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Wiesenburg: Grauen in Wort, Bild und Klang

Künstler gedenken Pogromen Wiesenburg: Grauen in Wort, Bild und Klang

Kaum noch jemand da, der die Pogrome gegen Juden beschreiben kann. Doch war der Hohe Fläming vor 77 Jahren nicht außen vor. Wolfgang Becker, Anna Maria Zippelius, Kalinka Villhauer und Michael Heinen haben versucht, das Grauen in Wort, Bild und Klang auszudrücken. Die Ergebnisse werden in der Alten Schule Wiesenburg präsentiert

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Wolfgang Becker präsentiert seine Verse

Quelle: Barbara Stützel

Wiesenburg. Welche Worte, Farben und Klänge hat das Grauen? Zögerlich betreten die Gäste den Galerieraum der Alten Schule. Eine Ausstellung zum Gedenken an die Pogromnächte im November 1938 wird dort eröffnet - 77 Jahre danach.

Der Hohe Fläming war bei diesem Kapitel der Weltgeschichte nicht außen vor. Doch gibt es kaum noch Zeitzeugen, um daran zu erinnern und Fragen zu beantworten. Sie werden aber wohl immer wieder gestellt.

Vielschichtige Welt der Emotionen

Ungewöhnlich dieses Mal aber die Form der Präsentation: ein Gedicht von Wolfgang Becker aus Hohenspringe wird im Dialog mit Bildern der Berliner Künstlerin Anna Maria Zippelius gezeigt. Das Gedicht ist zusammengesetzt aus 12 Haikus, montiert auf metallisch kalten Tafeln und umrahmt von je zwei Bildern auf Fotopapier. Während der Vernissage liest Kalinka Villhauer den Text und wird begleitet von Michael Heinen an der Bassquerflöte. Die fließenden Töne in Kombination mit Text und Bildern ziehen hinein in eine vielschichtige Welt von Emotionen, Sprachbildern und kraftvollen Farben. Das Grauen ist bunt und heiß, abstrakt und doch wieder ganz direkt.

Die organisierte Zerstörung von Synagogen und Geschäften jüdischer Mitbürger 1938 wird umrissen, die abstrakte Darstellung lässt die Dimension nur ahnen, der Schmerz aber wird fühlbar. Und wenn am Ende des Gedichtes „das Firmament zerfetzt an den Planetenbahnen hängt“, läuft einem nicht nur ein Schauer über den Rücken, sondern es wird klar: hier wurde eine Grundfeste der Menschlichkeit zerstört.

Erkennen, wo Parolen, die Fakten überdecken

„Gedenken hilft, in die Verantwortung für die Zukunft zu treten“, so umreißt Wolfgang Becker sein Anliegen mit dieser Ausstellung. Und macht klar, wo seiner Meinung nach Verantwortung heute beginnt. Dort, wo es gilt, Unabhängigkeit und Finanzierung einer Justiz zu schützen, damit sie in der Lage ist, Verbrechen aufzuklären und unter Strafe zu stellen. Und zu erkennen, wo auch heutzutage wieder von rechter Seite Propagandaparolen Information und Fakten überdecken.

info: Ausstellungsbesichtigung nach Vereinbarung – Alte Schule, Wiesenburg , Hermann-Boßdorf-Straße, 033849 16 44 55

Von Barbara Stützel

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