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Wo Göring und Honecker auf Jagd gingen

Nur die ganz große Hirsche Wo Göring und Honecker auf Jagd gingen

„Die Schorfheide – Das Jagdrevier der Mächtigen“ zeigt, dass sich alle Mächtigen in diesem Flecken Brandenburgs gern auf die Lauer legten. Macher des Films ist der in Treuenbrietzen geborene Dokumentarfilmer Jürgen Ast. In Rädigke plauderte er aus dem Nähkästchen.

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Hermann Göring, den das Volk gern auch als „Reichsjägermeister“ bespöttelte.

Quelle: rbb / Jürgen Ast

Rädigke. Die Reihe „Kultur aus dem Fläming“ zeigte am Freitag im Beisein des Regisseurs den für die RBB-Sendereihe „Geheimnisvolle Orte“ entstandenen Film „Die Schorfheide – Das Jagdrevier der Mächtigen“. Macher des Films ist der in Treuenbrietzen geborene Dokumentarfilmer Jürgen Ast. Einmal mehr war der Saal der Fläming-Bibliothek im Gasthaus Moritz rappelvoll, als Moderator Bernd Fredrich Filmemacher Ast und Autor Burkhard Ciesla in Rädigke begrüßte.

Dokumentarfilmer Jürgen Ast

Dokumentarfilmer Jürgen Ast.

Quelle: Saskia Popp

Jürgen Ast arbeitete gut zwei Jahre an der Dokumentation über die Schorfheide als das Jagdrevier der Mächtigen. Zu den Standardwerken, die Ast für seine Recherche las, gehört ein Buch des Berliner Historikers Burkhard Ciesla. Gemeinsam stellten nun beide ihre Werke in der Fläming Bibliothek vor.

Die Schorfheide im Norden Berlins diente lange als Jagdrevier für die Mächtigen. Von Kaiser Wilhelm II über Hermann Göring bis zu Mielke und Honecker verbrachten die Staatslenker hier ihre Freizeit, sie schossen kapitale Hirsche und verbrachten die Abende am Lagerfeuer. Neben dieser romantisch anmutenden Szenerie wurde harte Politik gemacht. Wer beispielsweise zur Honeckerschen Jagdgesellschaft gehörte, der war jemand im Arbeiter- und Bauernstaat, in dem doch eigentlich die Jagd dem Volke gehören sollte.

Im Publikum kann darüber mancher nur müde lächeln. Volker Stötzig aus Bad Belzig war schon zu DDR-Zeiten passionierter Jäger. „Neben der eigentlich vorhergesehenen Kollektivjagd gab es noch diverse andere Gebiete“, erklärt der Tierarzt, „es gab die Diplomatenjagd, wie sie in der Schorfheide betrieben wurde und hier gab es Gebiete, die nur der Polizei gehörten“.

„Personengebundene Sonderjagdgebiete“, so erklärt Ast den etwa 80 Gästen im Gasthaus Moritz, seien zu DDR-Zeiten in der Schorfheide zu finden gewesen. Neben Erich Honecker, Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und damit dem mächtigsten Mann im Staat, jagten hier schillernde Figuren wie sein Vorgänger Walter Ulbricht, ZK-Mitglied Günter Mittag und Stasi-Minister Erich Mielke. Franz-Josef Strauß war zu Gast, die führenden Sowjets sowieso. Nach der Wende wurden unzählige Jagdwaffen aus den Häusern der Mächtigen geborgen, „und wir Kollektivjäger hatten auf fünf Mann eine Waffe“, brummt Volker Sötzig im Zuschauerraum.

Da lacht er

Da lacht er: Immerhin hat er eine Büchse für ganz allein.

Quelle: rbb / Jürgen Ast

Auch zuvor war die Schorfheide bereits ein ganz besonderes Jagdgebiet gewesen. Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe in der Nazi-Zeit, hatte hier sein Anwesen Carinhall erbauen (und später sprengen) lassen. Und schon Kaiser Wilhelm II. jagte in der Schorfheide – wegen seines steifen Armes unter besonderen Voraussetzungen: hunderte Tiere wurden ihm in einem Gehege vor die Flinte getrieben, so dass der Kaiser sie trotz seiner Beeinträchtigung bequem erlegen konnte.

Die Gäste in der Fläming Bibliothek kennen diese Geschichten, viele hier sind selbst Jäger. Um ihre Pacht- und Jagdgebiete sollte es an diesem Abend nicht gehen, doch Ähnlichkeiten mit der Geschichte der hoheitlichen Jagdstrecken gibt es dennoch.

Wirt Bernd Moritz spürt die Folgen der Honeckerschen Jagdgemeinde in der Schorfheide auch im gut 150 Kilometer entfernten Fläming bis heute: „Damals haben die gemeint, wir vermehren jetzt das Wild, denn wir wollen es ja schießen“, so Bernd Moritz, „bis heute finde ich in meinem eigenen Wald keinen Baum ohne Wildschäden. Das haben die mit ihren Entscheidungen damals zu verantworten.“ Historiker und Buchautor Burkhard Ciesla macht noch eine andere Gemeinsamkeit deutlich. „Bis heute gibt es wohlhabende Geschäftsleute, für welche die waidgerechte Jagd nicht im Mittelpunkt steht“, sagt der Experte, „sondern für die es ein Statussymbol ist, am Wochenende statt auf den Golfplatz mit ihren Geschäftspartnern jagen zu gehen.“

Eine Jagdfreundschaft, Kremlchef Leonid Breschnew (links) und SED-Chef Erich Honecker

Eine Jagdfreundschaft, Kremlchef Leonid Breschnew (links) und SED-Chef Erich Honecker.

Quelle: rbb / Jürgen Ast

Illustre Jagdgemeinschaften kennt nicht nur die Schorfheide. In Groß-Briesen stand das Jagdhaus des DDR-Innenministers Friedrich Dickel. Später wurde es zum Vital-Hotel, heute steht das Anwesen leer. Der ehemalige Boxweltmeister Nikolai Walujew war sogar in Rädigke. „Unser Jagdpächter hatte den als Jagdgast“, berichtet Wirt Moritz, „er soll sogar einen weißen Hirschen geschossen haben.“

Von Saskia Popp

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