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Erneute Attacke: Wölfe reißen Bullenkalb

Potsdam-Mittelmark Erneute Attacke: Wölfe reißen Bullenkalb

Erneute Wolfsattacke: Dieses Mal haben die Tiere im Landkreis Mittelmark ein Bullenkalb gerissen. Eine zweite Kuh und ihr Kalb konnten sich noch in der Herde in Sicherheit bringen. Der betroffene Landwirt macht sich nun Vorwürfe. Er glaubt, dass sich mehrere Wölfe an seiner Herde vergangenen haben.

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Ein Wolf wird stets als Späher vorgeschickt, um die Lage auszukundschaften, bevor die anderen folgen und das Rudel dann gemeinschaftlich seine Opfer überfällt.
 

Quelle: MAZ

Rieben.  Vielleicht hätte er doch auf seine viereinhalbjährige Tochter Lena hören sollen, macht sich Ralf Engelhardt jetzt Vorwürfe. Der Landwirt unterhält in Rieben einen Familienbetrieb mit rund 200 Mutterkühen. Es dunkelt schon, als Engelhardt mit seiner Tochter am Donnerstagabend noch einmal auf eine der beiden sogenannten Abkalbweiden fährt und nach dem Bullenkalb sieht, das an diesem Tag gerade erst in der freien Natur geboren wurde. „Wollen wir das Kälbchen nicht lieber in den Stall bringen? Sonst kommt noch der böse Wolf und holt es sich“, bittet die kleine Lena. Doch der Vater scherzt noch. „Etwa so wie das Rotkäppchen?“

Als der Rinderzüchter am Freitagmorgen um sechs Uhr seine beiden Herden kontrollieren will, fällt ihm sofort die ungewöhnliche Ruhe auf der einen Weide auf. Seeadler stehen auf der Wiese. „Das ist kein gutes Zeichen“, sagt Engelhardt. Als er näher hinzutritt, macht er den grausigen Fund: Wölfe haben von dem Kalb, das wohl noch zu schwach war, um selbstständig laufen zu können, nur einen Vorderfuß übrig gelassen. Abdrücke von Zähnen und Wolfskot ringsum lassen keinen anderen Schluss zu. Der Wolfschadensgutachter hat eine DNA-Probe genommen, die jetzt untersucht wird, um hundertprozentig sicher zu sein.

„So ein Wolf frisst durchschnittlich sechs Kilo am Stück. Das Kalb wog 45 Kilo. Es müssen mindestens sieben Wölfe gewesen sein“, rechnet Engelhardt vor. Da die übrige Herde etwa 300 Meter von der Mutterkuh entfernt stand, waren sie und ihr Kalb den grauen Räubern schutzlos ausgeliefert. Dass das Rind noch versucht haben muss, das Rudel abzuwehren, ist aus den blutverschmierten, aufgeschlitzten Ohren des Tieres zu schließen, sagt Engelhardt. „Die schicken erst einmal einen Wolf vor, der für die anderen die Lage erkundet. Sobald erfolgreich Beute in Aussicht steht, folgen die anderen nach“, beschreibt der Landwirt die Taktik. Für das Kalb hätte Engelhardt im November auf dem Markt etwa 900 Euro bekommen können, sagt er. Eine zweite Mutterkuh und deren Kalb, das vor zwei Tagen geboren wurde und offenbar schon laufen konnte, hatten wohl Glück. Sie flüchteten sich zur Herde.

Landwirt hat 8000 Euro für Schutz vor Wölfen investiert

Bislang war die Naturlandfarm Riebener See von Ralf Engelhardt von solchen Überfällen verschont geblieben. „Wir wollten uns aber schützen und haben bereits um eine Weide einen zusätzlichen Elektrozaun gezogen. Auf der zweiten Weide sind wir gerade bei der Umzäunung.“ Bis zu 8000 Euro hat Engelhardt bereits privat in Schutzmaßnahmen investiert, ohne einen Zuschuss dafür zu erhalten.

„Wir haben schon vor zwei,drei Jahren auf die bedenkliche Entwicklung der Wolfspopulation hingewiesen. Doch die Verantwortlichen im Umweltministerium haben das Problem unbekümmert oder vielleicht sogar vorsätzlich heruntergespielt und die derzeitige Entwicklung zugelassen“, ist Kreisbauernchef Jens Schreinicke (CDU) außer sich. Es gäbe jetzt zwar eine Präventionsrichtlinie, nach der Schutzmaßnahmen gegen Biber und Wolf gefördert werden. Doch die 60 Euro pro Kuh für den Zaunbau würden die tatsächlichen Kosten und die anschließende Zaunpflege kaum decken. „Wir können gar nicht so schnell den Zaun bauen, wie die Wölfe unsere Rinder reißen“, sagt Schreinicke.

Der Kreisbauernchef fordert von der Politik eine kurzfristige Entscheidung, Wölfe aus dem vorhandenen Bestand „entnehmen“ zu dürfen, wie der gelegentliche Abschuss der grauen Räuber in der Verwaltungssprache genannt wird.

Rund 30 Prozent mehr Wölfe in jedem Jahr

Bereits im vorigen Jahr wurde Landwirt Ralf Engelhardt des Nachts von Lärm geweckt. Als er mit seinem Jeep auf die Weide fuhr, wurde er von seinen beunruhigten Kühen umringt, die ihn nicht wieder wegfahren lassen wollten. Damals konnte Engelhardt nichts feststellen.

Mit Wildschweinen hätten die Rinder kein Problem, sagt Engelhardt. Die Borstentiere wären einfach an der Herde vorbeigelaufen.

Die Präventionsrichtlinie für Schutzmaßnahmen gegen Biber und Wolf gilt seit Ende Februar dieses Jahres.

Die Wolfspopulation steigt nach Schätzungen von Experten in jedem Jahr durchschnittlich um etwa 30 Prozent, unabhängig von der Größe des Rudels, so Kreisbauernchef Jens Schreinicke (CDU).

Der Schutzstatus für den Wolf wurde in einer EU-Richtlinie zu Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) verankert.

Von Heinz Helwig

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