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Wilma will schmusen und arbeiten

Teltowerin nimmt mit ihrem American Bulldog an Aufklärungsbuch-Projekt teil Wilma will schmusen und arbeiten

Viele Hunderassen stehen als besonders gefährlich geltend auf sogenannten Listen. Von vielen Haltern als aggressive Kampfhunde abgerichtet, sind die Tiere in der Bevölkerung unbeliebt, weil sie Angst verbreiten. Aber von den „Schwarzen Schafen“ darf man nicht auf alle schließen. Deshalb entsteht ein Foto-Buch mit Beschreibungen.

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Ein Herz und eine Seele: Die Hündin Wilma „küsst wie eine Seerobbe“ ohne Schlabberzunge, sagt Sabine Klein.

Quelle: Claudia Krause

Teltow. Wenn Wilma hinter der Wohnungstür bellt, muss keiner Angst haben. „Sie ist lieb und ein absoluter Familienhund. Kurz anschlagen ist schon okay“, sagt „Frauchen“ Sabine Klein (48). Die gebürtige Kleinmachnowerin ist mit Hunden groß geworden. Als Schulkind übernahm das Mädel Gassi-Runden mit Nachbarshunden, wofür es eine Mark oder eine Schokolade bekam.

Hunde sind aus dem Leben der gelernten Köchin, die jetzt an einer Tankstelle in Großbeeren arbeitet, nicht mehr wegzudenken. „Sie sind wie ein Familienmitglied“, gesteht die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Oma eines Enkels. Seit sieben Jahren ist Wilma, eine Amerikanische Bulldogge, nun an ihrer Seite.

Schön Pfötchen geben

Schön Pfötchen geben!

Quelle: C. K.

Die ist kräftig und nicht schüchtern, springt den Besucher aber nicht an. Nach Streicheleinheiten und freudigem Beschnuppern zieht sich die Hündin unter den Esstisch in der Mietwohnung zurück. Dort bleibt sie ruhig liegen und rupft an der Spielente.

Die Amerikanische Bulldogge ist eine freundliche und menschenbezogene Rasse, heißt es. Es handelt sich nicht um Kampfhunde, obwohl die Rasse früher als Schutz- und Kampfhund eingesetzt wurde. Heute gelten sie „als Begleithunde mit einem ruhigen Wesen“. Diese Hunderasse, besonders der Bully-Typ, mag Körperkontakt, Zärtlichkeiten und Streicheleinheiten. „Das trifft voll auf Wilma zu“, bestätigt Sabine Klein. Ruft sie die Hündin zu sich, knuddeln die beiden. „Wilma will aber nicht nur schmusen, sondern immer arbeiten“, erzählt die 48-Jährige. Auf Kommando holt das Tier die Büchse mit den Leckerlis; alleine, manchmal „einfach so“ bringt sie die Taschentuchbox. Der Vierbeiner hilft beim Tischabräumen. Frauchen und Herrchen legen dann Besteck und verschließbare Sachen in ein Körbchen. Müllschippe und Handfeger nimmt sie in die Schnauze, wenn Sabine Klein im Treppenflur die Kübelpflanzen ausputzt. Und Wilma macht Kunststücke. Sie hebt die Pfote zum Gruß, „küsst ohne Zunge wie eine Seerobbe“ , macht eine Verbeugung und kann grinsen. Jetzt wird die Rolle geübt; den üblichen Kommandos folgt sie aufs Wort.

Hund und Halterin – immer ganz dicht beieinander

Hund und Halterin – immer ganz dicht beieinander.

Quelle: C. K.

Bulldoggen hätten sie schon immer interessiert, sagt die Hundehalterin, „wegen ihres Wesens“. Sie seien „lernwillige Familienhunde“, aber „nicht der Aufpasser wie Schäferhund und Rottweiler“. Man merke ihnen immer noch an, dass „Bulldoggen zum Viehhüten genutzt wurden. Sie wollen halt arbeiten“. Deshalb beschäftigt sich die Teltowerin auch ständig mit dem Tier. Eine Kamera in der Wohnung beobachtet es, während das Paar arbeiten ist. „Aber meistens schläft Wilma.“

Doch so ein nettes Wesen verbinden die meisten Menschen nicht mit Hunden von Wilmas Rasse. Obwohl der American Bulldog in Brandenburg nicht auf der Liste der gefährlichen Hunde steht, haben viele Leute Angst vor den als Kampfhunde verschrieenen Tieren. Häufig wechseln Leute sogar die Straßenseite und selbst Bekannten und Freunden sind die Hunde oft nicht geheuer. Aus dem kleinen Welpen wird ein massiger, energiegeladener Hund, der bis zu 70 Zentimeter groß und 60 Kilo schwer sein kann.

