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Potsdam-Mittelmark Winzige Elritzen tummeln sich im Baitzer Bach
Lokales Potsdam-Mittelmark Winzige Elritzen tummeln sich im Baitzer Bach
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17:31 03.06.2016
Sea-Life-Chefaquarist Martin Hansel setzt mit den „Jungen Umweltschützern“ Justin und Noah (v.r.n.l.) aus Berlin Jungtiere der Fischart Elritze in den Baitzer Bach. Quelle: Thomas Wachs
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Baitz

Ein im Fläming seit Jahrzehnten verschwundener Fisch kehrt in seine einstmals angestammten Fließgewässer der Region zurück. In den Baitzer Bach sind jetzt an die 600 winzige Elritzen eingesetzt worden. Die kleinen Fische aus der Familie der Karpfenartigen nahmen dafür einen Umweg von der Prignitz über Berlin in den Fläming.

Elritzen verschwanden im Laufe der Jahrhunderte unter anderem wegen Verschmutzungen aus märkischen Gewässern. „Nur noch an wenigen Stellen im Land Brandeburg gab es wenige Exemplare“, erzählt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam jetzt bei der Einsetzung der Elritzen zwischen Lüsse und Baitz.

Aufgewachsen im Berliner Aquarium

Um den Fisch wieder großflächig im Fläming anzusiedeln, hatten Naturschützer vor zwei Jahren in Prignitzer Gewässern 100 Elritzen entnommen und im Sea-Life-Aquarium in Berlin nachgezüchtet. Vor einem Jahr laichten die Fische erstmals in den Aquarien Wassertiere so erfolgreich, dass überzählige Jungfische nun in der freien Natur ausgesetzt werden konnten.

An die 600 Jungtiere der Fischart Elritze sind in den Baitzer Bach eingesetzt worden. Quelle: Thomas Wachs

„Als Zoobetrieb haben wir auch einen Bildungsauftrag“, sagt Mike Christian Schmidt, Geschäftsführer von Sea-Life in Berlin, zum Ursprung des Aufzuchtprojektes. „Unser Ziel ist es, neben exotischen Fischen vor allem auch solche zu zeigen, die in deutschen Gewässern heimisch sind“, so Schmidt. Die in ihrer Existenz bedrohte Elritze als Brandenburger Original war dabei eine besondere Herausforderung. „Denn erst als wir die natürlichen Bedingungen wirklich optimal simuliert hatten, gab es auch Nachwuchs“, erzählt Martin Hansel, Gewässerbiologe von Sea-Life. Er setzte die Jungfische jetzt bei Baitz gemeinsam mit jungen Umweltschützern des Berliner Aquariums in den Bach ein.

Langfristig angelegte Zucht

Die Wiederansiedlung der Elritzen ist auf längere Frist angelegt. Die Nachzucht im Sea-Life läuft kontinuierlich fort. Nach und nach sollen weitere dieser Fische im Fläming ausgesetzt werden. Parallel werde überwacht, wie sie im Baitzer Bach zurechtkommen. Dafür ist Klaus Baaske vom Bad Belziger Anglerverein der richtige Mann vor Ort. Der 81-Jährige kennt die Umgebung der Plane bestens seit Jahrzehnten.

Den Baitzer Bach haben die Experten ausgewählt, weil er für die anspruchsvolle Elritze beste Bedingungen bietet. Sie laicht nämlich nur auf kiesige Untergründen und liebt Verstecke in Wasserpflanzen und Wurzeln. Im Bereich oberhalb des Dorfes Baitz ist der Bach naturnah strukturiert. „Dort gibt es auch Bachforellen, Schmerlen und Bachneunaugen, so dass die Elritzen gut zur aktuellen Bestandszusammensetzung passen“, sagt Ulrich Thiel, Experte für Gewässerwirtschaft des Landesanglerverbandes Brandenburg.

Andere Tiere werden zur Gefahr

Allerdings lauern für die lediglich bis zu 15 Zentimeter großen und bis zu sechs Jahre alten Elritzen, die ganzjährig nicht zum Fang freigegeben werden, auch Gefahren. „Sie liegen heute weniger in der längst nicht mehr unzureichenden Gewässerqualität, sondern bei Beutemachen wie dem Otter, dem Biber oder Fischreihern, deren Population stark wächst“, so Thiel. Selbst Bachforellen können natürlicher Weise eine gewisse Gefahr für die Elritzen sein. Ulrich Thiel und seine Mitstreiter im Naturschutzprojekt hoffen, dass die Elritze vom Baitzer Bach aus in die Plane einwandert. „Sie haben eine ausgeprägte Neigung zur Wanderungen“, erklärt Steffen Zahn vom Potsdamer Institut für Binnenfischerei.

Kleine Elritzen von Fischern übersehen

Elritzen gab es nachweislich historisch noch im 18. Jahrhundert in den Südabflüssen des Flämings um Rosslau in Sachsen-Anhalt. „Für die Nordabflüsse scheinen sie bereits sehr früh verschwunden oder aus fischereilicher Sicht aufgrund ihrer Größe übersehen worden zu sein“, erklärt der Experte. Ursachen könnten neben der zunehmenden Verbauung der Wasserläufe durch Wehranlagen und Mühlen auch frühzeitig existierende Gewässerverschmutzungen gewesen sein. Zum Beispiel durch Färbereien, Gerbereien sowie später durch Abwässer von Molkereien, Düngemitteleinträge und Gülle aus der Landwirtschaft.

Über weite Strecken relativ naturnah

Der Baitzer Bach ist einer vom mehreren Nebenbächen der Plane, die sich durch die Belziger Landschaftswiesen bis kurz vor Brandenburg an der Havel schlängelt, wo sie in die Havel mündet. Auch die Plane ist über weite Strecken relativ naturnah, hat eine gute Wasserqualität, Wehranlagen gibt es kaum. Daher könnten die Gewässer ein guter Ausgangspunkt für die Ausbreitung der Elritzen bilden.

INTERVIEW

Klaus Baaske (81) vom Anglerverein Bad Belzig ist seit seiner Jugend leidenschaftlicher Angler. Quelle: Thomas Wachs

Klaus Baaske (81) vom Anglerverein Bad Belzig ist leidenschaftlicher Fischzüchter. Seit langem trägt er in vielen Projekten zum Artenschutz in Fläming-Gewässern bei.

Was halten Sie von der Wiederansiedlung der Erlitze im Baitzer Bach?

Klaus Baaske: Ich finde das sehr spannend. Seit 65 Jahren kenne ich das Gewässer hier und habe diesen Fisch hier noch nie gesehen. Hoffentlich bleibt er hier.

Sie selbst haben Verdienste bei der Zucht von Forellen und Aalen. Wo liegen die Herausforderungen?

Baaske: Otter, Biber und Reiher, die uns den Zuchterfolg streitig machen, werden zunehmend zum Problem. Voriges Jahr hatten wir bei der Forelle den schlechtesten Ertrag seit Jahren.

Wie bewältigen Sie Zucht und Gewässerpflege personell?

Baaske: In unserer kleinen Ortsgruppe der Angler und in meinem Alter wird das immer schwieriger. Hilfe kommt von Potsdamer und Berliner Angelfreunden sowie seit jeher von Manfred Kalka aus Bad Belzig vom Ortsverein Schwanebeck.

Von Thomas Wachs

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