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Potsdam-Mittelmark Wie Ehrenamtler sich um das Leben Fremder kümmern
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13:03 08.02.2018
Karin Schühlein (77) aus Bad Belzig ist seit 1994 ehrenamtliche Betreuerin beim „Betreuungsverein Fläming“. Jeder ihrer derzeit zwölf Betreuten erhält einen eigenen Betreuerpass. Quelle: Victoria Barnack
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Bad Belzig

Karin Schühlein schmeißt nicht nur ihren eigenen Haushalt. Seit über 20 Jahren regelt sie auch das Leben von fremden Menschen, manchmal von 20 Personen gleichzeitig.

„1994 habe ich mein erstes Ehepaar bekommen“, sagt sie. Eine psychisch und körperlich eingeschränkte Frau, auch der Mann konnte seine eigene Lebenssituation nicht mehr überblicken. „Beide habe ich betreut, bis sie gestorben sind“, sagt Karin Schühlein, „insgesamt zwölf Jahre lang.“ Heute hat die Bad Belzigerin zwölf Personen, für die sie als rechtliche Betreuerin zuständig ist. Sich mit Behörden streiten, Taschengeld ins Heim bringen, Geburtstagsgeschenke für die Enkel kaufen, Karin Schühlein macht das alles ehrenamtlich.

Nachdem die Arbeiterwohlfahrt 1993 den Betreuungsverein in Bad Belzig gegründet hatte, dauerte es nicht lange, bis eine Fürsorgerin Karin Schühlein ansprach. „Ich kam zur Betreuung wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt sie. Bis dato hatte sie weder Erfahrung mit dem Betreuungsgesetz noch Fälle in der eigenen Familie. Ihr Beruf als Lehrerin hatte sie lediglich auf den Umgang mit Menschen vorbereitet. Dennoch sagte sie zu.

Besonders schwer waren die ersten Monate mit dem Ehepaar aus Hagelberg, das sie betreuen sollte. „Die Leute haben oft den Eindruck, man will sie bevormunden“, sagt Schühlein. „Denen muss man dann erst klar machen, dass das nicht so ist und dass sowieso nichts ohne die Absprache mit dem Betreuten geht.“ Am Ende hatte sie ein herzliches Verhältnis zu dem Paar, der Abschied fiel Schühlein schwer.

Bis heute sind die zwei Hagelberger die einzigen Personen, die Karin Schühlein in ihren eigenen Wohnungen betreut hat. Alle anderen sind in Heimen untergebracht. „Das ist einfacher, weil sie dort in den Haushalt integriert sind“, sagt sie. Der rechtliche Betreuer muss dann nicht für jedes neue Paar Socken vorbeikommen, auf den Schornsteinfeger warten oder nachsehen, ob die Abfallgebühren bezahlt sind.

„Das hatte ich alles schon“, sagt die 77-Jährige und winkt ab. Nach über 20 Jahren im Ehrenamt kann sie kaum noch etwas aus der Ruhe bringen. Nicht einmal der ständige Papierkrieg mit den Ämtern.

So funktioniert die rechtliche Betreuung

Das Betreuungsgesetz stellt seit 1992 die persönliche Betreuung bei größtmöglicher Selbstbestimmung der betroffenen Menschen in den Mittelpunkt. Diese rechtliche Betreuung löste die Vormundschaft und die Gebrechlichkeitspflegschaft ab.

Die rechtliche Betreuung wird vom Betreuungsgericht nur für Menschen eingerichtet, die ihre eigenen Angelegenheiten auf Grund einer geistigen, seelischen oder körperlichen Behinderung nicht oder nicht vollständig erledigen können. Der Richter ordnet individuell Betreuung in verschiedenen Aufgabenbereichen an.

Ein rechtlicher Betreuer hat dafür Sorge zu tragen, dass die Angelegenheiten zum Wohle des Betreuten geregelt werden. Das heißt im Einzelfall: Gespräche mit Behörden, Ämtern und Verwaltungen, Vermietern, Ärzten oder Banken. Er ist nicht dafür da, die Wohnung zu reinigen oder Spaziergänge zu unternehmen, aber er ist dafür verantwortlich, diesen Hilfebedarf zu erkennen und Hilfe zu organisieren.

399 Euro bekommt ein Betreuer als Aufwandsentschädigung im Jahr. Dass einige Menschen meinen, davon könnten sich die Ehrenamtler bereichern, findet Karin Schühlein lächerlich. „Diese Arbeit kann man nicht materiell aufwiegen, es ist eine ideelle Sache“, sagt sie. Die 77-Jährige macht den Job, um ihren Teil an die Gesellschaft zurück zu geben. „Wenn man selbst noch geistig alles überschauen kann, sollte man hinter anderen Menschen stehen, die das nicht mehr können“, ist sie überzeugt.

Deshalb spielt eine gute Beziehung zu den Betreuten eine wichtige Rolle für sie. „Die Chemie muss stimmen“, sagt sie. Sowohl der Betreute als auch der Ehrenamtler können das Gegenüber ablehnen. „Sympathie kann man nicht erzwingen, aber Toleranz muss schon vorhanden sein“, erklärt Schühlein.

Die Geburtstage ihrer Betreuten sind für sie Pflicht, ebenso wie die Beerdigungen. „Die Betreuung endet mit dem Tod, heißt es im Gesetz, aber eigentlich ist die Betreuung dann noch nicht vorbei“, sagt sie. Wenn noch Kontakt zur Familie besteht, versucht sie daher stets eine Sterbevorsorge zu vereinbaren. „Man kann doch nicht einfach so weggehen“, sagt sie.

Neue Fälle nimmt die Ehrenamtlerin mit ihren 77 Jahren nicht mehr an. Der Betreuungsverein Fläming ist deshalb ständig auf der Suche nach neuen, ehrenamtlichen Betreuern.

Von Victoria Barnack

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