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Wie die Schweine: Müll mitten im Mais entsorgt

Illegale Müllentsorgung Wie die Schweine: Müll mitten im Mais entsorgt

Feldbesitzer Herbert Grüneberg traut seinen Augen kaum: „Wildschweine“ der besonderen Art haben seinem Maisfeld einen Besuch abgestattet. In dem Feld bei Schwanebeck (Potsdam-Mittelmark) haben sie ihren ganzen Müll abgeladen. Selbst Kontoauszüge und Strafbescheide sind darunter – und führen nach Bad Belzig.

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Zornig im Maisfeld: Herbert Grüneberg mit der Hinterlassenschaft eines illegalen Müllkutschers.
 

Quelle: Uwe Klemens

Schwanebeck.  Die Empörung über den Frevel auf seinem Acker steht Herbert Grüneberg im Gesicht geschrieben. Ein Jäger hatte ihn am Donnerstag darüber informiert, dass ein riesiger Abfallberg in seinem Maisfeld nahe der Ortschaft Schwanebeck liegt. Dorthin geeilt, glaubte der Lütter seinen Augen nicht zu trauen.

„Vieles davon sind Sachen, die man eigentlich ganz ordentlich und kostenlos entsorgen kann oder sogar noch Geld dafür bekommt“, sagt Grüneberg und weist auf die Unmengen ans Plastikabfall, auf die Bierflaschen aus Glas, den Elektroschrott in Form alter Lampen und auf den Berg Papierabfall.

Kontoauszüge und Rechnungen

Als der Pensionär darin herumstochert, findet er ein großes Bündel persönlicher Unterlagen, dass seiner Meinung nach auf den Besitzer des illegal entsorgten Mülls schließen lässt. In diesem Fall ist es eine Besitzerin. Ihr Name und ihre Bad Belziger Adresse steht auf jedem der vielen Kontoauszüge und auf alten Rechnungen. Sogar Bußgeld- und Anhörungsbescheide des Amtsgereichtes befinden sich darunter und verraten dem Finder ganz unfreiwillig mehr, als die Dame wohl freiwillig preisgegeben hätte.

Illegaler Müll ist keine Ausnahme

„Entsorgung von herrenlosen oder illegal abgelagerten Abfällen“ lautet die Bezeichnung des Vorgangs im Amtsdeutsch.

768 Tonnen mussten im vergangenen Jahr alleine im Landkreis Potsdam-Mittelmark durch die Ordnungsbehörden eingesammelt werden. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl ergibt sich ein illegales Pro-Kopf-Müllaufkommen von 3,7 Kilogramm.

183 441 Euro kostete die sachgemäße Entsorgung die Gebührenzahler.

Illegale Müllentsorgungen werden seit 2006 im Landkreis statistisch erfasst. Mit 1 087 Tonnen lag das damalige Aufkommen um knapp 50 Prozent höher.

Doch Herbert Grüneberg ist kein Profiler im Dienste der Behörden, sondern einfach nur sauer. Denn was genau alles im Müllberg schlummert, vielleicht sogar gefährliche Stoffe, die aus einer der mitentsorgten Plastikflaschen auslaufen könnten, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Zudem hat der illegale Müllkutscher eine drei bis vier Meter breite und etwa 20 Meter lange Schneise ins Maisfeld gepflügt. Warum, ist nicht nur für Herbert Grüneberg und seinen Pächter ein Rätsel.

Denn auch Ordnungsamtsmitarbeiter Peter Liebig und sein Kollege von der Polizei schüttelten am Freitagmorgen bei einem Vor-Ort-Termin mit den Köpfen und betonten, so etwas noch nie gesehen zu haben. Hier mal ein entsorgter, fahrbarer Untersatz, da mal ein weggeworfener Müllsack – aber in der Menge und gepaart mit soviel Zerstörungswillen ist auch ihnen bislang noch nicht begegnet.

Tätersuche kann beginnen

Die aufgefundenen Papiere hat nun die Polizei als ersten Ansatzpunkt für die Tätersuche sichergestellt. Gehofft wird, dass sich möglicherweise Zeugen finden, die innerhalb des möglichen Zeitraumes verdächtige Personen oder ein Fahrzeug in der Flur Lüsse bemerkt haben. Am vergangenen Sonnabend, also am 8. August, war noch alles in Ordnung. Am Mittwochabend darauf wurde der Müll entdeckt“, sagt Grüneberg.

Froh ist der pensionierte Mechaniker über das unkomplizierte Prozedere der jetzt anstehenden Entsorgung. Der Auftrag ging bereits über das Ordnungsamt an den Landkreis, der seinerseits den kreiseigenen Abfallentsorger APM damit betraut hat. Seine schlimmste Befürchtung, nun möglicher Weise auf den Kosten sitzen zu bleiben oder sich mit dem Pächter darüber streiten zu müssen, haben sich somit nicht erfüllt.

„Auch der Landkreis trägt diese Kosten nicht, sondern über die Gebühren jeder einzelne von uns“, sagt Landkreis-Sprecherin Andrea Metzler. „Die Allgemeinheit zahlt für die Schlamperei eines Einzelnen. Einzige Ausnahme ist, dass der Verursacher ermittelt wird, der dann zur gebeten wird.“

Die einzigen, die sich über den niedergewälzten Mais freuen, sind Herbert Grünebergs Mümmelmänner. Die Erlaubnis zum Einsammeln hat er sich vom Pächter geholt..

Von Uwe Klemens

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