sich allerdings Widerstand gegen das Projekt. Befürchtet werden Gestank und zunehmender Lkw-Verkehr, wenn der Biomüll angeliefert wird.

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In Potsdam wird gerade die Biotonne eingeführt. Der Abfall soll in einer Vergärungsanlage verarbeitet werden.

Quelle: dpa

Marquardt/Satzkorn. In den Potsdamer Ortsteilen Marquardt und Satzkorn formiert sich Widerstand gegen eine Biovergärungsanlage, die möglicherweise im Norden der Landeshauptstadt errichtet werden soll. Anwohner befürchten erhebliche Geruchsbelästigungen und Lkw-Verkehr, wenn große Mengen Bioabfall angeliefert werden sollten. Wie berichtet, prüft die Stadtentsorgung Potsdam (Step) GmbH mehrere Standorte für den Bau einer solchen Vergärungsanlage, in der sie Bioabfall verwerten will. Im Gespräch sind eine Fläche neben der Zalando-Halle im Marquardter Friedrichspark und ein Areal am Klärwerk Satzkorn. Die Step hat außerdem das Deponie-Gelände „Fresdorfer Heide“ im Blick, das in der Gemeinde Michendorf liegt. Der Step gehört dort ein Grundstück.

In Marquardt und Satzkorn bekommt sie es mit Gegenwind zu tun. „Es sind nicht die richtigen Standorte, hier gibt es Ärger“, sagt der Marquardter Josef Grütter. Er spricht von einem Verlust an Lebensqualität, falls die Anlage im Potsdamer Norden entsteht. „Beide Standorte dort befinden sich in der Nähe von Wohnhäusern. In Marquardt soll zudem ein neues Wohngebiet erschlossen werden – 300 Meter vom Friedrichspark entfernt. Wer soll da hinziehen, wenn in der Nähe eine Biovergärungsanlage entsteht“, so Grütter, der hinzufügt: „Wenn es ernst wird mit dem Projekt und man unsere Bedenken nicht ernst nimmt, werden wir eine Bürgerinitiative gründen.“ Der Mann hat Erfahrungen damit. Er war Sprecher der Bürgerinitiative „Freileitung raus!“, die erfolgreich dafür gekämpft hat, dass eine 110-Kilovolt-Stromleitung in Marquardt nicht erneuert, sondern auf einer völlig neuen Trasse außerhalb des Ortes entlang der B 273 errichtet wird.

„Bei den Standorten im Potsdamer Norden werden die Abstandsregelungen nach der TA-Luft nicht eingehalten“, sagt Susanna Krüger, Vize-Chefin des Ortsbeirats Satzkorn. Nach TA-Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) müssen geschlossene Anlagen einen Mindestabstand von 300 Metern zur Wohnbebauung haben, offene Anlagen mindestens 500 Meter, so Krüger. „Von Geruchsbelästigungen können auch gesundheitliche Gefahren ausgehen“, sagt sie und verweist etwa auf Schimmelpilzsporen, die Allergien auslösen könnten.

Daten zur Gäranlage

In der Vergärungsanlage sollen jährlich 20 000 bis 25 000 Tonnen Bioabfall verarbeitet und in Dünger und Fertigkompost verwandelt werden – nutzbar etwa in der Landwirtschaft und in Gartenbetrieben. Zugleich soll mit dem beim Gärungsprozess entstehenden Gas in Blockheizkraftwerken Strom und Wärme erzeugt werden.

In Potsdam soll die Biotonne bis Anfang 2016 komplett eingeführt werden. Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) GmbH rechnet dann in der Landeshauptstadt mit einer jährlichen Bioabfallmenge von 5000 bis 10 000 Tonnen. Eine solche Vergärungsfabrik rechnet sich indes erst ab einer Jahresmenge von 20 000 bis 25 000 Tonnen.

Deshalb soll in der Anlage auch Bioabfall aus Potsdam-Mittelmark, der Stadt Brandenburg und eventuell aus Berlin verarbeitet werden. Möglich ist die Gründung einer gemeinsamen Beteiligungsgesellschaft.

Die Anlage soll für jährlich 48 000 Tonen beantragt werden, um auf lange Sicht Kapazitäten erhöhen zu können.

Von der Step war am Donnerstag keine Stellungnahme zu bekommen. Sie will in der Anlage mit Unterdrucksystemen arbeiten, um die Luft samt Gestank in der Anlage zu halten. Filteranlagen sollen sie reinigen, bevor sie nach außen tritt. Den Geruch drinnen zu halten, ist offenbar nicht so einfach. Laut Grütter haben sich Kritiker des Projekts bei Anwohnern umgehört, die in der Nähe einer Musteranlage in Witten leben. Fazit: „Solche Anlagen sind nicht geruchsfrei zu betreiben“, sagt Grütter. Er und seine Mitstreiter regen an, mit den umliegenden Kommunen gemeinsam einen Standort zu suchen, der zentral liegt und in gebührender Entfernung zu Wohnhäusern.

Von Jens Steglich

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