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Potsdam-Mittelmark Wo Historisches auf historischem Boden wächst
Lokales Potsdam-Mittelmark Wo Historisches auf historischem Boden wächst
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18:09 05.09.2017
Im Grünen eingerahmt ist der Nordgiebel der Ziegeleibesitzervilla in Götzer Berge. Quelle: Fotos (2): Mandy Mamedow
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Götz

Dort wo einst Ziegel hergestellt wurden, wachsen heute historische Gemüsesorten. In und um die Ziegeleibesitzervilla in der Bergstraße 1 in Götzer Berge kann man eintauchen in die wechselvolle Geschichte des Grundstückes mit dem unter Gartendenkmalschutz stehenden Parkgelände und dem Schaugarten. Die Landwerk gGmbH, Eigentümer und Betreiber des Areals, lädt zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag auf eine Zeitreise in den Groß Kreutzer Ortsteil Götz ein.

Die um 1870 erbaute Villa des ehemaligen Ziegeleibesitzers Bossdorf, später Daude, vereint Bauelemente des Historismus und der sozialistischen Moderne und wurde bis 1997 nahezu durchgängig zu verschiedenen Zwecken genutzt. Sie war Wohnhaus, Erholungsheim, Ferienlager, DDR-Schulungszentrum und Nachwende-Bildungszentrum. Nach der Liquidation erlebte das Haus mehrere Wiederbelebungsversuche. Es war Drehort für den Film „Ameisen gehen andere Wege“ und sollte zuletzt gestressten Schreibtischarbeitern temporäre Mietbüros in Natur und ländlicher Idylle bieten. Heute präsentieren sich Villa und Umgebung nicht nur als stumme Zeitzeugen einer rund 150-jährigen Geschichte. Auf der Rückseite der Villa ist seit einiger Zeit erneut Leben eingezogen. Blühende Blumenrabatten und Bänke laden bei Veranstaltungen des Schaugarten Götzer Berge zum Verweilen ein. Die gemeinnützige Betreibergesellschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, das Areal der Öffentlichkeit schrittweise wieder zugänglich zu machen. Dazu sucht sie nach wie vor Mitstreiter und Ideen, um ein langfristiges und tragfähiges Zukunftskonzept zu entwickeln.

Das erste größere Projekt der Landwerker ist der im Mai 2015 eröffnete Schaugarten. Mit EU-Fördermitteln und unzähligen ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen wurde 2014/15 ein kleiner Teil des rund eineinhalb Hektar großen Gesamtareals zu einer Gartenanbaufläche hergerichtet. Diese von historischen Mauern umschlossene Fläche wurde ursprünglich vermutlich zur Tierhaltung genutzt und zuletzt als Müllhalde. „Wir hatten mehrere Container Schrott zu entsorgen, bevor ein Garten entstehen konnte“, berichtet Thorsten Rocksch von Landwerk. Heute wachsen im Schaugarten, nördlich der Villa gelegen, beispielsweise die Tomatensorten „Berner Rosen“, „Matina“ und „San Marzano“, die Buschbohne „Marona“ oder die Kartoffeln „Linda“ und „Blauer Schwede“.

Das Gewächshaus mit Fußbodenheizung. Quelle: Mandy Mamedow

Die Besonderheit des Gartens ist ohne Zweifel das mit einer Fußbodenheizung und Isolierglas ausgestattete Gewächshaus. Die Fußbodenheizung wird von Regenwasser gespeist, welches mittels Solarenergie erwärmt wird. „Wir wollten zeigen, dass auch im Hausgebrauch Gewächshaus oder Wintergarten energieeffizient beheizbar sind“, so Rocksch. Wandert man vom Schaugarten durch den sich anschließenden Landschaftspark, lassen sich schlummernde Kleinode der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts finden, so beispielsweise ein Wasserturm, der die einstigen Wasserspiele im Park betrieb, eine Grotte sowie ein Jagdhaus.

Aber auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist mit ihren architektonischen Hinterlassenschaften im Park und vor allem in und an der Villa äußerst präsent. Nach Enteignung der Daudes, der letzten Ziegeleibesitzer, diente die Villa der sowjetischen Armee als Erholungsheim. In den 1950er-Jahren begann eine Nutzung als Kinderferienlager, wovon auch noch die Reste der damals errichteten Betonbungalows im Park zeugen. Das Ferienlager bestand parallel zu anderer Nutzung bis 1990.

Die einschneidendste bauliche Verwandlung erlebte das Gelände in den 1970er-Jahren, als es vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) als Schulungsheim genutzt und dazu architektonisch im Stil der Zeit umgestaltet wurde. Noch heute sind Bauten und teilweise Interieur aus dieser Zeit erhalten, beispielsweise eine komplette Bibliothek mit Konferenztisch, Panoramafenstern und Parteibüchern, alles anno 1974. Zum Tag des offenen Denkmals am 10. September kann man Einblick in die Geschichte des Objektes nehmen.

Villa, Parkanlage und Schaugarten sind zum Tag des offenen Denkmals von 11 bis 17 Uhr geöffnet. In der Villa wird die Ausstellung „Geschichte der Deetzer Ziegeleien“ in Kooperation mit dem Heimatverein Deetz gezeigt.

Tag des offenen Denkmals In Potsdam-Mittelmark

Unter dem Thema „Macht und Pracht“ öffnen am 10. September Burgen, Kirchen, Villen, Türme, Gutshäuser und Mühlen ihre Türen.

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark sind neben der Villa und dem Schaugarten unter anderem dabei:

Heizkraftwerk Beelitz-Heilstätten (11 bis 17 Uhr), Straße am Bahnhof 1

Gesamtgelände der Heilstätten, „Baum und Zeit“ (10 bis 19 Uhr), Straße nach Fichtenwalde 13

Wasserturm Beelitz (13 bis 18 Uhr), Karl-Liebknecht-Straße

Alte Posthalterei Beelitz (13 bis 17 Uhr), Poststraße 6

St.-Andreas-Stadtkirche in Teltow (12 bis 16 Uhr), Breite Straße

Dorfkirche Ruhlsdorf (10.30 Uhr bis 17 Uhr), Dorfstraße 3

Erinnerungs- und Begegnungsstätte „Checkpoint Bravo“ in Kleinmachnow (10 bis 18 Uhr), Albert-Einstein-Ring/Stahnsdorfer Damm

Verkaufsbüro von Adolf Sommerfeld Kleinmachnow (12 bis 18 Uhr), Karl-Marx-Straße 117

Bismarckhöhe Werder (14 bis 17 Uhr), Hoher Weg 150

Gutshaus Krahne in Kloster Lehnin (10 bis 18 Uhr), Krahner Hauptstraße 7

Koordiniert wird der Tag des offenen Denkmals von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Gegründet 1985 ist sie die größte Bürgerinitiative für Denkmalschutz und Denkmalpflege in Deutschland.

Von Mandy Mamedow

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