Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Wildschwein-Rotte verwüstet Garten

Kleinmachnow Wildschwein-Rotte verwüstet Garten

Schock für eine Frau aus Kleinmachnow: In der Nacht zu Dienstag hat eine Wildschwein-Rotte einen gepflegten Garten in ein Schlachtfeld verwandelt. Schon seit Jahren leidet die Gemeinde Kleinmachnow unter den Wildschweinen. Gegen die tierische Plage kann nicht viel gemacht werden. Experten haben dennoch ein paar Tipps.

Voriger Artikel
Pause für die Hobby-Kämmerer
Nächster Artikel
Rogäsener Kirche bald wieder mit Dach

Entsetzt: Hannelore Richter am Dienstagmorgen in ihrem verwüsteten Garten am Kleinmachnower Seeberg.

Quelle: Claudia Krause

Kleinmachnow. Schock in der Morgenstunde! Als Hannelore Richter am Dienstag gegen 8 Uhr die Jalousien hochzieht, trifft sie fast der Schlag. Ihr Garten ist verwüstet, umgewühlt, als wäre ein kleiner Schaufelbagger durch das blühende Reich am Seeberg gezogen. Unzählige Stauden liegen zum Teil zerfetzt auf oder unter dem aufgeworfenen grauen Boden, Gehwegplatten sind hochgestellt, Töpfe umgeworfen, Pfirsichbaumstützen umgestoßen. Ein Plattenweg ist komplett vom aufgewühlten Sand verschüttet. Es muss eine große Rotte gewesen sein, mutmaßt die Frau, die seit Anfang der 60er Jahre dort wohnt. Die Tiere hatten sich durch die etwa 50 Jahre alte Liguster-Hecke entlang der Gehwegfront in den Garten gedrängt und Zwiebeln der unzähligen Frühblüher wie Tulpen, Schneeglöckchen, Winterlinge und Co. sowie Knollen ausgebuddelt und gefressen. Selbst einem Apfelbaum haben sie die Leitäste abgerissen und die unten hängenden Früchte abgefressen. Daneben ließen sie ihre stinkende Hinterlassenschaft auf dem grünen Rasen zurück.

Der Garten ist von den Schweinen durchpflügt worden

Der Garten ist von den Schweinen durchpflügt worden. Der Schaden beträgt über 1000 Euro

Quelle: MAZ

Gartenbesitzerin ist den Tränen nahe

Noch Stunden später zittert die 77-Jährige im Gespräch mit der MAZ. „Hier sind nicht nur viele, viele tausend Euro Schaden entstanden. Der Garten war unsre große Liebe und ich bewahre das Vermächtnis meines Mannes“, sagt sie mit Tränen in den Augen. „Ich bin jeden Tag draußen und mache etwas. Ich zupfe Unkrat, schneide ab, was weg muss, pflanze neu. Dafür verreise ich nicht.“ Angesichts des Ausmaßes des Schadens, der Hitze und ihrer eigenen Kräfte lässt sich die kleine schmale Frau zu dem Gedanken hinreißen: „Am besten ich mache hier gleich alles platt.“

Dann denkt sie daran, was ihr verstorbener Mann gemacht hätte. „Er hätte gesagt, komm, wir setzen uns hin, trinken ein Glas Wein und dann beginnen wir mit der Arbeit.“ Am Mittag beginnt sie, die Pflanzen und Stauden, die noch einen Wurzelballen haben, wieder einzusetzen und anständig zu wässern. Besonders der Garten vor dem Haus, der immer zu „den schönsten im Ort“ zählte, hat am meisten abbekommen auf dem rund 950Quadratmeter großen Areal. „Die Gemeinde muss doch etwas machen dagegen“, fordert sie. Schon vor Jahren war einmal eine Rotte durch die Grundstücke gezogen. „Damals kamen sie von den Nachbarn links und rechts. Danach haben wir Zäune gezogen, auch elektrische. Dabei waren wir immer stolz auf unsere gute Nachbarschaft ohne feste Grenzen“, erzählt die Gartenfrau. Am Dienstagabend haben ihre beiden Söhne auch einen Elektrozaun hinter der Hecke angebaut.

Wildschweine dürfen nur in bestimmten Gebieten geschossen werden

Selbst einem Mitarbeiter des Kleinmachnower Ordnungsamtes, der in der Waldgemeinde seit Jahren einiges an Wildscheinschäden gewöhnt ist, gingen die Augen ob dieses Schlachtfeldes über. Doch helfen konnte auch er nicht. Die Bewohner haben das Leid und den Schaden selbst zu tragen. Die zuständigen Jagdpächter dürfen in befriedeten Gebieten nicht schießen, denn das Sicherheitsrisiko, was sie allein zu tragen haben, wäre zu groß. Selbst von den Bürgern beantragte Sondergenehmigungen für deren Gärten hätten in solchen Gebieten wie dem Seeberg keine Chance. Das sagte Jagdpächter Peter Hemmerden der MAZ. Die beiden Pächter und zehn andere Männer mit Jagderlaubnis haben in diesem Jahr seit 1. April bereits 15 Schweine und sieben Rehe erlegt. Ungefähr 100 Tiere sind es im Jahr. Die meisten Schweine kämen definitiv aus dem Berliner Forst rüber, so Hemmerden. Zwei extra dort aufgebaute Hochsitze wurden jedoch zerschlagen bzw. komplett abgebaut und abgetragen. „Für die einen machen wir zu wenig, für die anderen zu viel“, so der Pächter. Er appelliert an die Bewohner, stabile Zäune zu ziehen, keine Essensreste auf den Kompost und keinen Gartenabfall in den Wald zu werfen. All das ziehe die Schweine an. Momentan sei man dabei, gemeinsam mit der Verwaltung und den Behörden über einen Jagdeinsatz mit großer, kranbarer Lebendfalle zu sprechen. Dann könnten mehr Tiere auf einmal gefangen und eventuell in ein Gehege umgesiedelt werden.

Hinweise beachten!

Die Jagd der Wildschweine in Kleinmachnow ist nicht Sache des Ordnungsamtes. Amtshilfe leisten hier - soweit dies rechtlich und faktisch möglich ist – die Jagdpächter Peter Hemmerden und Jörg Fenske und die zehn von ihnen beauftragten Jagderlaubnisscheininhaber, die eng mit der Gemeinde zusammenarbeiten.

Dieses Team der Jagdgenossenschaft Kleinmachnow/Stahnsdorf ist fast im Dauereinsatz, denn Tag für Tag erreichen es Meldungen von Bürgern, deren ungesicherte Gärten von Schweinen heimgesucht wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass in dieser Jahreszeit die Bachen Frischlinge haben und daher unter Schutz stehen. Zudem sorgt die derzeit üppige Vegetation dafür, dass die Tiere auch in den Ortslagen perfekte Einstände und Deckung finden.

„Vielfach werden leider unsere Hinweise ignoriert, keine Essensreste zu kompostieren, keine Komposthaufen im Bannwald anzulegen. (Wenn die anfangen zu gären, ist der Duft wohl äußerst verlockend…), Gelbe Säcke nicht über Nacht rauszustellen“, sagt Gemeindesprecherin Martina Bellack.

Die Gemeinde wird in diesem Herbst keine Blumenzwiebel in den öffentlichen Grünanlagen setzen, auch wenn die üppige Blütenpracht im Frühling schön wäre. Aber die Verlockung für die Schweine ist einfach zu groß, wie die mehrfach aufgewühlten Bereiche wie z.B. am Düppel zeigen.

 

Von Claudia Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg