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Potsdam-Mittelmark Wo die Mieter auch die Vermieter sind
Lokales Potsdam-Mittelmark Wo die Mieter auch die Vermieter sind
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20:17 17.11.2017
Bunte Truppe: Zum Richtfest wurde auch die gemeinsam gestaltete Vereinsflagge gehisst. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Am Anfang standen fünf Worte. Bei Familie Bartels hatten die Kinder gerade das Haus verlassen, als Sabine Bartels prophezeite: „Es wird langweilig hier.“ Peter Bartels, ihr Mann, sprach dann den entscheidenden Satz: „Dann machen wir eine Wohngemeinschaft.“ So gingen sie auf die Suche mit der Frage: „Wer will mit uns wohnen?“ Gut vier Jahre später könnte man ins Staunen kommen darüber, was aus dem Satz geworden ist – nämlich etwas ziemlich Großartiges. In Michendorf ist der Verein Wohnmichel entstanden, der eine GmbH gegründet hat, die für die Vereinsmitglieder Häuser baut. Für drei Wohnhäuser mit 21 Wohnungen wurde am Freitag im Stieglitzweg Richtfest gefeiert. Und die Frage – „Wer will mit uns wohnen?“ – kann nun so beantwortet werden: Viele Leute aller Generationen, die zum Beispiel aus Michendorf, Potsdam, Berlin oder aus Westfalen kommen und zwischen vier Monaten und 68 Jahren alt sind. Genau genommen sind es 32 Erwachsene und 18 Kinder, die im Spätsommer 2018 in die drei Häuser des Vereins einziehen werden.

Sie alle hat ein Projekt angezogen, das in Zeiten, in denen am Wohnungsmarkt zumeist die Rendite die Hauptrolle spielt, aus mehreren Gründen ein wohltuender Kontrast ist. „Die Häuser sollen Lebensraum für Menschen bieten, die in Gemeinschaft und ökologisch leben wollen. Es gibt keinen Investor, der hinter uns oder im Wege steht. Die Häuser werden der Gemeinschaft gehören, jeder wird aber seine eigene Wohnung mieten“, sagte Matthias Frost, Geschäftsführer der GmbH, die nicht gewinnorientiert arbeite. „Keiner wird an den Mieten verdienen. Wir sind Mieter und Vermieter zugleich. Die Widersprüche, die damit verbunden sind, müssen wir mit uns selbst austragen“, sagte er.

Die Miete von gut neun Euro pro Quadratmeter wird zuerst eingesetzt, um die Kredite für den Hausbau abzuzahlen. Laut Frost werden in den Bau der drei Häuser etwa 4,5 Millionen Euro investiert. Neben dem Kredit von der Umweltbank finanzieren Darlehen von Privatpersonen das Projekt – die meisten Darlehensgeber sind selbst Mitglied im Verein oder Bekannte und Verwandte. Eines Tages, wenn die Kredite abgezahlt sind, können die Mieten sinken, sagte Vereinsmitglied Phil Thoma. Dann wird das Geld aus den Mieten nur noch für Instandsetzungen und ähnliches gebraucht.

Fördermöglichkeiten von Land und Bund nutzen die Bauherren, um das Wohn- auch zum Öko-Projekt zu machen. Der Öko-Mix in den Häusern besteht aus Photovoltaikanlagen auf den Dächern, die Strom liefern und Solarzellen, die im Sommer Wärme fürs Warmwasser erzeugen. „Was wir an Wärme im Sommer übrig haben, wird in einem anderthalb Meter tiefen Erdtank für den Winter gespeichert“, sagte Sven Ramelow, der mit Frau und Tochter in ein Haus einziehen wird. Zum Mix gehört auch ein Blockheizkraftwerk, das mit Öko-Gas betrieben wird und bei der Wärmegewinnung Strom produziert. Gebaut werden die Häuser aus Holz, „weil Beton klimaschädliches Baumaterial ist“. Bei der Herstellung von Beton ist der Kohlendioxid-Ausstoß höher als beim Heizen der Wohnungen, so Ramelow. Nur die Keller der Häuser sind aus Beton. Eine Pflanzenkläranlage für die Aufbereitung von Wasser aus Dusche und Waschmaschine wird es auch geben. Genauso ein Gemeinschaftshaus mit Saal für den Verein, der weiter wachsen soll. Geplant sind zwei weitere Häuser. Das Gemeinschaftshaus soll sich auch für alle öffnen – etwa bei Lesungen oder Yoga-Kursen, die dort stattfinden könnten.

„Wir wollen vieles teilen, aber nicht alles. Wir wollen mehr sein als Nachbarn, nicht nebeneinander, sondern miteinander leben“, sagte Claudia Piplow aus Michendorf, die mit ihren beiden Töchtern ins Südhaus ziehen wird.

Architektin Petra Kuczmarski, die die Wohnkommunarden bei der Planung des neuen Zuhauses ab und an auf den Boden der Tatsachen zurückholte, wünschte „gutes Gelingen“ und fügte noch hinzu: „Hier werden Perlen geschaffen.“

Landrat: „Ich hoffe, das Projekt findet Nachahmer“

Der Verein Wohnmichel ist Teil des Mietshaussyndikats, einem Verbund für neue selbstorganisierte Hausprojekte.

Der Vereinsname sollte nur ein Arbeitstitel sein, der sich am Ende aber unter den Vereinsmitgliedern durchsetzte – das Michel ist abgleitet von Michendorf, dem Heimatort des Wohnprojekts.

Von den 21 Wohnungen, die in den drei Häusern entstehen, sind wenige noch frei. Wer in eine Wohnung einziehen will, kann sich beim Verein bewerben. Vor dem Einzug steht eine Phase des gegenseitigen Kennenlernens. Voraussetzung sei, „dass wir zu den Leuten passen und sie zu uns“, sagte Matthias Frost.

Zum Richtfest am Freitag sprachen auch Landrat Wolfgang Blasig (SPD), Bundestagsabgeordnete Manja Schüle (SPD und Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) Grußworte. „Man kann auch anders bauen und anders leben. Ich hoffe, dieses Projekt findet viele Nachahmer“, sagte der Landrat.

Von Jens Steglich

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