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Wo Schiffe zu ihrem passenden Antrieb finden

Schiffbau-Versuchsanstalt öffnet ihre Türen Wo Schiffe zu ihrem passenden Antrieb finden

Seit 64 Jahren gibt es die Schiffbau-Versuchsanstalt (SVA) in Marquardt. Geschäftsführer Christian Masilge weiß um den Ruf eines geheimnisvollen Ortes, der sich hier hartnäckig hält. Am kommenden Sonnabend werden beim Tag der offenen Tür in der Einrichtung wieder einige Geheimnisse gelüftet. Im MAZ-Interview erklärt er, welche das zum Beispiel sind.

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Christian Masilge, seit 2014 Geschäftsführer der SVA zeigt einige der Schiffsmodelle.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Marquardt. Die Schiffbau-Versuchsanstalt (SVA) besteht seit 64 Jahren in Marquardt. Alle zwei Jahre öffnet die SVA ihre Türen für Besucher – am Sonnabend, 2. September, von 10 bis 14 Uhr ist es wieder soweit. Christian Masilge (57) hat vor drei Jahren die Geschäftsführung übernommen nachdem sein Vorgänger Manfred Mehmel in den Ruhestand ging. Im MAZ-Interview erklärt er, was und wie in der Einrichtung erprobt und erforscht wird.

Herr Masilge, Schiffbau-Versuchsanstalt (SVA) klingt für den Laien etwas sperrig. Was muss man sich denn darunter vorstellen?

Christian Masilge: Die Versuchsanstalt wird tatsächlich als geheimnisvoller Ort angesehen, unter dem sich die meisten nicht viel vorstellen können. Im Binnenland ist das ja auch eher ungewöhnlich, hat allerdings hier historische Wurzeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten wieder Schiffe gebaut werden und dazu brauchte man in Ostdeutschland eine Versuchsanstalt. Ohne geht es nicht. Der Ingenieur Werner Henschke hat schließlich dafür gesorgt, dass sie 1953 hier in Potsdam entsteht, obwohl verschiedene Orte wie Karlshorst oder Warnemünde in der Diskussion waren. Es gab hier am Standort schon eine Forschungsanstalt für Schifffahrt, Wasser- und Grundbau. Das angrenzende Ackergelände zu bebauen, war dann relativ unkompliziert.

Warum kann man ohne Versuche keine Schiffe bauen?

Schiffe müssen bestimmte Parameter erfüllen. Dabei geht es hauptsächlich um die Performance, also den Leistungsbedarf eines Propellers, aber auch um Hydroakustik oder um strukturmechanische Probleme, das heißt, um die Standhaftigkeit des Materials. Die Hydroakustik, also der Schall, den ein Schiff im Wasser verursacht, ist immer wichtiger geworden. Grenzwerte gibt es für den Bereich derzeit noch nicht, sind aber in Arbeit.

Müssen die Versuche für jedes einzelne Schiff, das heutzutage auf dem Wasser unterwegs ist, durchgeführt werden?

Kaum ein Schiff gleicht dem anderen. Die Zeiten, in denen man Schiffe in Serien gebaut hat, sind vorbei. Bei den Seeschiffen gibt es sicherlich Klassen, wodurch sie sich abgesehen von zum Beispiel anderen Maschinen relativ ähnlich sind. Aber die meisten Schiffe sind heutzutage auf den Kunden zugeschnitten und daher einzigartig. Der Markt ist sehr viel kleinteiliger geworden, besonders den Yachteignern ist es wichtig, dass ihre Yacht schöner, länger und schneller ist, als alle anderen.

Wie wichtig ist das Yachtgeschäft für Sie?

Sehr wichtig. Generell besteht unser Umsatz zur Hälfte aus Erträgen aus Forschungsvorhaben und zur anderen Hälfte aus Industrieaufträgen. Wir sind ein gemeinnütziges Unternehmen. Aktuell arbeiten wir an 17 Forschungsvorhaben bei verschiedenen Projektträgern zu Themen wie Energieeinsparung, Hydroakustik, CO2-Reduzierung oder wie man Energiegewinnungsanlagen effizienter machen kann.

Wenn es um den Bau eines Schiffes geht, wann kommen Sie ins Spiel?

Wir beraten den Kunden schon dabei, was das Design angeht und optimieren Schiffslinien in der Regel mit Verfahren der numerischen Störungsmechanik (CFD). Der Computer kann zwar allein schon viel, aber man braucht trotzdem den Versuch mit dem Modell des Schiffes und des Propellers. Die werden zum Teil auch hier im Haus selbst entworfen, gebaut und dann erprobt. Die Ergebnisse aus dem Modellversuch werden dann für die Großausführung hochgerechnet und am Ende gibt es einen Bericht und eine Prognose.

Am 2. September öffnet die Schiffbau-Versuchsanstalt wieder die wieder die Türen für Besucher. Was erwartet sie hier?

Wir lassen die Besucher hinter die Kulissen gucken. In Gruppen werden sie von Mitarbeitern durch die verschiedenen Abteilungen geführt und dürfen den Ingenieuren und dem Werkstattpersonal über die Schulter schauen. Das Herzstück der SVA ist die 280 Meter lange Schlepprinne, auf der ein Schleppwagen mit maximal 35 Stundenkilometern Schiffsmodelle durch das Wasser zieht. Die Besucher können auf der Plattform mitfahren. Gezeigt wird aber auch der Kavitationstunnel, die zweite Hauptversuchsanlage, in dem Propeller unter Unterdrucksituationen untersucht werden.

Was hat die Besucher beim Gang durch die SVA bei den vergangenen Malen am meisten beeindruckt?

Dass es hier überhaupt so etwas gibt. Aber auch die Vielfalt und der Umfang, der betrieben werden muss, um zu einem Ergebnis zu kommen, zum Beispiel welche Leistung ein Schiff braucht. Wir müssen sehr präzise arbeiten, denn ein kleiner Fehler am Modell kann sich bei der Großausführung des Schiffes enorm auswirken.

Bis zu 200 Besucher beim Tag der offenen Tür

Mehr als 500 Propeller und Propulsionssysteme sind in der SVA bislang gefertigt und untersucht worden.

Die Einrichtung gilt als leistungsfähige und international anerkannte Forschungs- und Beratungseinrichtung der Schiffbauindustrie mit einem weltweiten Kundenstamm.

Gegründet wurde sie 1953 unter Leitung des Ingenieurs Werner Henschke, der Herausgeber des Schiffbautechnischen Handbuches ist.

Seitdem hat sich die Anstalt auf den Gebieten Schiffshydrodynamik, Wasserbau und Verkehrswesen spezialisiert.

Die Schlepprinne war zunächst nur 80 Meter lang, wurde dann aber auf 280 Meter Länge ausgebaut, ist 9 Meter breit und 4,5 Meter tief.

Aktuell sind 42 Ingenieure und Werkstattmitarbeiter in der SVA beschäftigt.

Zum Tag der offenen Tür , der alle zwei Jahre veranstaltet wird, kommen zwischen 100 und 200 Besucher, die in kleinen Gruppen von Mitarbeitern durch verschiedene Stationen der Anstalt geführt werden.

Am 2. September sind die Türen der SVA in der Marquardter Chaussee 100 von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Von Luise Fröhlich

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