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Wo Bauland Mangelware geworden ist

MAZ zu Hause in Bochow Wo Bauland Mangelware geworden ist

Das einstige Angerdorf Bochow hat in der Vergangenheit schon einige Zuzugswellen erlebt. Geflüchtete, Familien aus Werder oder Berlin kamen in das Obstanbaugebiet, in dem zu DDR-Zeiten viele Fachleute gesucht wurden. Mittlerweile gibt es keine Arbeitsstellen mehr im Ort, aber auch kaum noch Bauland. Wenn es nach dem Ortsvorsteher ginge, wäre das anders.

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Der Dorfkrug in Bochow.

Quelle: Luise Fröhlich

Bochow. Kirche, Dorfteich und Kneipe – in Bochow ist noch alles auf einem Fleck. Dort konzentriert sich das Leben des einstigen Angerdorfes. Nach der Wende waren die Dorffeste mit bis zu 2000 Besuchern legendär, erzählt Rüdiger Sachtjen, Ortsvorsteher seit drei Jahren. Auch heute sei das Fest noch der Höhepunkt im Bochower Veranstaltungskalender, auch wenn längst nicht mehr so viele Leute kommen. „Es ist klein, aber fein – eben gemütlich“, sagt Rüdiger Sachtjen. Der 61-Jährige selbst lebt seit 1987 in Bochow und kam, weil damals Fachleute für den Obstbau gesucht wurden. Rüdiger Sachtjen war immer Gärtner und er will es auch bleiben.

Neben den Siedlungen Bochow-Bruch und Neu-Bochow gehörte früher auch noch Bochow-Ausbau zu der einst selbstständigen Gemeinde. „Wer damals in Werder kein Land mehr gefunden hat, ist nach Bochow gekommen“, erzählt Rüdiger Sachtjen. Nach der Wende wurde viel gebaut. Bochow selbst sei das Bauerndorf gewesen und Neu-Bochow die Siedlung der Obstbauern. Auch heute gibt es mit dem Obst- und Spargelhof Leue dort noch einen Überrest. Viele kamen wie Sachtjen selbst des Jobs wegen in das Dorf. Mittlerweile sind die Arbeitsstellen aber rar geworden. Mit der Abschaffung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Obstproduktion Groß Kreutz“ fielen viele weg, berichtet der Ortsvorsteher. Für die 557 Seelen, die aktuell in Bochow wohnen, bedeutet das pendeln. Wer nicht mit dem Auto fährt, nimmt den Bus oder den Zug. Dennoch: „Eine Taktverdichtung würde vieles erleichtern.“

Engagierter Musiker lebt im Dorf

Augenblicklich ist die Einwohnerzahl leicht rückläufig, aber Bochow hat in seiner Vergangenheit schon einige Zuzugswellen erlebt. „Hauptsächlich kamen die Leute aus ökonomischen Gründen hierher“, weiß Rüdiger Sachtjen. Viele Berliner haben im Grünen ein Häuschen gebaut, was den positiven Effekt hatte, dass die leerstehenden Ruinen aufgekauft und wieder hergerichtet wurden. Auch für Geflüchtete sei Bochow ein Zuhause geworden. „Die Integration ist immer gut gelaufen, am Ende sind sie alle Bochower geworden“, sagt der Ortsvorsteher, der seit 1989 in der Kommunalpolitik tätig ist.

1953 entstand die erste LPG

Der Name „Bochow“ leitet sich nach einem Forscher von einer polabischen Grundform „Bochov“ ab, der aus Vornamen wie Boguslaw oder Boleslaw entstanden ist.

Im Jahr 1275 verkauften die brandenburgischen Markgrafen Otto IV. und Albert die Dörfer Klein Kreutz (Slauicam crucewitz), Bochow (Buchowe) und Oberzlaw mit allem Zubehör und Rechten für 350 Mark an das Kloster Lehnin. Nach dem Landbuch Karls IV. hatte Bochow 55 Hufen, davon hatte der Pfarrer zwei freie Hufen.

1624 lebten elf Bauern , drei Kossäten, ein Hirte und ein Hirtenknecht, ein Schmied und ein Paar Hausleute im Dorf.

Der Dreißigjährige Krieg traf den Ort sehr hart und löschte ihn fast aus. 1652 lebten noch vier Bauern und zwei Kossäten, insgesamt noch neun Personen im Ort. Die Bemühungen, ihn wiederzubeleben, zogen sich bis um 1750 hin. 1772 wohnten der Prediger, der Freischulze, neun Bauern, fünf Kossäten, ein Müller und ein Schmied in Bochow.

1775 wurde am südlichen Ausgang des Dorfes in der heutigen Plötziner Straße eine Holländerwindmühle aus Stein errichtet.

1953 entstand eine erste LPG vom Typ I mit acht Mitgliedern und 37 Hektar Nutzfläche, seit 1955 in eine LPG Typ III umgewandelt.

Weiter hatte sich eine LPG Typ I mit sechs Mitgliedern gegründet, die 1961 an die LPG Typ III angeschlossen wurde. Außerdem hatten sich zwei weitere GPGs mit 17 Mitgliedern und 62 ­Hektar Nutzfläche gebildet.

Die GPG „Zierpflanzen­produktion Neu-Bochow“ erzeugte Blumenzwiebeln für den Export. Die LPG „Obstproduktion Groß Kreutz“ bewirtschaftete 1982 mit 428 Hektar Obstplantagen über die Hälfte der Gemarkungsfläche.

Auch dank vieler junger Familien, die zugezogen sind, habe sich Bochow keinesfalls zu einem „Rentnerdorf“ entwickelt. Der neu gemachte Spielplatz werde gut angenommen. Eine Nachbarschaftsorganisation bestimmt zu einem großen Teil das gesellschaftliche Leben. Der Komponist Jan Tilman Schade lebt in Bochow und macht regelmäßig Kirchenmusik, mitunter auch mit internationalem Flair, wie der Ortsvorsteher erzählt. Jan Tilman Schade ist auch Initiator des Seminarhofes „Mollandur“, in dem Räume für Seminare, Studioaufnahmen oder Kino- und Tanzveranstaltungen angeboten werden. Seit Sommer 2013 leitet er die „Bochower Kirchenklänge“.

„Repressive Baulandpolitik aufgeben“

Für die Zukunft von Bochow wünscht sich Rüdiger Sachtjen, dass der Landkreis Potsdam-Mittelmark die „repressive Baulandpolitik aufgibt“. Bauland sei nämlich Mangelware geworden. „Wenn wir Glück haben, bauen wir dieses Jahr noch drei Häuser. Eigentlich müsste man aber jeden Tag bauen“, findet Rüdiger Sachtjen. Das Problem: Viele Flächen liegen im Außenbereich und müssten vom Kreis zunächst ausgewiesen werden, obwohl die Leitungen an vielen Stellen zur Verfügung stünden. Ein zweiter Wunsch ist die Sanierung des Dorfteiches, der ortsprägend für Bochow ist, aber mit der Zeit immer mehr verschlammt. „Darum kämpfen wir bei der Gemeinde schon lange, aber es ist natürlich eine Kostenfrage“, so Rüdiger Sachtjen.

Von Luise Fröhlich

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