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Potsdam-Mittelmark Wiesenburg: Hotels verärgert über Konkurrenz
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg: Hotels verärgert über Konkurrenz
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09:00 27.02.2016
Auf jeden Fall eine schöne Bleibe: Alma B. Fichtner zeigt ein Fremdenzimmer in der Alten Schule. Quelle: Dirk Fröhlich
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Wiesenburg

Der Ärger bei den gewerblichen Betreibern von Hotels und Fremdenzimmern in Wiesenburg ist groß. Ein halbes Dutzend von ihnen hat seinen Unmut bei der Sitzung der Gemeindevertretung Wiesenburg/Mark in dieser Woche zum Ausdruck gebracht. Sie werfen der Alten Schule unlauteren Wettbewerb vor.

Anlass war der Rechenschaftsbericht des Freundeskreises „Alte Schule“, der die im Herbst 2014 wieder eröffnete Einrichtung vor der Marienkirche betreibt. Die Kommune – ihr gehört das Gebäude – hatte den Backsteinbau mit Geld aus dem Städtebauförderungsfonds herrichten lassen. Rund 150.000 Euro flossen in die so genannte Hüllensanierung. Für weitere 200 000 Euro – 60 Prozent davon Fördergeld aus dem von der Europäischen Union gespeisten Fonds für integrierte ländliche Entwicklung – war der Innenausbau realisiert worden.

150.000 Euro für Hüllensanierung

Auf Beschluss von Ortsbeirat und Gemeindevertretung ist dem Verein dann das Haus für den symbolischen Preis von monatlich 1 Euro pro Quadratmeter (277 Euro pro Monat) überlassen, die er wie die Betriebskosten von etwa 400 Euro pro Monat selbst durch Vermietung und Veranstaltungseinnahmen erwirtschaften soll.

Dies nicht zuletzt mit dem Veranstaltungsbetrieb in den Seminarräumen, die neben einem Atelier und einer Wohnung eingerichtet wurden. Regelmäßige Chorproben, Yogaabende, Schreibwerkstätten und Ausstellungen konnte Kerstin Nerenz abrechnen. „Sowohl die heimischen Theaterkids, die zu Ostern dort wieder das Domizil beziehen, als auch Kulturschaffende aus dem In- und Ausland haben von den Möglichkeiten schon Gebrauch gemacht“, wie die geschäftsführende Vorsitzende den Parlamentariern berichtete.

Verein hat 17 Mitglieder

Der Freundeskreis „Alte Schule“ besteht seit sieben Jahren. Iris-Seraphin Bergner und Harald Schürkes hatten seinerzeit die Idee, dort eine Kultur- und Begegnungsstätte zu etablieren.

Umgesetzt wurde die Gebäudesanierung dann in Regie der Gemeinde Wiesenburg/Mark. Nach Abschluss der Sanierung konnten sich Interessierte für den Betrieb des Domizils bewerben, wobei der nunmehr eingetragene Verein 2014 zum Zuge kam.

Derzeit zählt er 17 Mitglieder. Neben Kerstin Nerenz als Vorsitzender, die im Hause wohnt, gehören Alma B. Fichtner und Simone Hauschild zum Vorstand.

Für den Einsatz gab es folglich Dankesworte von Ortsvorsteher Bernd Müller (SPD). Fraktionskollegin Grit Pfeiffer hingegen kritisierte, dass nicht alle Zahlen wie vereinbart zur Einsichtnahme vorlagen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass es seit längerem Diskussionen um jene preisgünstigen Übernachtungen in den drei kleinen Fremdenzimmern gibt, die augenscheinlich nicht aus der Vereinstätigkeit heraus resultieren, wie sie als Vorsitzende des örtlichen Tourismusvereins kritisierte. „Es war ausdrücklicher Wille der Abgeordneten, dass es nicht zu der Konkurrenzsituation kommt“, sagten Daniela Rabinowitsch und Norbert Hesse. Die beiden Links-Politiker stellten sich damit auch gegen die Auffassung von Marco Beckendorf (Linke). Der Bürgermeister glaubt an Möglichkeiten für Ausnahmen.

Bei den Gewerbetreibenden kommt das allerdings gar nicht gut an. „Wir müssen Kredite bedienen und Steuern zahlen“, stellte Antje Kienow klar. Im Familienhotel „Brandtsheide“ in Jeserig/Fläming müsse sie Übernachtungspreise von doppelter und dreifacher Höhe aufrufen. Christa Cramer, Wirtin des Gasthauses „Zum Waldblick“ im Nachbardorf Jeserigerhütten pflichtete ihr bei. „Es tut uns weh, wenn potenzielle Gäste nach einem Preisvergleich ein paar Häuser weiter einziehen“, sagen Irina Seeger und Ulrich Kaunath.

Gewerbetreibende sind sauer

Das Architektenpaar betreibt quasi vis à vis in der Herrmann-Bossdorf-Straße die Pension „Landei“, die sich in einem mit privatem Vermögen aufwendig sanierten Denkmal befindet. Wie Kerstin Nerenz auf MAZ-Anfrage erklärte, gab es im vergangenen Jahr 435 Übernachtungen in der Alten Schule. Etwa 20 Prozent davon seien eher nicht auf die eigenen kreativen Aktivitäten zurückzuführen. Mitunter habe es aber durchaus Vermittlungen von der Kommune oder Kollegen gegeben, wie die Verwalterin berichtet.

Auf Werbung im Internet und auf Faltblättern, sollte der Verein in Zukunft zumindest verzichten, findet Georg Bartsch. Der Betreiber des Cottage im Fläming kann sich indes wegen des insgesamt knappen Bettenangebotes vor Ort vorstellen, dass die Alte Schule im Fall des Falles ihre Preise für die touristische Beherbergung an das allgemeine Niveau anpasst und dann Einnahmen an die Gemeinde Wiesenburg/Mark abführt.

Von René Gaffron

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