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Wo die Menschen Wurzeln schlagen

Kleinmachnower gestalten ihr eigenes Museum Wo die Menschen Wurzeln schlagen

Mit einem modernen Museumskonzept machen sich Kleinmachnower auf die Suche nach ihrer Identität. Mehrere Projektausstellungen bis ins Jahr 2020 sollen den Grundstock für ein digitales Depot und ein festes Heimatmuseum schaffen. Beteiligung ist gefragt, auch für das laufende Projekt zum Thema „Wurzeln“.

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Auf der Suche nach den Wurzeln Kleinmachnows: Kuratorin Alexis Hyman Wolff vor dem Sommerfeld-Verkaufsbüro aus den 1930-er Jahren.

Quelle: Stich

Kleinmachnow. Die Gemeinde Kleinmachnow steckt voller Geschichten und Geschichte – ein Heimatmuseum gibt es bislang aber nicht. Einzelne Aspekte der Historie beleuchten das Industriemuseum der Region Teltow und das kürzlich eröffnete Museum in der Schleuse Kleinmachnow. Der Heimatverein hat zwar zahlreiche Exponate gesammelt und lagert sie am Standort in der Hohen Kiefer, der Sprung zu einer dauerhaften Ausstellung an einem repräsentativen Ort ist aber nie gelungen.

„Wir stehen ganz am Anfang“, sagt Alexis Hyman Wolff. Die sympathische US-Amerikanerin hat im vergangenen Jahr als Kuratorin eine erste Projektausstellung mit dem Titel „Ein Museum von und für Kleinmachnow“ gestaltet und liegt mit ihren Mitstreitern nun in den letzten Zügen für die zweite Präsentation, die am 9. September eröffnet werden soll. Wie im vergangenen Jahr wurde als Schauplatz der Ausstellung das ehemalige Verkaufsbüro des Bauunternehmers Adolf Sommerfeld in der Karl-Marx-Straße 117 ausgewählt. Das Holzhaus aus den frühen 1930-er Jahren steht unter Denkmalschutz und symbolisiert die exorbitante Besiedlung Kleinmachnows in dieser Zeit. Sommerfeld hatte die Bürgerhaussiedlung federführend konzipiert.

Doch mit den Kleinmachnowern ist es ja immer eine ganz besondere Sache. Ein klassisches Heimatmuseum mit Mittelalter-Urkunden und Spinnrad aus dem 19. Jahrhundert wie zum Beispiel in der Nachbarstadt Teltow ist hier nicht denkbar. „Das Alleinstellungsmerkmal Kleinmachnows ist der Zu- und Wegzug der Menschen“, sagt Hyman Wolff. Und gerade deshalb haben sie, die kooperierende „Museumsinitiative“ und der Heimatverein das laufende Projekt unter das Motto „Wurzeln“ gestellt.

Erst auf den zweiten Blick zeigt sich die Durchschlagskraft des Wurzel-Themas. Vordergründig geht es ganz praktisch um Pflanzen und Gärten in Kleinmachnow, die eigentliche Frage, die die Ausstellung an die Einwohner stellen will, ist aber die Frage nach der Identität. Und die ist in einer Gemeinde, die seit der Wende 1989 rund 80 Prozent der Alteingesessenen verloren hat und von Neuzugezogenen dominiert wird, nicht leicht zu beantworten.

Gesucht: Gartenfotos, Bilder und Objekte

Noch bis zum 25. August ist das Haus in der Karl-Marx-Straße 117 jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr für alle Interessierten als „Museums-Werkstatt“ für die gemeinsame Arbeit an der Ausstellung sowie für die Aufnahme von Sammlungsleihgaben und ihren Geschichten geöffnet.

Die Ausstellung unter dem Motto „Wurzeln“ wird am 9. September um 15 Uhr im Sommerfeld-Verkaufsbüro eröffnet. Am 10. September ist das Holzhaus im Rahmen des „Tags des offenen Denkmals“ ebenfalls zugänglich.

Ein Teil der Ausstellung wird sich mit der Geschichte der Gärtnerei Schöwel am Zehlendorfer Damm beschäftigen. Sie versorgt seit 1955 auf der Fläche der ehemaligen Schlossgärtnerei die Kleinmachnower mit Pflanzen.

Die Kuratorin Alexis Hyman Wolff, die „Museumsinitiative“ und der Heimatverein suchen Gegenstände und Geschichten zum Thema „Wurzeln“. Das können Gartenfotos, aber auch Objekte und Bilder sein, die mit Verwurzelung oder Entwurzelung zu tun haben.

Kontakt: Alexis Hyman Wolff unter museum.kleinmachnow@gmail.com oder 01573/0921992 und im Internet auf der Seite www.kleinmachnow.de unter „Museum“.

Was die „Siedler“ zu allen Zeiten verband, war „Der große Traum vom kleinen Glück“ mit eigenem Haus und Garten. Das besondere an Kleinmachnow in den vergangenen 100 Jahren war aber, dass dieser Traum von den politischen Ereignissen regelmäßig zerstört wurde und eine mehrmalige „Vertreibung“ stattfand – die jüdischen Einwohner während der Nazi-Zeit, Flucht und Vertreibung nach 1945 und nach dem Mauerbau, zuletzt der Bevölkerungsaustausch nach dem Ende der DDR, als hunderte Häuser rückübertragen wurden.

Alexis Hyman Wolff vor einer Karte, die zeigt, woher all die Klenmachnower ursprünglich stammen

Alexis Hyman Wolff vor einer Karte, die zeigt, woher all die Klenmachnower ursprünglich stammen.

Quelle: Jürgen Stich

„Wir sammeln Gegenstände, die mit diesen Brüchen, die mit Entwurzelung und Rückkehr zu tun haben“, so die Kuratorin. „Wir suchen Geschichten, Erbstücke und alle Dinge, die Bezug zu Kleinmachnow und dem Begriff Wurzeln haben.“ Dabei gehe es nicht nur darum, Archive zu durchstöbern, die Anregungen sollen vielmehr aus der Mitte der Bevölkerung kommen. Das Museumskonzept setzt auf Partizipation, auf das Mitmachen der Einwohner.

Ganz ohne die „klassischen“ Museumszugaben kommt aber auch Alexis Hyman Wolff nicht aus. So werden in der Ausstellung Fotos Kleinmachnower Gärten gezeigt, darunter echte Entdeckungen: So hat die bedeutende Landschaftsarchitektin Herta Hammerbacher (1900-1985), eine Mitarbeiterein von Karl Foerster, mehrere Gärten für private Hausbesitzer in der Gemeinde gestaltet. Außerdem liegen bereits acht Zeitzeugeninterviews vor, die die Ausstellung bereichern werden.

Das Projekt „Ein Museum von und für Kleinmachnow“ soll mit diversen Ausstellungen an unterschiedlichen Orten fortgesetzt werden. Die Museumsinitiative will Schritt für Schritt ein digitales Archiv aufbauen, auf das dann jeweils zurückgegriffen werden kann. Im Jubiläumsjahr 2020, wenn die Gemeinde ihr 100-jähriges Bestehen als selbstständige Kommune feiert, muss dann eine Entscheidung darüber fallen, wo das Museum seinen festen Standort haben wird und was gezeigt werden soll.

Von Jürgen Stich

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