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Potsdam-Mittelmark Wo Streithähne Frieden schließen
Lokales Potsdam-Mittelmark Wo Streithähne Frieden schließen
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20:25 06.11.2017
Horst Ellerbrock und Klaus Gellert sind die Schiedsmänner der Gemeinde Schwielowsee. Quelle: Luise Fröhlich
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Schwielowsee

Hundegebell, knatternde Rasenmäher oder dicke Äste, die über die Grundstücksgrenze ragen: Wenn Klaus Gellert (49) und Horst Ellerbrock (66) zur Tat schreiten, geht es in den meisten Fällen um Streitigkeiten unter Nachbarn. Wenn über den Gartenzaun hinweg nichts mehr geht, kommen die beiden Schiedsmänner ins Spiel. Denn bevor die Streithähne einander verklagen, müssen sie zunächst versuchen, sich außergerichtlich zu einigen. So sagt es das Gesetz. „Bei den Schlichtungsgesprächen geht es nicht darum, Recht zu sprechen, sondern darum, eine Lösung zu finden“, erklärt Klaus Gellert. Er ist seit 2013 ehrenamtlicher Streitschlichter in Schwielowsee und wurde jüngst von den Gemeindevertretern einstimmig für weitere fünf Jahre ins Amt gewählt.

Knapp 70 Prozent der Streitigkeiten, die in der Gemeinde aufkommen, werden in der Schiedsstelle einvernehmlich gelöst, berichtet der Rechtsanwalt aus Wildpark-West. Erfolg haben die beiden „Friedensrichter“, wie sie in Sachsen genannt werden, dann, wenn sie die beiden Parteien zum Umdenken bewegen können. „Die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen und am besten glücklich auseinander gehen“, sagt Klaus Gellert. Während es am Ende einer Gerichtsverhandlung einen Gewinner und einen Verlierer gibt, sollen beide die Schlichtung mit einem guten Gefühl verlassen.

„Leute zusammenführen – das ist mein Ding“

Unterstützt wird Klaus Gellert in der Schiedsstelle seit fast drei Jahren von Horst Ellerbrock, der vor 13 Jahren der Liebe wegen aus Schleswig-Holstein nach Geltow kam. Zwischenzeitlich waren die Schlichter in Schwielowsee sogar zu dritt. „Ich habe gedacht, dass ich irgendwie noch tätig sein muss. In der Vergangenheit war ich Personalratsvorsitzender“, so Horst Ellerbrock. Außerdem wollte der Pensionär in seiner neuen Heimat Menschen kennenlernen. Klaus Gellert hatte eine neue Herausforderung und gesucht und gefunden. „Leute zusammenführen – das ist mein Ding“, sagt er.

Manchmal reicht ein Telefonat

14 Schlichtungen gab es 2016 in der Gemeinde Schwielowsee. Es gibt aber auch Jahre, in denen es doppelt so viele gibt. Dazu zählen allerdings nicht nur Schlichtungsgespräche in der Schiedsstelle, sondern auch Telefonate oder „Tür- und Angelgeschäfte“.

Kommunen richten Schiedsstellen ein. Nach der Wahl der Schiedsleute muss das Amtsgericht die Person in das Amt berufen. Schiedsstellen sind zuständig für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten, Strafsachen oder den Täter-Opfer-Ausgleich.

Ein Jurastudium müssen Schiedsleute nicht zwingend vorweisen. Man müsse sich lediglich in Sachen Nachbarschaftsrecht, der Gemeindesatzung und dem Schlichtungsgesetz des Landes auskennen und dazu gebe es Schulungen, berichtet Horst Ellerbrock. „Es gehört aber auch Menschenkenntnis und Psychologie dazu“, ergänzt Klaus Gellert. Fingerspitzengefühl helfe dabei, herauszufinden, wie man die Streithähne ansprechen und durch das Gespräch leiten muss.

In der Winterzeit gibt es weniger Streit überm Gartenzaun

Der Raum, in dem Streitigkeiten geschlichtet werden, befindet sich im Bürgerhaus Caputh. Anfragen erreichen die beiden Schiedsmänner meistens telefonisch, aber auch schriftlich oder über das Ordnungsamt, bei dem verzweifelte Nachbarn manchmal Hilfe suchen. Worum es den Streithähnen genau geht, dürfen Klaus Gellert und Horst Ellerbrock nicht verraten, da die Gespräche immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit ablaufen. In der Regel wird zunächst nur der Antragsteller befragt. „Danach können wir das Verfahren vorbereiten, für das wir Fristen einzuhalten haben und dann wird eine Einladung an beide verschickt“, erläutert Klaus Gellert den Ablauf. Ein Schlichtungsgespräch selbst kann dann schon mal bis zu vier Stunden dauern.

In der herannahenden Winterzeit geraten die Nachbarn erfahrungsgemäß weniger aneinander. „Die Gartenarbeiten sind abgeschlossen und es schläft dann ein bisschen ein“, sagt Horst Ellerbrock.

Von Luise Fröhlich

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