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Wo Englisch-Fans durch den Flur stampfen

Nuthetals Akademie 2. Lebenshälfte feiert 15. Geburtstag Wo Englisch-Fans durch den Flur stampfen

Beim ersten Treffen standen ein Tisch, zwölf Stühle und ein leerer Raum bereit. Schon bald aber war mit zwölf Stühlen kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Die ältere Generation zog es schnell in Scharen in die Nuthetaler Akademie 2. Lebenshälfte. Am 20. November feiert sie 15-jähriges Bestehen.

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Die Akademie-Leiterin in Nuthetal: Judith Wermelskirch.

Quelle: JST

Nuthetal. Angefangen hat alles mit einer Vision. Ein Schatz sollte gehoben werden, wie es der erste Akademieleiter Helge Siering einmal ausdrückte. Mit dem Schatz, den es zu heben galt, meinte er die Kompetenzen der Älteren. Als Nuthetals Akademie 2. Lebenshälfte gegründet wurde, war dieser Anspruch keine Selbstverständlichkeit. Fürs erste Treffen standen ein Tisch, zwölf Stühle und ein leerer Raum bereit. Damals kamen zehn Leute, um sich über das neue Angebot der Akademie zu informieren, die am heutigen Freitag 15. Geburtstag feiert. 100 Gäste werden erwartet.

Schon kurz nach der Akademie-Gründung war mit zwölf Stühlen kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Nuthetals ältere Generation mag die Akademie, „weil sie wissen, dass sie hier gebraucht werden“, sagt Judith Wermelskirch, seit fünf Jahren Leiterin.

Als es vor 15 Jahren losging, holte man sich die Referenten nicht von auswärts. Die eigenen Leute bestritten zum Beispiel die Vortragsreihe, bevor später auch Experten aus Berlin oder Potsdam nach Nuthetal gelotst wurden. Im eigenen Umfeld waren und sind sie eben auch zu finden – Historiker, Schriftsteller, Biologen oder Sprachwissenschaftler, die viel zu erzählen haben. Bis heute ist der Anspruch geblieben, sich nicht nur von anderen berieseln zu lassen. Akademie-Aktivist Egon Mücke drückte das einmal so aus: „Wir wollen mitgestalten und keine Sessel-Furzer sein.“ Zugleich zogen auch die Berichte von fernen Reisen oder über fremde Kulturen die Leute an. „Man ist mit dabei, wenn jemand erzählt, wie er einen Berg bestiegen hat. Wir würden da nicht mehr hochkommen“, sagte Sigrid Otto (96) einmal in einem MAZ-Interview. Sie machte mit 86 Jahren ihren ersten Computerkurs – in der Akademie.

Nuthetals Akademie feiert Geburtstag

Die Festveranstaltung zum 15-jährigen Bestehen der Nuthetaler Akademie 2. Lebenshälfte beginnt am heutigen Freitag ab 15.30 Uhr in der Aula der Otto-Nagel-Grundschule im Andersenweg 43 in Bergholz-Rehbrücke.

In den gegenüberliegenden Akademie-Räumen wird zudem ab 17 Uhr eine Ausstellung eröffnet. Gezeigt werden Werke aus dem Kunstkurs der Akademie.

Laut Akademie-Leiterin Judith Wermelskirch sind die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen.

In diesem Jahr kamen von Januar bis November schon 1350 Leute in die Akademie. Zum Vergleich:  In Nuthetal wohnen nur 9000 Menschen. Rein statistisch gesehen hätten also 15 Prozent der Einwohner dieses Jahr die Einrichtung besucht, um zum Beispiel spanisch und italienisch zu lernen. Oder um Vorträge anzuhören, Bilder zu malen und eigene Geschichten zu schreiben.

Beliebt ist etwa der Kurs Autobiografisches Schreiben. Er dient mitunter auch dazu, „die eigene Lebensgeschichte zu verarbeiten“, sagt die Leiterin und erinnert daran: Einige gehören noch der Generation an, die Krieg und Nachkriegszeit erlebt haben. „Solche Lebensgeschichten stehen nicht im Geschichtsbuch.“

Das Besondere in Nuthetal ist, dass hier das Zugehörigkeitsgefühl groß ist, so Judith Wermelskirch. „Das Fest heute könnte ohne die Menschen nicht stattfinden, die kommen, um die Räume zu schmücken, Kuchen zu backen und das Buffet vorzubereiten. Sie kommen ganz selbstverständlich und gern her. Ich muss sie nicht rufen“, sagt sie. Wie vital die neuen Alten sind, hört man ab und an auch: Wenn Leute vom Englisch-Kurs etwa beim „Voice-Training“ stampfend durch den Flur laufen und lautstark ihre Bauchatmung aktivieren. Das hört sich ungefähr so an: Ho! Ho! Ho!

Gefeiert wird heute auch, „dass wir schwierige Jahre überstanden haben. Wir sind immer noch da und haben noch viel vor“, so die Leiterin.

Von Jens Steglich

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