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Willy Brandt auf Beton

Kunstwerke der Teltow Gallery Willy Brandt auf Beton

Zum 24. Mal jährt sich am 9. November der Fall der Berliner Mauer. Auf einem Firmengelände in Teltow (Potsdam-Mittelmark) stehen noch einige Reste des Bauwerks zum Verkauf, darunter ein bemaltes Betonteil mit einem Porträt des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt – aber auch einige Despoten.

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Quelle: dpa

Teltow. Der spanische Maler Victor Landeta hat mit fotorealistischen Sprayarbeiten auf Mauerelementen einen Blickfang auf dem Klösters-Gelände in Teltow (Potsdam-Mittelmark) geschaffen. Willy Brandt und Nelson Mandela sind schon fertig.

Der 32-Jährige, der in seiner Heimat und in Großbritannien Malerei studierte, will Willy Brandt als verdienstvollen Regierenden Bürgermeister von Berlin und ‒ später als Bundeskanzler ‒ als treibende Kraft der neuen Ostpolitik der Bundesrepublik würdigen. Auch mit dem südafrikanischen Anti-Apartheid-Kämpfer und Politiker Mandela hat Landeta einen Mann ausgewählt, der weltweit viel Anerkennung und Bewunderung gefunden hat. Als nächstes will sich Landeta den Physiker Albert Einstein vornehmen.

Victor Landeta hat das Porträt von Nelson Mandela fast fertig. Als nächstes will er Albert Einstein malen.

Quelle: Stephan Laude

In Teltow betätigt er sich im Rahmen der Mauerteil-Bemalungsaktion der Klösters Baustoffwerke. Fast 200 sogenannte L- und T-Betonelemente der Berliner Mauer sind auf dem weitläufigen Gelände am Teltowkanal (Potsdam-Mittelmark) zwischengelagert. Das Unternehmen hat die Teile nach der Wende von der NVA abgekauft, sie stammen von der Vorderlandmauer bei Spandau. Die nummerierten Mauerteile stehen weiteren Malern zur Verfügung, um dann möglichst verkauft zu werden.

Die Teltow Gallery

  • Der Teltower Stadtverordnete Steffen Heller setzt sich dafür ein, den Erwerb der bemalten Mauerteile der Baustoffwerke Klösters auf den Weg zu bringen. Heller denkt dabei insbesondere an die Porträts von Willy Brandt, Nelson Mandela und Albert Einstein. Die Mauerreste könnten entlang des Mauerradwegs aufgestellt werden.  
  • Die Idee zur „Teltow Gallery“ entstand im Juni dieses Jahres. Diese Galerie soll, wie es in einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung heißt, im Umfeld der früheren Mauer „die Erinnerung an den Widersinn der Teilung und an die Opfer lebendig halten“. Das Bunte soll über das triste Grau der Mauer dominieren wie die Freude der Maueröffnung über das aufgezwungene Grenzregime.

Neben den weltweit geachteten Persönlichkeiten Brandt und Mandela finden sich auf dem Gelände auch Mauerporträts von Menschen, deren Ruf mehr als zweifelhaft ist, darunter des verstorbenen nordkoreanischen Herrschers Kim Jong-Il und des simbabwischen Staatschefs Robert Mugabe. Die Bilder, die eher Karikaturen sind, entstanden aber nicht im Rahmen der Bemalungsaktion.

Passanten an der Oderstraße in Teltow wundern sich über eine seltsame Kunstaktion: Ein Japaner malte Diktatoren auf Beton.

Zur Bildergalerie

Nach Angaben von Kurator Patrice Lux stammen die Gemälde von einem japanischen Künstler, der in Paris studiert hat und in Berlin lebt. Seinen Namen will Lux nicht nennen. Zum Anliegen sagt er: Es gehe darum, nicht nur gefällige Kunst zu machen, sondern auch politische. Der Künstler wolle mit den Bildern auf die Situation in Ländern aufmerksam machen, die noch von Despoten beherrscht werden. Die Mauerteile waren zunächst im Freedom-Park an der Berliner Oberbaumbrücke zu sehen. In Teltow sind sie nur abgestellt.

Mauerteile bemalen

  • Wer interessiert ist, ein Mauerteil zu bemalen, kann sich mit dem Onlineformular auf www.mauerteilebemalen.de um ein Segment bewerben. Nach Abschluss des beigefügten Mustervertrages und Akzeptanz des Verhaltens- und Regelkodex erhält der Interessent ein Mauerteil zugewiesen.
  • Dieses Teil steht dem Interessenten für die Dauer von sechs Monaten zum Bemalen zur Verfügung. Er kann das Mauerteil so oft bemalen, wie er will und ist auch berechtigt, das Mauerteil zum Erwerb anzubieten. Ein Verkaufserlös wird geteilt, ein Drittel, mindestens jedoch 500 Euro, erhält als Eigentümer die Baustofffirma, zwei Drittel der Interessent.
  • Nach Ablauf von sechs Monaten erlischt das Nutzungsrecht, wenn das Mauerteil bis zu diesem Zeitpunkt nicht verkauft werden konnte.

Stephan Laude/MAZonline

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