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Wilde Verfolgungsjagd in "Bad Schandau"

Jäger wehren sich gegen illegale Böllerei im Wald Wilde Verfolgungsjagd in "Bad Schandau"

Wieder krachte es im Revier „Bad Schandau“ bei Rädigke. Nach einer Verfolgungsjagd haben Jäger Männer gestellt. Diese stehen im Verdacht, mit Böllern Waldbrände ausgelöst zu haben. Im Auto eines 45-Jährigen stieß die Polizei auf illegale Pyrotechnik. 

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Franz Clemens Hoff hat beim Brand und jüngst diverse Böllerreste im Wald aufgesammelt.

Quelle: Gunnar Neubert

Rädigke. Den Jägern, die vor wenigen Tagen abends in der Gemarkung "Bad Schandau" bei Rädigke ansaßen, steckt noch immer der Schreck in den Knochen. "Plötzlich gab es mitten im Wald einen heftigen Donnerschlag wie bei einer Explosion", berichtet Norbert Specht. Der Weidmann bekommt sogleich einen Anruf von einem befreundeten Jäger auf der Gemarkung "Wulke". "Was war denn das?", wollte dieser ganz aufgeregt wissen. "Ist bei euch die Autobahn gesprengt worden?"

Da ahnte Franz Clemens Hoff, der zeitgleich ebenfalls den gewaltigen Knall wahrgenommen hatte, nichts Gutes. Die Detonation war genau aus der Richtung gekommen, so erzählt der Rädigker Jagdpächter, wo im Sommer gleich zweimal eine Aufforstungsfläche in Brand geraten war und er später diverse Reste von Pyrotechnik aufgesammelt hatte.

Darum setzten sich Hoff und sein Sohn Hubertus kurz entschlossen in ihre Wagen und nahmen noch einmal Kurs auf "Bad Schandau". Auf der Straße zwischen Rädigke und Klein Marzehns bog vor Hoffs Junior ein Auto vom Waldweg kommend auf die Fahrbahn. "Ich gab kurz Lichthupe ‒ und zack ‒ spritzte ein grüner, etwas höher gelegter Subaru davon", erzählt Hubertus Hoff. Daraufhin trat auch er auf das Gaspedal seines Nissan Navara und nahm die Verfolgung auf.

Von Klein Marzehns aus ging es zur Autobahn in Richtung Berlin. "Auf der Piste hat er versucht, mich abzuhängen", erinnert sich der Unternehmer. Ohne Erfolg. Als der Ausreißer mit Witteberger Kennzeichen in Brück/Linthe auf die Landstraße einbog, standen beide Hoffs längst mit der Polizei in telefonischer Verbindung. Beide mussten wegen der Verfolgungsjagd den Ordnungshütern versichern, die Straßenverkehrsordnung zu beachten. Dem Flüchtling wurde schließlich bei Haseloff ein unvermitteltes Wendemanöver zur Falle. Die beiden Jäger kamen ‒ jeder von einer Seite ‒ und setzten den mit zwei Männern besetzten Subaru fest. Wenig später traf ein Streifenwagen ein.

Selbsthilfe aus Angst

Kommentar von Gunnar Neubert

Längst haben die Jäger rund um Rädigke Angst, dass sich die illegale Böllerei im Wald irgendwann direkt gegen sie richtet. Mindestens dreimal war schon Feuerwerk zu vernehmen, einiger Schaden ist entstanden. Zur Klärung der Situation haben zwei Weidmänner jetzt zur Selbsthilfe gegriffen. Das ist ein gefährliches Unterfangen, weil niemand wissen kann, wie die Tatverdächtigen reagieren. Nach wie vor gilt: Polizei und Staatsanwaltschaft sind für die Bekämpfung von Kriminalität zuständig. Dass sie diese Aufgabe zum Schutz der Bürger wirklich wahrnehmen, daran muss erneut erinnert werden. Doch leider spart der Staat genau an deren Ausstattung und verliert zunehmend an Vertrauen. Deshalb ist zu befürchten, dass dieses Beispiel eher noch Schule macht.

Als die Polizisten die Personalien der Verfolgten aufnahmen, mussten Hoffs auf Abstand gehen. Erst nach einiger Diskussion mit den Beamten waren die Verdächtigen bereit, den Kofferraum ihres Fahrzeugs zu öffnen. "Ich habe nur noch gehört, wie einer der Beamten feststellte: Das stinkt ja gehörig nach Schwarzpulver", berichtet Hubertus Hoff.

Sein Vater ist sich sicher, dass die Männer etwas mit der wiederholten Böllerei in "Bad Schandau" zu tun haben. "Das passt", meint Franz Clemens Hoff. "Durch die Berichterstattung waren die hiesigen Leute längst gewarnt, dass wir auf der Lauer sind." Im Nachbarland Sachsen-Anhalt hätten die mutmaßlichen Täter das wohl nicht geahnt, sonst wären sie nicht mehrmals zum Böllern nach Rädigke gekommen.

Die Polizei bestätigte den Einsatz bei Haseloff. "Es wurde ein 45-jähriger Fahrer aus Nordvorpommern als Beschuldigter festgestellt", sagte Sprecher Christoph Koppe. Gegen ihn seien Anzeigen wegen Nötigung im Straßenverkehr und wegen des Besitzes von illegaler Pyrotechnik aufgenommen worden. Zum Stand der Bearbeitung der Anzeigen wegen des Verdachts der mutmaßlichen Brandstiftung im Wald bei Rädigke verwies Koppe auf die Staatsanwaltschaft Potsdam. "Beide anhängigen Verfahren sind eingestellt", sagte Sprecherin Sarah Kress auf Anfrage. Die Spuren hätten keine verwendbaren Hinweise auf Tatverdächtige ergeben. "Das kann doch nicht rechtens sein", sagt Franz Clemens Hoff. Nach der jüngsten Böllerei habe er zwei Hände voll Reste von Knallern im Wald von "Bad Schandau" aufgesammelt.

Von Gunnar Neubert

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