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Potsdam-Mittelmark Wo halb Preußen die Bildung lernte
Lokales Potsdam-Mittelmark Wo halb Preußen die Bildung lernte
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00:21 30.09.2017
Sabine Jahns macht Führungen im Schulmuseum und gibt praktische Anleitung zur Sütterlinschrift Quelle: Brigitte Einbrodt
Reckahn

Ausgangspunkt für Erkundungen im Schloss Reckahn ist der schöne, helle Raum in der Mitte des Gebäudes mit Blick in den Park. In diesem Gartensaal dominieren die weißen, glatten Büsten – das sind die Köpfe von Franz von Anhalt-Dessau und von Christiane Louise (1734-1808) und Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805). Kluge Köpfe. Das Gutsherrenpaar machte das kleine märkische Dorf in der Nähe von Brandenburg an der Havel bereits 1780 zu einem europäisch bedeutenden Treffpunkt der Aufklärung.

Kontakt, Öffnungszeiten und Angebote

Das Rochow-Museum und das Schulmuseum liegen in der Reckahner Dorfstraße 27 und 23 in 14797 Kloster Lehnin, Ortsteil Reckahn. Kontakt unter 033835/60672 oder 608870.

Mehr im Internet unter www.rochow-museum.de und www.reckahner-museen.de

Öffnungszeiten bis Ende Oktober: Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Das Café im Schloss kann am Wochenende von 14 bis 17.30 Uhr besucht werden. Von November bis März gelten diese Zeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag nur bis 16 Uhr, das Café bis 16.30 Uhr.

Die Schließzeit beginnt am 16. Dezember 2017 und endet am 28. Februar 2018. Auf Anfrage sind Besichtigungen für Gruppen möglich, auch die Barockkirche zwischen den Museen wird auf Anfrage geöffnet.

Beide Museen bieten verschiedene pädagogische und thematische Aktionen und Führungen an, etwa in der Rochow-Grotte, der museumspädagogischen Werkstatt im Untergeschoss des Schlosses. Es wird Papierschöpfen und kreative Tonarbeit angeboten. Im Schulmuseum können sich Gruppen für Unterrichtsstunden bestimmter Epochen entscheiden.

Schnell ist der Besucher in der Atmosphäre gefangen, die wohl damals bei den Teegesellschaften herrschte, in denen durchaus an die 200 Gäste zusammenkamen. Nicht nur aus Berlin, sondern aus ganz Europa. Toleranz gegenüber allen Religionen, gesund leben zum Wohle der Gesellschaft und eine philanthropisch gestaltete Schule für alle waren wesentliche Themen der historischen Diskussionen. Als liebreich, gut und gastfreundlich wurde die Hausherrin Christiane Louise von Rochow dabei immer wieder gepriesen. Originale Eintragungen in das Gästebuch wurden wiedergefunden, erforscht und somit die fortschrittlichen Gedanken für die Öffentlichkeit erhalten.

Museumsleiterin Silke Siebrecht-Grabig im Philanthropischen Denklehrzimmer im Schloss. Quelle: Brigitte Einbrodt

Das Rochow-Museum in Reckahn wurde im August 2001 eröffnet. Silke Siebrecht-Grabig war damals noch interessierter Gast der neuen Dauerausstellung „Vernunft für das Volk“. Die heutige Museumsleiterin studierte an der Berliner Humboldt-Universität Kulturwissenschaften und Europäische Ethnologie. „Der Ort hatte mich sofort verzaubert“, sagt sie, und bald stand das Thema ihrer Promotion fest: „Rochow als Domherr in Halberstadt“.

Das Schulmuseum im historischen Schulhaus. Quelle: Reckahner Museen

Für die im sächsisch-anhaltinischen Halberstadt Geborene hatten sich damals neue Netzwerke aufgetan. Sie schätzt es heute als großes Glück ein, dass damals das Jubiläum „300 Jahre Preußen. Berlin und Brandenburg“ das nötige Geld für die Reckahner Museen einbrachte. Und vor allem sei es von großem Wert, gemeinsam mit der Universität Potsdam an der Forschung dranzubleiben, die über 100 Jahre brachlag.