„Eine gute Erziehung und Sozialisation bilden die Grundlage für eine kontrollierte Haltung dieser Rasse“, lautet die Devise und Sabine Klein unterstreicht, dass „kein Hund von sich aus gefährlich ist“. Wirkliche negative Erlebnisse habe sie bislang in Teltow nicht gehabt. Als sie sich jedoch damals in der Stadtverwaltung angemeldet hat, schleuderte ihr der Sachbearbeiter den Satz „solche Hunde wollen wir hier nicht entgegen“. Natürlich kenne sie die Befürchtungen und Vorbehalte gegenüber der Hunderasse. Aber beim Spazierengehen trifft sie viele Leute, die Wilma streicheln wollen. Und bei so viel Wohlbehagen hält die Hündin besonders still. Die Einhaltung des Leinenzwangs erwartet die Frau genauso von den Haltern anderer Hunderassen. Alle sollten gegenseitig Rücksicht nehmen – die Hundehalter, die Jogger, die Radfahrer, die Passanten mit Kindern. Und dass man sich mit einem Hund nicht genau vor die Fahrstuhltür stellt, sollte Usus sein – egal, ob mit Dogge oder Dackel.

Zuhören, wenn Frauchen was sagt

Zuhören, wenn Frauchen was sagt.

Quelle: Claudia Krause

Jetzt will Sabine Klein mithelfen, den schlechten Ruf der sogenannten Listenhunde zu bereinigen. Sie folgt dem Aufruf von Fotograf Armin Panzer und fährt zu Ostern mit Wilma zum Fotoshooting nach Bayern. Dorthin, wo ihr Hund „auf der Liste steht“. Der Vorsitzende des Kitzinger Hundesportvereins sucht Halter und Hunde für ein neues Foto-Projekt. Rassen wie American Pitbull, American Staffordshire Terrier, Bandog, Tosa Inu, Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterier und Cane Corso sind gefragt. Nach dem Erfolg seines Hunde-Buches „Mystische Wesen – Uns verbindet etwas ganz Besonderes“ (2015) möchte er jetzt etwa 80 Halter von Listenhunden mit ihren Tieren fotografieren. In dem Bildband werden die Hunde mit Beschreibung des Halters vorgestellt. „Sinn und Zweck soll es sein, diese Rassen als Hunde zu zeigen, wie jede andere Rasse auch, als Familienhunde und treuer Gefährte“, sagt Panzer. Der Titel des Buches wird lauten: „Mythos Kampfschmuser – Ein Hund wie jeder andere“.

Listenhunde

Listenhunde sind Hunde, die per Gesetz als gefährliche oder potenziell gefährliche Hunde angesehen werden.

Diese Kategorie enthält Hunderassen, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz und/oder Liechtenstein auf mindestens einer Rasseliste stehen.

In Brandenburg gelten auf Grund rassespezifischer Merkmale oder Zucht folgende Rassen und Gruppen sowie deren Kreuzungen als gefährlich: American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier und Tosa Inu. Die Haltung solcher Hunde sowie die Zucht von und mit gefährlichen Hunden sind verboten.

In Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen zählt auch der American Bulldog wie Wilma aus Teltow zu den Listenhunden.

Der Halter eines gefährlichen Hundes ist verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften abzuschließen.

Armin Panzer aus Wiesenbronn in Bayern hat im Dezember 2015 den Bildband „Mystische Wesen – Uns verbindet etwas ganz Besonderes“ herausgegeben. Darin sind 200 Fotos enthalten, die die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund widerspiegeln. Jetzt plant er ein Buch mit Fotos von Listenhunden und Textbeiträgen ihrer Halter, die von dem Zusammenleben und den besonderen Merkmalen der als gefährlich geltenden Hunde berichten.

Kontakt: www.software-panzer.de

Von Claudia Krause

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