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Potsdam-Mittelmark Millionen Euro für den Naturschutz liegen brach
Lokales Potsdam-Mittelmark Millionen Euro für den Naturschutz liegen brach
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13:37 11.01.2019
Windräder zwischen der Autobahn 2 und Golzow in Potsdam-Mittelmark bei untergehender Sonne. Quelle: Heiko Hesse
Mittelmark

Über 10 Millionen Euro stehen im Land Brandenburg bereit für Naturschutzprojekte. Doch das Geld, das Betreiber von Windkraftanlagen gezahlt haben, wird kaum abgerufen.

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark sind derzeit nach Angaben des Landesumweltamtes gut 200 Windkraftanlagen in Betrieb. Jede von ihnen stellt einen Eingriff in die Natur da. Deswegen sind Unternehmen nach einem Erlass des Umweltministeriums in Potsdam zu einer Wiedergutmachung verpflichtet. Dazu müssen sie Ausgleichszahlungen leisten. Früher konnten sie auch konkret Gutes für die Natur tun, etwa zig Bäume pflanzen oder eine Aktion starten wie in Reckahn. Dort wird die Pflege von drei Karpfenteichen als Brut- und Rastplatz für Wasservögel seit 2007 von Windkraftanlagen-Betreibern finanziert.

Naturschutzfonds wartet auf Anträge

Im Naturschutzfonds Brandenburg stehen derzeit über 10 Millionen Euro zur Verfügung für Naturprojekte. Gezahlt haben das die Windpark-Firmen. Das teilt Bernhard Schmidt-Ruhe mit, Geschäftsführer des Fonds. „Man könnte sagen, dass es ein Problem ist, dass zu wenig Geld abgerufen wird, aber solche Projekte brauchen ja auch manchmal zwei bis drei Jahre Planungszeit.“ Er freue sich aber über jeden Antrag.

Ob das Ausgleichsgeld aber tatsächlich der Region zugutekommt, in der das Windkraftrad gebaut wird, steht auf einem anderen Blatt. Manchmal gelinge das, so Schmidt-Ruhe. Generell aber habe bisher jeder Landkreis im Land von den Zahlungen für Naturschutzprojekte profitiert.

Naturschützer fordern mehr Kontrolle

Waltraud Plarre, Vorstand und Sprecherin der Bürgerinitiative Kloster Lehnin, ist Gegnerin neuer Windkraftanlagen, insbesondere, wenn sie im Wald entstehen. „Es wird grundsätzlich von den Kommunen zu wenig Geld aus den Ausgleichsmaßnahmen abgerufen. Man muss mehr tun und mehr kontrollieren, ob und wo das Geld ausgegeben wird.“ Zudem sei bekannt, dass es zuwenig Flächen für die Naturschutzmaßnahmen gebe, sagt Waltraud Plarre.

In der Gemarkung Prützke stehen sieben Windkraftanlagen, in Nahmitz drei und in Golzow 13 des Betreibers CPC Germania GmbH. Sechs sind nach Unternehmensangaben in diesem Jahr in Rotscherlinde geplant mit einer Nennleistung von 28,8 Megawatt. Wann diese tatsächlich gebaut werden könnten, könne sie noch nicht sagen, so Eva Huth, Projektleiterin der CPC Germania GmbH. „Wir sind noch mitten in der Planung.“

Pro Windkraftprojekt hohe Summe fällig

Pro Projekt – teils auch mit mehreren Windkraftanlagen – müsse die Germania eine sechsstellige Summe an Ausgleichszahlungen leisten, so Huth. Diese Kosten hätten vor zehn, 15 Jahren niedriger gelegen als heute, weil die Anlagen immer größer werden würden und damit auch mehr Ausgleichszahlungen zu leisten seien.

„Die Höhe der Zahlung wird in jedem Einzelfall ermittelt und in einer Nebenbestimmung im Genehmigungsbescheid festgesetzt“, sagt Wiebke Theuer-Glamann, Sprecherin des Landesumweltamtes.

Bis spätestens einen Monat vor Baubeginn muss das betreffende Windkraft-Unternehmen die Summe zahlen. Das Geld geht in der Landeshauptkasse ein. Von dort geht die Zahlung an die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg.

Keine räumliche Nähe nötig

Es sind hohe Summen, die so etwa vier Mal im Jahr an den Naturschutzfonds Brandenburg gezahlt werden. Das bestätigt Fördermanager Claudius Schneider. Das Geld kann eine Kommune dann für das Pflanzen von Bäumen entlang eines Feldweges etwa oder für andere Naturprojekte beantragen, unabhängig davon, ob das konkrete Geld für ein Windkraftrad auf ihrer Gemarkung gezahlt worden ist. Auch Vereine und Initiativen sind antragsberechtigt.

„Wir haben natürlich das Interesse, dass das Geld im räumlichen und zeitlichen Zusammenhang zum Bau der Windkraftanlagen ausgegeben wird“, sagt Achim Wersin, Sprecher des Landesumweltministeriums. Vorgeschrieben ist das nicht. Die MAZ hatte ihn zuvor gefragt, ob für ein Windrad in Potsdam-Mittelmark ein Naturidyll in der Uckermark oder im Barnim entstehen dürfe und umgekehrt. Marco Thiele, Sprecher des Naturschutzfonds sagte, „wir haben das Anliegen, dass das Geld auch abgerufen wird“. Den Kommunen sei diese Möglichkeit bekannt.

Von Marion von Imhoff

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