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Wilddieb schneller als der Jäger

Totes Reh gestohlen Wilddieb schneller als der Jäger

Ein kaltblütiger Fall von Jagdwilderei in Schenkenberg (Potsdam-Mittelmark): Ausgerechnet vor der Kita quälte sich ein verletztes Reh. Jäger Dieter Willholz sollte sich um das Wild kümmern. Doch ein unbekannter Autofahrer war schneller.

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Auch wer sich Unfallwild aneignet, begeht Jagdwilderei.

Quelle: dpa, Genrefoto

Schenkenberg. Kofferraum auf, Reh rein, Kofferraum zu – Weihnachten kann kommen. So muss es sich abgespielt haben im Schenkenberger Heiderosenweg. Für Dieter Willholz (76) ein kaltblütiger Fall von Wilddieberei: „Ich gehe seit 50 Jahren auf die Pirsch. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Eigentlich wollte der Jäger und Obmann der Pächtergemeinschaft Schenkenberg nur seinen Job machen. Doch dann kam alles anders.

Am Donnerstag erreichte ihn ein Hilferuf aus der Gemeindeverwaltung Groß Kreutz (Havel). Vor dem Zaun der Schenkenberger Kita würde eine verletztes oder totes Reh liegen. Eltern, die ihren Nachwuchs in die Einrichtung brachten, hatten Alarm geschlagen. Für Waidmann Willholz eine Routineangelegenheit. Nicht selten muss er in seinem 300 Hektar großen Revier überfahrene Rehe von der Fahrbahn schaffen und entsorgen. Allein entlang der Landstraße zwischen Schenkenberg und Trechwitz trifft es jedes Jahr drei bis vier Stück Rehwild. „Darüber beklage ich mich nicht. Das gehört zu den Aufgaben eines Jägers“, sagt Willholz.

Jäger Dieter Willholz an der Blutspur

Jäger Dieter Willholz an der Blutspur.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch in Schenkenberg gab es nichts mehr zu entsorgen. Der Jäger stieß nach seinem Eintreffen vor dem Kita-Zaun auf eine Blutspur, von den Waidleuten Schweiß genannt. Aber vom Wild war weit und breit nichts zu sehen. Für Aufklärung sorgte Kita-Leiterin Heike Gottschalk. Sie hatte vom Krippenfenster aus beobachtet, wie der Fahrer eines Geländewagens stoppte, die Kofferhaube öffnete, das Reh packte und es in seinem Fahrzeug verstaute. Es soll sich noch bewegt haben. „Ich dachte, das geht aber schnell mit dem Jäger“, berichtet die Kita-Chefin, die für ihre Schützlinge ein zeitweiliges Spaziergehverbot ausgesprochen hatte.

„Ich habe sofort recherchiert. Keiner unserer Jäger war vor Ort. Hier hat sich jemand selbst bedient, was nicht zu tolerieren ist“, so Revierobmann Willholz. Seltsam: Von einem Wildunfall ist nichts bekannt. In der Regel melden sich Betroffene beim Jagdpächter wegen einer Bestätigung für die Versicherung. Willholz überlegt, ob er Anzeige erstattet. Jagdwilderei wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

 

Von Frank Bürstenbinder

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