Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark „Wie kriegst du die nur alle satt?“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Wie kriegst du die nur alle satt?“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 22.12.2017
Für 1,50 Euro bekommen sozial Benachteiligte frische Lebensmittel von den Ehrenamtlern des VAL wie Melanie Hermann und Thomas Hohnschild. Quelle: Victoria Barnack
Bad Belzig

Ein Blick in den Flur reicht aus und Katrin Krause weiß, wie voll die Beutel der Bedürftigen heute sein werden. Seit 15 Jahren engagiert sich die Bad Belzigerin im „Verein für Arbeit und Leben“ (VAL). Sie ist eine von wenigen Helfern, die vom ersten Tag an bis heute immer zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden. „Das Angebot wechselt täglich“, sagt Katrin Krause, die morgens mit auf Tour fährt, Lebensmittel von Supermärkten abholt und sie anschließend sortiert. Mit etwa 15 Kollegen arbeitet sie beim VAL zusammen. Die wenigsten sind dort beschäftigt, einige leisten Bundesfreiwilligendienst, die meisten helfen ehrenamtlich.

„Wir fahren täglich gut und gerne 100 Kilometer, um Lebensmittel einzusammeln“, berichtet Katrin Krause, „fünf Mal die Woche.“ An vier Tagen öffnet die Ausgabe beim VAL. Für 1,50 Euro bekommen Bedürftige dann einen Beutel voller Essen, für den sie im Laden eine zweistellige Summe bezahlen müssten. Der Preis beim VAL ist eher ein symbolischer Wert.

Nichtsdestotrotz sind viele Bedürftige nicht dankbar für das Angebot. Bestimmte Obst- oder Gemüsesorten sind besonders begehrt, im Moment beispielsweise die Südfrüchte Pomelo und Avocado. Wenn Katrin Krause merkt, wie abwertend einige Abnehmer reagieren, weil es das gewünschte Obst gerade heute nicht gibt, ist sie enttäuscht. Immerhin ist ihr bewusst, wie teuer es im Supermarkt ist. „Bei vielen Leuten stimmt die Relation einfach nicht mehr.“

Bodo Schulze (links) und Danny Wilhelm helfen in der Möbelbörse des VAL, wo Bedürftige Betten, Schränke oder Schreibtische für einen schmalen Taler erhalten. Quelle: Victoria Barnack

Früher sei das anders gewesen. „Da haben sie manchmal sogar Kuchen für uns gebacken, obwohl sie ja eigentlich selbst nicht viel hatten.“

Die Dankbarkeit unter den Bedürftigen sei in den vergangenen Jahren ebenso gesunken wie die Spendenbereitschaft von Supermärkten und Privatpersonen, sagt Katrin Krause. Woran das liegt? „Wahrscheinlich weil heute jeder mehr auf seine eigenen Sachen achten muss“, vermutet sie. Denn dass immer mehr Deutsche einen Job haben, heißt nicht automatisch, dass sie mehr Geld in der Tasche haben.

Deshalb steigt auch in Bad Belzig die Zahl jener, die die Angebote des VAL nutzen. Etwa 600 Bedürftige sind es derzeit. „Wir kriegen weniger Spenden, aber haben viel mehr Leute hier“, sagt Katrin Krause. „Manchmal denke ich: Wie kriegst du die nur alle satt?“

Irgendwie hat es bis jetzt dennoch immer gereicht. Mit leeren Händen musste bisher niemand die Räume des VAL in der Weitzgrunder Straße verlassen. „Ich habe noch nie jemanden weggeschickt“, sagt Katrin Krause, „auch nicht, wenn er kein Geld hatte, weil er es wahrscheinlich für Alkohol ausgegeben hat.“

Bettina Jung leistet Bundesfreiwilligendienst bei dem Bad Belziger Verein. Quelle: Victoria Barnack

Trotz all der schlechten Nachrichten von weniger Spenden, mehr Bedürftigen und zuletzt der Kündigung des Standortes in der ehemaligen Geschwister-Scholl-Schule in der Weitzgrunder Straße möchte Katrin Krause ihre Tätigkeit nicht missen. „Denn ich weiß auch, wofür ich das hier tue“, sagt sie, „viele Leute geben uns etwas zurück – und wenn es nur eine Dankeschön ist.“

Was die Bad Belzigerin und ihre Kollegen beim VAL leisten, ist der Inbegriff von Gutmütigkeit. „Gern würden wir jedem unserer ehrenamtlich Engagierten ein ordentliches Gehalt geben“, sagt Jutta Gehrke, die Vorstandsvorsitzende des Vereins, „aber woher soll es denn kommen?“

Eine Antwort bleibt sie sich selbst auch 15 Jahre nach der Gründung des VAL schuldig. Nur so viel: „Fünf Euro für eine Tüte voll Lebensmittel zu verlangen, das ist einfach nicht unser Anliegen. Es kommt doch niemand aus Lust und Dollerei zu uns.“

Die Angebote des „Vereins für Arbeit und Leben“

Der „Verein für Arbeit und Leben“ gibt immer montags, dienstags, donnerstags und freitags Lebensmittel an Bedürftige aus.

Auch eine Möbelbörse, eine Kleiderkammer, eine Fahrradwerkstatt und eine Nähstube gehören zum Angebot.

Beratungen bietet der Verein ebenfalls an, um Menschen dabei zu helfen, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Weit über 1000 Arbeitslose fanden so bereits neue Beschäftigung.

Nutzer der Angebote sind Asylsuchende, Geringverdienende, Hartz-IV-Empfänger und Senioren ebenso wie Familien mit Kindern.

Spenden sucht der Verein ständig für alle Bereiche, vor allem aber in der Kleiderkammer und bei der Lebensmittelausgabe ist der Bedarf groß.

Von Victoria Barnack

Erstmals haben die Gemeindevertreter von Kloster Lehnin einen Doppelhaushalt verabschiedet. Er umfasst auch 1,2 Millionen Euro für die Kita-Sanierung im kommenden Jahr. Davon wird die Kita Göhlsdorf profitieren.

19.12.2017

Acht Monate haben sie geübt; am Sonntag war es endlich so weit: Die 15 Zirkus-Kinder präsentierten der Öffentlichkeit, was sie in ihrem Langzeitprojekt auf die Beine gestellt haben. In der Zirkuswerkstatt ging es aber um viel mehr als nur Jonglage und Artistik, verrät Projekt-Gründer und „Zirkusdirektor“ Ralf Biastoch.

18.12.2017

Hellmut Engelke ist einer der Wegbereiter der Litauenhilfe gewesen, die 25 Jahre lang von Potsdam-Mittelmark aus Hilfsgüter zu Rentnern, Alleinstehenden und Familien nach Vilnius brachte. Jetzt ist Hellmut Engelke im Alter von 84 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

21.12.2017