Museumstag und Nikolausfest

Die Reckahner Museen, die zu den Urhebern der Museumsaktion „Feuer und Flamme für unsere Museen“ am Samstag, 28. Oktober, beteiligt.Beginn ist um 11 Uhr. Das Schulmuseum bietet zum Beispiel neben öffentlichen Führungen auch Schreibübungen im historischen Klassenzimmer an. Um 18 Uhr beginnt ein Laternenumzug. Der Gutspark ist illuminiert.

Die Sonderausstellung „Die Kinderzeitschrift Bummi zwischen Spielzeugland und sozialistischer Ideologie“ läuft noch bis zum 10. Dezember.

Nikolausfest feiert man am 10. Dezember im Schloss. Von 14 bis 18 Uhr gibt es im Kellergewölbe einen Adventsmarkt. Um 15 Uhr präsentiert die Kita „Sonnenschein“ ihr Weihnachtsprogramm.

Die gemeinsame Arbeit mit den Historikern Hanno Schmitt und Frank Tosch ist ganz praktisch in der Rochow-Grotte zu erfahren, einer museumspädagogischen Werkstatt im Museum, die auf die Idee und die Konzeption von Frank Tosch zurück geht. Dabei geht es darum, die reformpädagogischen Traditionen der von Rochows fortzuführen. Eberhard von Rochow war der Vater der „Preußischen Volksschule“. Im benachbarten Schulmuseum in der Reckahner Dorfstraße kann der Besucher praktisch in die Geschichte ab 1915 eintauchen und sich zum Beispiel in der Sütterlinschrift ausprobieren.

Das Herrenhaus beherbergt das Rochow-Museum, ist auch ein schöner Ort für Konzerte und Hochzeiten. Quelle: Johannes Richter

Die Landgnadenschule wurde 1773 gegründet, als erste zweiklassige Volksschule in Deutschland. Die Idee der von Rochows, den Kindern von Bauern und Tagelöhnern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, war für die damalige Zeit revolutionär. Das Lesebuch von Friedrich Eberhard von Rochow „Der Kinderfreund“ zeugt von der philanthropischen (menschenfreundlichen) Idee der Pädagogik. Das Buch wurde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts das meistbenutzte Lesebuch nicht nur in Deutschland, sondern in Europa. In sechs Sprachen ist es bis heute übersetzt.

Hier kann man in engen Schulbänken die Sütterlinschrift erlernen. Quelle: Brigitte Einbrodt

Im Mittelpunkt der Gesellschaft stand die Dame des Hauses. Nicht nur eine freundliche Gastgeberin, sondern eine kluge und auch praktisch denkende Frau und großartige Organisatorin der Zusammenkünfte. Wenn Silke Siebrecht-Grabig durch die Räume führt, merkt man schnell, dass die Museumsleiterin große Sympathie für Christiane Louise von Rochow hat.

Sie zeigt auf die Reproduktion des Pastellporträts und verweist auf die damals sehr moderne Art sich zu kleiden. „Immerhin war Louise da schon 60“, schwärmt sie. Christiane Louise von Rochow machte sich gern lustig über die Schleppen der adligen Damen, sie kritisierte immer das Unpraktische und die Affektivität.

Ein Stereoskop in der Ausstellung des Schulmuseums. Quelle: Heiko Hesse

Sie hatte keine Kinder, im Briefwechsel mit einer stillenden Freundin äußerte sie sich traurig darüber. Und machte sich für die Kinder in und um Reckahn stark. Kostenlose Schulbildung für alle. Besonders bei den Mädchen achtete sie darauf, dass sie regelmäßig zum Unterricht kamen. „Mitdenken beim Arbeiten“ gab sie ihnen mit auf den Weg.

In den Räumen des Schlosses findet man viele Hinweise auf den regen Briefwechsel und die Kontakte zu gebildeten Frauen der damaligen Zeit, die durchaus nicht nur Rezepte austauschten, sondern ernsthaft über Politik, Philosophie und die Beziehung zur Natur nachdachten. Nicht zufällig war der Gartensaal mit Blick in den schönen Gutspark der Ausgangspunkt des Gedankenaustausches.

Von Brigitte Einbrodt

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