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Potsdam-Mittelmark Im Visier von Windkraft-Firmen
Lokales Potsdam-Mittelmark Im Visier von Windkraft-Firmen
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07:39 09.03.2019
Sieht so die Zukunft der Locktower Gemarkung aus? Wie hier bei Rietz (Treuenbrietzen) könnte bei Locktow ein Windpark entstehen. Doch die Einwohner wehren sich. Quelle: Thomas Wachs
Locktow

 Am Anfang war ein Anruf. „Da wollten sie erstmal vorfühlen, wer für ihre Idee empfänglich ist“, erzählt Gerhard Kernchen. Der Locktower ist einer von mehreren Grundstückseigentümern im Dorf, die in den vergangenen Wochen von der Berliner Firma Energieplan (ENP) kontaktiert wurden. Deren Ziel ist es, Grundstücke zu pachten und darauf Windräder zu bauen.

In einem Schreiben, das die Firma anschließend an Gerhard Kernchen geschickt hat – und das der MAZ vorliegt – heißt es: „Wir als Projektentwickler für Erneuerbare Energien setzen in unseren Planungen grundsätzlich auf eine enge Partnerschaft mit Grundstückseigentümern und Gemeinden.“ Und weiter: „Wir haben auch Ihre Grundstücke untersucht. Sie erfüllen die grundsätzlichen Bedingungen, um für die Gewinnung von Windenergie genutzt zu werden.“

Keine Antwort von ENP

Außerdem verspricht ENP den Eigentümern eine jährliche finanzielle Beteiligung am Erlös, der durch die Windenergieanlagen erwirtschaftet wird. Eine MAZ-Anfrage an das Unternehmen zu den Bemühungen in Locktow blieb bislang unbeantwortet.

„Natürlich erscheint das verlockend, wenn ich die Zahlen sehe – aber gleichzeitig denke ich auch: Da stimmt was nicht“, sagt Gerhard Kernchen. „Für mich stand außer Frage, dass ich das nicht will.“

Sorge und Unsicherheit im Ort

Mit dieser Einstellung ist der 69-Jährige nicht allein. Das ist bei einer Einwohnerversammlung deutlich geworden, die wegen des Vorstoßes der Projektentwickler einberufen wurde. „Im Ergebnis waren sich alle Anwesenden einige – ob nun Grundstückseigentümer oder nicht – dass es in der Gemarkung Locktow keine Windkraftanlagen geben soll“, berichtet Planetals ehrenamtliche Bürgermeisterin Karin Commichau.

Im Ort hätten wegen der Aktivitäten von ENP Sorge und Unsicherheit geherrscht. Deshalb habe sie zusammen mit Locktows Ortsvorsteherin Sonja Welykanowycz entschieden, eine Informationsveranstaltung einzuberufen, um über die Rechtslage aufzuklären und Meinungen auszutauschen. „Über die Resonanz waren wir angenehm überrascht – das Miteinander in der Einwohnerschaft ist in solchen Fällen unumgänglich“, macht Karin Commichau deutlich.

Attraktivität der Orte leidet

Als Gastredner hatten die Locktower Winfried Ludwig, Vorsitzender des Umweltvereins „Waldkleeblatt – Natürlich Zauche“, eingeladen. Er hat unter anderem über unterschätzte Risiken bei der Verpachtung informiert.

„Die Attraktivität der Orte leidet und die Locktower sorgen sich um die Verschlechterung ihrer Lebensqualität“, sagt Karin Commichau. „Außerdem wollen wir gerne neue Einwohner in unser Dorf holen und es als attraktiven Wohnstandort entwickeln.“ Die Bürgermeisterin betont jedoch auch, dass sie und die Anwohner nicht per se gegen erneuerbare Energien seien. „Aber sie sollten weit ab von Siedlungen stehen, wo Menschen, Tiere und die Natur nicht beeinflusst werden.“

Dorf soll nicht aussterben

Dem schließt sich auch Gerhard Kernchen an. „Alternative Energien ja, aber mit ökonomischem und kulturellem Verstand – und nicht des Geldes wegen“, sagt er. „Als grundsätzliches Problem sehe ich zum Beispiel auch, dass gleich ganze Windparks gebaut werden sollen, anstatt einzelne Räder. Und ich mache mir Sorgen, was passiert, wenn die Anlagen mal nicht mehr genutzt werden.“

Was passiert, wenn das Windrad ein Leck hat oder explodiert? „Ich sehe da ein extremes Risiko – und wer trägt das am Ende? Sicher der Eigentümer“, sagt der 69-jährige Grundstückseigentümer. „Wir haben hier ein schönes Dorf, in dem wir gut wohnen können. Und das soll nicht aussterben – da fühle ich mich als lange ansässiger Locktower auch verantwortlich.“

Von Josephine Mühln

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