Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Windkraft-Votum ist erst Teilerfolg
Lokales Potsdam-Mittelmark Windkraft-Votum ist erst Teilerfolg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:02 28.11.2018
Vor dem Rathaus in Lehnin demonstrieren Gegner der Windkrafträder in Wäldern. Quelle: JACQUELINE STEINER
Kloster Lehnin

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Bei ihrem Protest gegen sechs neue Windräder in einem Waldstück bei Göhlsdorf haben die Mitglieder und Sympathisanten von zwei Bürgervereinigungen einen Teilerfolg errungen. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung lehnten die Kloster Lehniner Gemeindevertreter am Dienstagabend mit großer Mehrheit ihr Einvernehmen zu einem Bauantrag des Potsdamer Windparkentwicklers Notus Energy ab.

So voll war es schon lange nicht mehr im großen Sitzungssaal des Kloster Lehniner Rathauses. Über 60 Bürger wollten dabei sein, wenn die Gemeindevertreter den Windpark-Bauantrag behandeln.

Waltraud Plarre aus Lehnin, die zu den Mitinitiatoren einer Unterschriftensammlung gehört, bezeichnete die überraschende Wende gegenüber der MAZ als „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Sie sei froh, dass sich viele Abgeordnete von angeblichen Zwängen im Interesse einer Politik für die Bürger befreit hätten. Vor der Abstimmung appellierte Damaris Kanisch vom Verein Baumfreunde Kloster Lehnin im hoffnungslos überfüllten Rathaussaal an Bürgermeister Uwe Brückner: „Kämpfen Sie endlich für den hohen Stellenwert des Waldes!“ Den Gemeindevertretern warf Kanisch vor sich nicht wie die Stadt Werder (Havel) von Anfang an eindeutig gegen Windräder in Wäldern vor der Haustür positioniert zu haben.

Vertrag abgeschlossen

Unter Kloster Lehnins Volksvertretern herrscht dagegen Katzenjammer. Wie bei der Sitzung herauskam, haben die Gemeindevertreter mit Ausnahme der Linken-Faktion dem Bürgermeister bereits im April in nicht öffentlicher Sitzung grünes Licht für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages mit dem Investor Notus Energy gegeben. Der im Juni abgeschlossene Vertrag regelt Rechte und Pflichten beider Seiten bei der Realisierung der sechs Anlagen, die einmal den Windpark „Dachsberg“ in der Gemarkung Göhlsdorf bilden sollen. Bürgermeister Brückner hält es für fatal, die nach langen Verhandlungen mit dem Investor fixierten Festlegungen aufs Spiel zu setzen. Ursprünglich beharrte Notus Energy in Anlehnung an den Regionalplan Havelland-Fläming auf elf Anlagen.

Riesiger Andrang im Kloster Lehniner Rathaus. Quelle: JACQUELINE STEINER

Doch Brückners Warnung vor nachteiligen Folgen für die Kommune zog bei den allermeisten Abgeordneten nicht mehr. Hilflos musste das Gemeindeoberhaupt mit ansehen, wie ihm sonst getreue Unterstützer von der Fahne gingen. Selbst SPD-Fraktionschef Udo Wernitz, der im September 2019 in den Landtag gewählt werden möchte, teilte der Öffentlichkeit sein Umdenken mit: „Windräder gehören nicht in den Wald. Dafür sollten besser andere Flächen genutzt werden.“

Unfrieden und Proteste

In Kloster Lehnin gibt es bereits 29 Windkraftanlagen und Solarparks für die Erzeugung erneuerbarer Energien. Investoren wollen jetzt Windräder in Wäldern aufbauen. Das ist im Land Brandenburg erlaubt – sorgt aber für Unfrieden und Proteste.

In der Gemarkung Göhlsdorf sollen sechs Anlagen mit einer Gesamthöhe von 220 Meter gebaut werden. Kritiker befürchten nicht nur eine Verschandelung der Lehniner Wald- und Seenlandschaft, sondern zusätzliche Waldbrandgefahren.

Der Hauptausschuss hat Bürgermeister Uwe Brückner am Dienstagabend aufgefordert für die nächste Gemeindevertretersitzung eine Vorlage einzubringen. Darin soll Kloster Lehnin seinen Beitritt zu einer kommunalen Initiative festschreiben, die Windräder in Wäldern ablehnt.

Auch Frank Niewar von der selben Fraktion SPD/FFwVE/BN räumte ein: „Ich habe mal anders gestimmt. Heute hoffe ich, dass der Druck von unten gegen die irrsinnige Gesetzgebung noch größer wird.“ Für die Linke bekräftigte Andreas Bernig die ablehnende Haltung. Unwohl in seiner Haut fühlte sich Ralf Kähne (CDU). Er sprach von Windrädern im Wald als „ökologischem Wahnsinn“ . Dennoch wolle er dem Bauantrag zustimmen. „Und zwar in der Absicht noch schlimmere Auswüchse für Kloster Lehnin zu verhindern“, so Kähne.

Wird Beschluss beanstandet?

Am Ende lehnten zwölf Gemeindevertreter ihr Einvernehmen zum Bauantrag von Notus Energy ab. Es gab drei Enthaltungen. Zu den Befürwortern gehörten neben Bürgermeister Brückner und Ralf Kähne auch der Krahner Ortsvorsteher Reinhard Siegel (Freie Bürger und Bauern). Wie geht es jetzt weiter? In Abstimmung mit der Kommunalaufsicht lässt Bürgermeister Brückner nun prüfen, ob er den Beschluss formal beanstanden muss, weil der Gemeinde möglicherweise Schaden seitens des Investors drohen könnte.

Bürgermeister Uwe Brückner (r.) machte vor allem die Landesregierung für das Debakel mit Windrädern im Wald verantwortlich. Quelle: Frank Bürstenbinder

Trotz Nachfrage war für die MAZ vom Windparkentwickler keine Stellungnahme auf die jähe Wende in Kloster Lehnin zu bekommen. Welchen Einfluss die Verweigerung des gemeindlichen Einvernehmens auf das weitere Planverfahren hat, bleibt abzuwarten. Herr des gesamten Verfahrens und Genehmigungsbehörde ist das Landesumweltamt. Die sechs Windräder bei Göhlsdorf gehören zum Windeignungsgebiet 24 im Regionalplan Havelland-Fläming. 18 weitere Anlagen will Notus Energy in Wäldern bei Bliesendorf (Stadt Werder) und bei Ferch (Schwielowsee) errichten. Auch dort stoßen die Planungen auf erbitterten Widerstand.

Von Frank Bürstenbinder

Überraschender Ausgang der Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend. Für den Bau von sechs Windrädern bei Göhlsdorf gibt es keine Mehrheit mehr. Bürgermeister Uwe Brückner ist geschockt.

27.11.2018

Nach fünf Jahren gibt es wieder Nachwuchs bei den Kaimanen von Karl-Heinz Voigt. Die kleinen Racker freuen sich über Besucher. Aber Vorsicht, schon die Baby-Echsen haben Zähne.

27.11.2018

Die Landesstraße zwischen Potsdam und Großbeeren wird in der Nacht zum 2. Dezember gesperrt. Grund ist ein Brückenbau.

27.11.2018