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„Windräder im Wald – das ist gaga“

Debatte zur Landratswahl in Borkheide „Windräder im Wald – das ist gaga“

Werden unsere Wälder mit Windrädern vollgestellt? Bei einer Podiumsdebatte zur bevorstehenden Landratswahl am 25. September stand vor allem diese Frage im Brennpunkt. Kein Wunder: Die Landratskandidaten und der Amtsinhaber traten zur Diskussion in Borkheide an und damit in einem Hauptkampfgebiet in dieser Streitfrage.

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Der Saal im „Fliegerheim“ in Borkheide war gut gefüllt, als der Verein „Waldkleeblatt – Natürliche Zauche“ zur Debatte lud.

Quelle: Dirk Fröhlich

Borkheide. Das Windeignungsgebiet in der Wittbrietzener Feldflur ist Geschichte. Windräder werden dort keine aufgestellt. Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD) sagte den Satz dazu eher beiläufig am Donnerstagabend in Borkheide bei der Podiumsdebatte zur anstehenden Landratswahl am 25. September. „Ein Seeadler-Pärchen hat entschieden, sich in dem Gebiet anzusiedeln“, so Blasig. Die Anwesenheit der Greifvögel ist ein K.o.-Kriterium – das Gebiet wird nun zur Tabu-Zone für Windräder.

In den Wäldern rund um Borkheide, Beelitz und Bliesendorf sieht die Sache anders aus. Eine Hauptfrage des Abends war denn auch: Werden unsere Wälder mit Windrädern vollgestellt? Der Verein „Waldkleeblatt – Natürliche Zauche“, der vier windradkritische Bürgerinitiativen vereint, hatte alle Landratskandidaten – Franz Herbert Schäfer (CDU), Andreas Schramm (Piraten), Sven Schröder (AfD) und Klaus-Jürgen Warnick (Linke) – sowie Amtsinhaber Wolfgang Blasig zur Debatte in die Waldgemeinde Borkheide eingeladen und damit in ein Hauptkampfgebiet in dieser Streitfrage. Im Podium hielt sich der Dissens in Grenzen. AfD-Kandidat Schröder, der in Borkheide wohnt, kritisierte die von den Befürwortern betriebene Degradierung der märkischen Kiefer als minderwertigen Nutzwald, zitierte Jäger, die den Windradausbau in Wäldern für nicht vertretbar halten und verwies auf die Schneisen, die für Windräder geschlagen und zu Angriffspunkten bei Stürmen werden.

Pirat Andreas Schramm, der die Vermeidung von Energieverbrauch als Schwerpunkt sieht, plädierte dafür, die Bevölkerung in den betreffenden Gegenden mit abstimmen zu lassen, ob und wo Windkraftanlagen aufgestellt werden. Den meisten Gegenwind im Saal bekam Linken-Kandidat Warnick, der die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Deutschland lobte, die als Konsequenz für Fällungen Nachpflanzungen vorsieht. Was weltweit passiere, sei eine Katastrophe. „In Deutschland wird die Waldfläche nicht geringer.“ Und: Kein Landrat könne verhindern, dass in dem Gebiet hier Windräder aufgestellt werden, so Warnick. „Solange die Landesgesetzgebung nicht anders ist, können Windrad-Investoren klagen.“ Man müsse politisch Einfluss nehmen. Zumindest in dem Satz war er sich mit CDU-Bewerber Franz Herbert Schäfer einig, der sich selbst die Frage stellte: Brauchen wir Windräder? „Ja, wenn wir von der Atomenergie weg wollen.“ In Wäldern aber sollten sie nicht stehen. Schäfer verwies auf die Länder Sachsen und Niedersachsen, in deren Landesplänen sich der Satz findet, dass Waldgebiete von Windkraft möglichst auszunehmen sind.

Im Podium (vl

Im Podium (v.l.: Klaus-Jürgen Warnick (Linke), Wolfgang Blasig (SPD), die Moderatorinnen Waltraud Plarre und Eveline Kroll, Franz Herbert Schäfer, Andreas Schramm (Piraten), Sven Schröder (AfD).

Quelle: Dirk Fröhlich

Um in Brandenburg die Weichen dahin zu stellen, müsse man Verbündete finden und im politischen Raum die gewinnen, die Pläne und Gesetzesvorgaben wieder ändern können. Den knalligsten Satz sagte Amtsinhaber Blasig: „Ich halte es für gaga, Windräder in den Wald zu stellen und hinterher woanders wieder aufzuforsten.“ Dem Land warf er vor, sehr schematisch an der Formel festzuhalten, wonach zwei Prozent der Landesfläche Windradgebiete sein müssen. Warum aber hat der Landrat für den Regionalplan gestimmt, in dem die Windeignungsgebiete ausgewiesen sind? Blasig sprach von einer Wahl zwischen Pest und Cholera. Ohne die Planung hätte eine „Verspargelung der Landschaft“ gedroht, weil Windräder nach Paragraf 35 Baugesetzbuch zu den privilegierten Vorhaben zählen. Bei der Frage nach der Brandgefahr durch Windräder in Wäldern machte er keinen Hehl daraus, dass für den Brandschutz eigentlich noch mehr Bäume abgeholzt werden müssten – um Brandschneisen zu schaffen.

Das Schlusswort zur Debatte, die zweieinhalb Stunden dauerte und hier nicht vollständig widergespiegelt werden kann, hatte Waldkleeblatt-Vereinschef Winfried Ludwig: „Es macht mich froh, dass es Seeadlern gelang, das Windeignungsgebiet Wittbrietzen zu verhindern. Es macht mich traurig, dass die Einwendungen der Bürger das nicht geschafft haben.“

Mitbestimmung

Die Akteure des Vereins Waldkleeblatt hatten den fünf Männern im Podium vier Wahlprüfsteine vorgelegt, in einer davon ging es um Bürgerbeteiligung.

Waltraud Plarre, die mit Eveline Kroll (Ortsvorsteherin in Bliesendorf) die Debatte moderierte, kündigte an, dass der Verein „Mehr Demokratie“ in Brandenburg ein Volksbegehren für bessere Bedingungen für Volksbegehren starten will.

 

Von Jens Steglich

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