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Wiesenburg rechnet ab: positive Bilanz

„Perle des Flämings“ glänzt wieder Wiesenburg rechnet ab: positive Bilanz

Ein Jahr nach dem Ausscheiden von Wiesenburg aus dem Programm der Städtebauförderung wird jetzt die Schlussrechnung bilanziert. Sie fällt nach Einschätzung von Helga Holz für die seit 1990 erreichten Leistungen in Qualität und Quantität positiv aus. Doch die Planerin hält mithin einige mahnende Worte parat.

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Legendär: Mit dem „blauen Wunder“ ist in den 90er-Jahren im Maßstab 1:1 die spätere Bebauung des Wiesenburger Goetheplatzes veranschaulicht worden.

Quelle: Helga Holz

Wiesenburg. Die „Perle des Flämings“ glänzt wieder. Das hat Helga Holz erklärt. Sie hat – anfangs gemeinsam mit Heinz Hubert Menne – die Erneuerung des 1350-Einwohner-Ortes in den vergangenen 25 Jahren feder führend begleitet. Die Planerin aus Berlin, die inzwischen im Hohen Fläming ihre Heimat gefunden hat, schreibt den Einheimischen ins Stammbuch, dass sie eine Wertschätzung für die eigenen Errungenschaften entwickeln sollten. Sie müsse Grundlage für die Zukunft sein. Denn sie halte neue Herausforderungen bereit. Doch wird absehbar nicht mehr so viel Geld zur Verfügung stehen. Gleichwohl es Ruinen wie Brauerei oder Rote Villa und andere Schandflecke gibt, für die sich kein positives Schicksal abzeichnet.

95 Millionen Euro in 25 Jahren investiert

8,1 Millionen Euro sind aus dem Programm der Städtebauförderung zwischen 1990 und 2014 in den historischen Wiesenburger Ortskern geflossen. Dort investierten außerdem – die Kommune (11,2 Millionen Euro) Private (14,3 Millionen Euro) und andere Träger 3,4 Millionen Euro. Aus anderen Förderquellen kamen 5,6 Millionen Euro zum Einsatz.

Obwohl viele Eigentümer Nutznießer der sogenannten kleinteiligen Förderung waren, fällt ihr Anteil mit vier Prozent an der gesamten Städtebauförderungssumme eher gering aus. Die Instandsetzung der Gebäudehüllen (29 Prozent), die Erneuerung von Gebäuden (21 Prozent) sowie Herstellung und Erschließung von Freiflächen (18 Prozent) schlagen am meisten zu Buche.

In der Zeit wurden außerhalb des Wiesenburger Sanierungsgebietes 52,2 Millionen Euro saniert (unter anderem für Gewerbepark und Infrastruktur). Etwa 23 Millionen davon kommen aus privatem Vermögen.

Zur Erinnerung: Im Mai 1990 hatte die Kommune die Gunst der Stunde genutzt, als sie ins Modellprogramm zur städtebaulichen Erneuerung für Kleinstädte und Dörfer in den neuen Ländern aufgenommen worden war. Nicht zuletzt die wissenschaftliche Begleitung der Forschungsgruppe Stadt und Dorf von der Technischen Universität Berlin unter Leitung von Rudolf Schäfer sicherte ihr fachlich fundierte Betreuung sowie die umfassende Erschließung von Geldquellen zu.

Die ersten Sanierungsziele gesteckt

Wurden die ersten Sanierungsziele – Sicherung und Stärkung der wirtschaftlichen Grundlagen, Sicherung und Stärkung der zentralörtlichen Funktionen, Verbesserung der Umweltverhältnisse, Verbesserung der Wohnverhältnisse und Ausbau der technischen Infrastruktur – bis 2005 mehr oder wenig doch erreicht, müssten die dann formulierten Aufgaben weiterhin verfolgt werden: Es geht um Stabilisierung der demografischen Situation, Weiterentwicklung zum attraktiven Tourismusstandort und Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit, heißt es in einer 46-seitigen Bestandsaufnahme.

Planerin Helga Holz

Planerin Helga Holz.

Quelle: Michael Greulich

Anlass ist das Ausscheiden von Wiesenburg aus dem Programm der Städtebauförderung im vergangenen Jahr. Deswegen müssen jetzt die Schlussrechnung vorgelegt und mittelfristig die Sanierungssatzung aufgehoben werden, sagt Helga Holz. Nach dem Ortsbeirat bilanzierte sie die Arbeit in dieser Woche vor der Gemeindevertretung Wiesenburg/Mark. Denn nicht nur die Stärkung des Versorgungszentrums für das Umland gilt es ihrer Einschätzung nach festzuhalten, sondern mithin die Ausweitung der Dorferneuerungsplanung und -realisierung auf alle Ortsteile.

In Wiesenburg hat sich vor allem positiv ausgewirkt, dass am Ortsrand das Gewerbegebiet eingerichtet worden ist. So konnten einerseits wenigstens 420 von einst 850 Arbeitsplätzen erhalten werden. Zum anderen war so schon frühzeitig die Verlegung neuer Leitungen und der Bau neuer Straßen möglich, ehe der historische Ortskern 1997 tatsächlich als Sanierungsgebiet festegelegt und schließlich erneuert worden ist.

Gute Zusammenarbeit

Gelobt wird die zielstrebige und sachorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten. Doch längst herrschte nicht immer Einigkeit: „Die Bebauung des Goetheplatzes war heftig umstritten“, erinnert sich Bernd Müller (SPD). Der Ortsvorsteher ist von Anfang an mit dabei gewesen. Erst der Aufbau des „blauen Wunders“ als Schauhilfe im Maßstab 1:1 sorgte damals für das Nachlassen des Widerstands. Entstanden ist eine lebendige Ortsmitte resümiert Helga Holz, die Fläming- und Blumen-Markt als Höhepunkte dort nennt.

Hilfe nach intensiver Beratung

Indes konnten Grundstückseigentümer – nach in der Regel zielführender Beratung – ebenfalls frühzeitig loslegen, wenn sie Fenster, Türen und Fassade oder Dach und Heizung und Einfriedung instandsetzen wollten. Die sogenannten kleinteiligen Maßnahmen, wie sie heutzutage in der Städtebauförderung landauf landab üblich sind, haben in Wiesenburg ihren Ursprung.

Mithin waren es gerade private Bauherren, die nicht nur Initiative ergriffen, sondern auch Geld in die Hand genommen haben. Laut Schätzung der Stadtplaner dürfte es mehr als ein Drittel der Summe sein, die aus privaten Vermögen geleistet wurden. Die Bürger haben nach Meinung von Helga Holz damit sowohl ihren Anteil zu den zahlreichen Auszeichnungen der jüngeren Vergangenheit, vor allem aber zur Verbesserung der Lebensqualität im Dorf, beigetragen.

 

Von René Gaffron

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