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Windelfirma zahlt 3 Monate kein Gehalt

Verdacht auf Insolvenzverschleppung Windelfirma zahlt 3 Monate kein Gehalt

3 Monate ohne Geld: eine existenzbedrohende Situation. Ex-Mitarbeiter der Windelfirma RAD Medical aus Niederwerbig (Potsdam-Mittelmark) stehen vor diesem Problem. Auch das Kurzarbeitsgeld von der Arbeitsagentur kam nie an. Dafür wurden des Nachts Laster mit Millionen-Ladungen gesichtet. Nun ist die Firma ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

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Fünf der einst 65 Beschäftigten blicken über den Zaun zu ihrem früheren Arbeitsplatz bei der RAD Medical GmbH
 

Quelle: Andreas Koska

Niederwerbig. Fünf Männer richten ihren Blick über den Zaun bei der RAD-Medical-GmbH. Hoffnung, dass sie dort je wieder beschäftigt sein werden, haben sie längst nicht mehr. Doch wenigstens wollen sie Löhne und Gehälter für die am Jahresanfang geleistete Arbeit erhalten. Im Januar wurden die Entgelte dem Vernehmen nach noch in Tranchen gezahlt. Von Februar bis April – Fehlanzeige.

Die Einstellung der Windelproduktion am Rand des 61-Einwohner-Dorfes sorgt immerhin für Ermittlungen der Justiz. Eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung ist bei der Staatsanwaltschaft Potsdam eingegangen. Das hat Sprecher Benedict Welfens bestätigt, ohne zu sagen, von wem sie erstattet wurde. Ob die Zahlungsunfähigheit überhaupt ordnungsgemäß gemeldet worden ist, lässt sich jedoch nicht sagen. „Insolvenzverfahren sind grundsätzlich nicht öffentlich“, teilt Wolfgang Peters vom zuständigen Amtsgericht Potsdam dazu knapp mit. Augenscheinlich hat niemand die ordnungsgemäße Abwicklung oder gar Sanierung des Unternehmens betrieben.

Kurzarbeitsgeld vom Amt kam nicht an

Im Gegenteil. So hat die Arbeitsagentur beispielsweise 5000 Euro Kurzarbeitsgeld ausgezahlt. Bei den Kollegen sei davon nichts angekommen, berichten sie. „Die Summe ist zurückgefordert worden“, bestätigt Marko Wilke. „Bisher haben wir sie aber nicht erhalten“, so der Leiter der Geschäftsstelle in Bad Belzig. Sie versucht derzeit der Belegschaft neue Perspektiven anderenorts zu vermitteln.

Zwei Schwesterfirmen

Neben der RAD Medical GmbH haben die Big Bear GmbH und die DEM Pharma eine Niederlassung in Niederwerbig.

Beide Unternehmen haben ihren Hauptsitz unter derselben Adresse in Köln. Bei beiden ist Wahidollah Razai der Geschäftsführer.

Sie sollen mit der RAD Medical-GmbH verbandelt sein. In allen drei Firmen war Zalmai Atifi Inhaber oder geschäftsführender Gesellschafter.

Geschäftsführer Pjotr Kurszwewski soll vor noch gar nicht so langer Zeit angekündigt haben, dass es im Mai wieder richtig losgeht. Doch die Bänder stehen still. Anfragen der MAZ blieben indes unbeantwortet. Dafür berichtet das Ehemaligen-Quintett von einem Russen, der im Dezember als Chef, begleitet von mehreren Bodyguards, aufgetreten sei.

Angst vor dem Chef hemmt den Kampf

Angst hätten sie deshalb einerseits und wollen ihre Namen nicht nennen. Andererseits wollten sie für sich und die weiteren 60 Kollegen von einst kämpfen. Einen Betriebsrat gab es nicht, gleichwohl 2012 schon eine Krise zu bewältigen war.  Damals war die einstige Riboth-GmbH unter dem neuen Namen in ein Handelskonsortium aus Dubai eingegliedert worden.

Vor Ort wurden nun Lastwagen beobachtet, heißt es. Sie sollen nachts an den Lagern vorgefahren sein. „Darin lag Ware im Wert von einer halben Million Euro. Jetzt sind die Hallen leer“, sagt einer der Ex-Mitarbeiter. Sie glauben nicht daran, dass ihr Betrieb pleite gewesen sei. Die Auftragsbücher wären gut gefüllt gewesen. Die Produktion hätte mit je drei Maschinen in den zwei Linien jederzeit wieder aufgenommen werden können, lautet ihre Einschätzung. Jetzt sorgen sie sich, dass die Technik ebenfalls ausgebaut wird und abtransportiert wird, so dass jegliche so genannte Masse, aus der ihre Forderungen erfüllt werden könnten, verloren ginge. Maschinenpark und Grundstück stellen ihrer Meinung nach durchaus noch Werte dar.

Die Vermutung, die Investitionsbank des Landes Brandenburg, könnte ins Verfahren involviert sein, scheint sich nicht zu bestätigen. Denn es hat kein Geld von dort für die RAD Medical GmbH gegeben, beteuert Matthias Haensch. „Es wurde 2012 lediglich ein Antrag gestellt. Er war jedoch umgehend zurückgezogen worden“, so der Sprecher der Institution, die also keinen Anlass hat, sich mit der Ex-Belegschaft zu verbinden.

Von Andreas Koska und René Gaffron

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