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Wiesenburg Schlosspark erbt überraschend 200.000 Euro
Lokales Potsdam-Mittelmark Wiesenburg Schlosspark erbt überraschend 200.000 Euro
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17:37 03.12.2018
Ulrich Jarke leitet den Schlosspark Wiesenburg. Er freut sich über das Erbe des Medewitzers Otto Große. Mit dem Geld möchte der Parkförderverein eine Stiftung gründen. Quelle: André Großmann
Wiesenburg

Ein Haus, mehr als 200.000 Euro, Acker- und Waldgrundstücke sowie eine Lebensversicherung hat Otto Gerhard Große dem Wiesenburger Parkförderverein vermacht. Den Medewitzer kannten nur wenige Wiesenburger, er lebte einsam und bescheiden.

Freude über Geldsegen

Doch der letzte Wille des früheren Fahrers im Medewitzer Tanklager war in seinem Testament klar definiert. Sein Erbe gehört dem Schlosspark. „Das war ein total unerwarteter Geldsegen. Vielleicht hofft man immer, dass jemand mal eine große Spende für den Park gibt, aber das ist ja eher wie sechs Richtige im Lotto und schon ungewöhnlich“, sagt Parkleiter Ulrich Jarke.

Auch der 50-Jährige kann sich nicht genau erklären, warum Große den Parkförderverein als Spender bedachte und möchte darüber nicht spekulieren. Stattdessen gehört es jetzt auch zu Jarkes Aufgaben, die Trauerrede für den Medewitzer zu halten, den er niemals kennenlernte.

Trauerfeier für einen Unbekannten

Hierfür hofft er auf weitere Informationen aus Großes Biographie. „Es mag etwas befremdlich klingen, zu einer Trauerfeier geladen zu werden, von einem Menschen, den fast niemand unserer Vereinsmitglieder kennen dürfte, mir geht es da wie Ihnen“, schreibt Ulrich Jarke an die anderen Vereinsmitglieder.

Otto Gerhard Große ist am 23. August 2017 gestorben. Quelle: Archiv Jarke

Als Material für den 3x4 Meter großen Grabstein wählte er Vanga-Granit aus Dänemark. Großes Urne wurde auch über ein Jahr nach seinem Tod nicht beigesetzt, weil deutschlandweit nach möglichen Erben bei Meldeämtern gesucht wurde. Doch die Fahndung blieb erfolglos.

Entfernte Verwandte wurden zwar gefunden, kamen aber laut Testamentsvollstrecker Sieghard Rabinowitsch „nicht als Erbe in Frage.“ Der Rechtsanwalt wurde schließlich im August 2018, über ein Jahr nach Großes Tod, als Testamentsvollstrecker bestellt.

Eine Fürstenkrone auf dem Grabstein

Der verstorbene Spender wurde 65 Jahre alt. Er soll laut Parkleiter Jarke ein „anständiges Grab“ erhalten und seine letzte Ruhe unter einer Linde finden. Auf seinem Ehrenmal wurde auch die „Fürstenkrone“ eingefräst. Sie symbolisiert eine bekannte Beetform des Wiesenburger Schlossparks. Mit einer Ehrentafel wird Großes Verbundenheit zum Gartendenkmal für die Nachwelt dokumentiert.

Leidenschaft für Autos und Gartenarbeit

Doch wer war dieser Mann? Die MAZ hat nachgefragt und Karsten Prinz telefonisch erreicht. „Er hatte ein Faible für Autos und eine ruhige Art“, sagt Großes früherer Nachbar. So habe der Wiesenburger häufiger an seinem Barkas B 1000 gearbeitet. Große pflegte und putzte sowohl den Kleintransporter als auch seinen Wartburg.

Auch die Gartenarbeit begeisterte den Medewitzer, denn er pflanzte häufiger Spargel an. In seinen letzten Lebensjahren war Otto Große gesundheitlich beeinträchtigt, hatte Probleme beim Laufen und war auf die Hilfe anderer angewiesen.

Auf Großes Grabstein erinnert die Fürstenkrone, eine Beetform, an die Verbundenheit des Medewitzers zum Schlosspark. Quelle: André Großmann

Testamentsvollstrecker Sieghard Rabinowitsch kannte Otto Große aus der Parallelklasse der damaligen Polytechnischen Oberschule „Hanno Günther.“ Der Rechtsanwalt beurteilt den früheren Medewitzer als „ruhigen und bescheidenen Mann.“

Rätsel um Gründe für Großes Spende

Im Vereinsumfeld wird gerätselt, wie es zur Faszination des Spenders für den Schlosspark kam. Parkleiter Ulrich Jarke schätzt, dass hier jährlich bis zu 50.000 Besucher über das Areal schlendern. Seit 15 Jahren leitet er den 127 Hektar großen Park und liefert einen Erklärungsversuch.

„Die Mischung aus Wald- und Landschaftspark ist eine ziemlich schöne und vielfältig geschmückte Blumenbete mit Farbenvielfalt sind auch zu sehen“, sagt Jarke.

Stiftungsgründung geplant

Mit dem vererbten Geld will der Parkförderverein nun eine Stiftung mit einem Stammkapital von 150.000 Euro gründen. Das darin enthaltene Geld soll durch Zinsen jährliche Einnahmen für den Park erwirtschaften, die wiederum für Unterhaltungs- und Investitionsmaßnahmen verwendet werden.

Der Schlosspark Wiesenburg schien Otto Gerhard Große zu begeistern. Quelle: André Großmann

Zusätzlich werden 45.000 Euro als „Verbrauchsgeld“ eingeplant. Jarke betonte, dass die Spenden Otto Gerhard Großes den Schlosspark auch finanziell entlasten, weil die Kosten zur Bewirtschaftung jährlich um die 100.000 Euro betragen.

Die Mitglieder des Parkfördervereins haben sich auch in einer Traueranzeige zur Unterstützung Otto Großes geäußert. „Damit bekommt sein Leben, sein Wirken einen nachhaltigen Sinn, bis weit über den Tod hinaus“, heißt es dort. Seine Beisetzung soll am 7. Dezember auf dem Wiesenburger Friedhof stattfinden.  

Von André Großmann

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